Geliebter Lateinunterricht ...
Von
tastifix
Montag 05.02.2024, 14:09 – geändert Dienstag 05.03.2024, 11:45
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tastifix
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..Schon soo lange schnüffele ich hier in dieser Rubrik, dass ich mir sage:
"Es wird Zeit, mir selber auch mal Luft zu machen!"
Auch ich war vor langer Zeit ein Schulkind. Auf die Volksschule folgte das Lyzeum, was dann mein Schicksal besiegelte. Die höhere Schule zeigte sich mir gegenüber in den ersten beiden Jahren nur von der aller besten Seite. Stolz marschierte ich mit meinen Versetzungszeugnis in die Quarta nach Hause. Ich strahlte übers ganze Gesicht. Es blieb für die nächsten fünf Jahre das letzte Mal.
Eines Tages verrieten uns die netten Lehrer, dass wir ab dann uns nicht nur mit den alten Römern beschäftigen würden, sondern auch mit deren Sprache. Die war ebenso alt und galt als praktisch tot. Alles Neue übt ja für eine begrenzte Zeidauer einen gewissen Reiz aus und so paukte ich voller neugierde und guten willens Vokabeln. Ja, ich ertappte mich dabei, dass ich auf jedes neue Wort den Schülerknigge missachtend ungeheuer stolz war und es bei jeder sich bietenden Gelegenheit bzw. eher öfteren Ungelegenheiten in die Gespräche einbaute.
Rief meine Mutter mich zu sich, antwortete ich;
„Domina servam vocat!“ (Die Herrin ruft die Sklavin!)
Zu meinem Glück hatte sie Humor.
Zankten mein Bruder und ich uns wie die Rohrspatzen, schrie ich ihn an:
„Asinus es!“ (Du bist ein Esel!)
Mein Geschwisterchen war darob plattm denn es war fast sieben Jahre älter als ich.
Hatte mein Vater stundenlang versucht, mir eine Mathematikaufgabe näher zu bringen und ich kapierte sie trotzdem nicht, murmelte ich zur Entschuldigung:
„Errare humanum est!“(Irren ist menschlich!)
Seine Reaktion...war auch menschlich.
Dann nahte der Tag, an dem ich ein süßes grünes Reclamheft kaufte. Ein recht dickes Reclamheft war es. Und gleich die passende Erläuterungslektüre dazu, die im Umfang diesem später ach so geliebten Heft in nichts nach stand.
Mit diesem Kauf startete das Übel, das mir dann noch drei lange Jahre auf den Fersen blieb.
Längst schon hatte ich es aufgegeben, mit vor Stolz geschwellter Brust zu deklinieren oder gar zu konjugieren:
„Laudare, laudo... Die Konjugationsform ´laudor`(ich werde gelobt!) brauchte ich sehr bald nicht mehr im Gedächtnis zu speichern, denn gelobt werde ich nur noch selten.
Anfangs jedoch blätterte ich neugierig in dem Heft. Nach nur zwei Seiten schwand die Neugierde, wich dem Erstaunen und gab dann endgültig dem schieren Entsetzen Raum, das sich als wahrer Meister in Selbstbehauptung erwies.
Fremdsprachenlehrer lieben Übersetzungen. Leider genauso die Lateinlehrer. Zunächst führten sie uns vorsichtig - den Herzinfarkt sollten wir ja erst nach Beendigung des Lateinkonsus erleiden - an Hand kurzer Sätze in die Kunst ein, einer toten Sprache Leben einzuhauchen. Hauchen passte, denn genau das taten wir nach geraumer Zeit, weil die einstmals so sympathisch kurzen Sätze zu Bandwurmmonstern heran gewachsen waren. Oh, welch ein Schrecken: Jenes Sammelsurium trug einen Namen und nannte sich Caesar! Der führte Kriege, baute Brücken auf und wieder ab und das in Sätzen, die fast eine ganze Seite des Lehrbuches ausmachten.
„Lieber Herr Caesar. Wäre es denn nicht auch kürzer gegangen, weil Sie doch damals alles ruckzuck kurz und klein schlugen?“
Doch bald bewies sich, wie grausam das Leben sein kann. Wir armen Schüler mussten diese Bandwürmer übersetzen. Abgesehen von unserem Klassenstreber verstanden wir alle nur noch Bahnhof und wahrscheinlich ihätte der bald von uns gehasste Caesar keines seiner einstigen klugen Worte mehr und schon gar nicht die Kriegsaktionen wiedererkannt.
uch ich, deutsches Kind der Neuzeit, präsentierte dem armen Kerl eine völlig neue, nach meinem Gutdünken zusammen fabulierte Historie, zählte auf seine Weisheit, es zu bewerkstelligen, jenes Sammelung von Unmöglichkeiten und Unlogik irgendwie vor seinen Fans (ja, die soll es auch heute noch geben!) glaubhaft zu rechtfertigen.
Unsere Lehrer rauften sich die Haare, gedachten der ihnen noch blühenden Pflicht, uns noch mit einem anderen Herrn der Geschichte vertraut zu machen, nämlich Ovid, und bekamen bei dem Gedanken daran schon zuvor graue Haare.
Als ich dessen Werke erblickte, streikte ich, weil mir erstens meine Lehrer und noch mehr ich mir selber zu leid tat, als dass ich ihnen und somit denn mir deren Übersetzung nach meiner Art zugemutet hätte.
Nein, dazu hatte ich die Pauker denn doch zu lieb!
Wie es weiterging, erspare ich besser meinen Lesern!!