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Geeignet für Klasse 3

Von tastifix Freitag 11.08.2023, 16:41 – geändert Dienstag 19.09.2023, 09:32

Elternschuldirektorin T. stellt ihren Eltern stolz ein Zeugnis aus. Wir sind wohl der Versetzung in die zweite Klasse würdig. Sie hat uns während des vergangenen Jahres strengstens getestet. Hauptfach: Was ertragen sie? Fast ebenso wichtig: Wie krieg` ich sie dazu, dass sie das tun, was ich will? Sie ist mit unseren bisherigen Leistungen ausgesprochen zufrieden und unterzeichnet das wichtige Dokument mit einem Kritzelkreuz. Denn sie ist erst vier Jahre alt. Die Abschlussprüfung ist sehr pulvrig gewesen.
"Mama und Papa haben doll geschwitzt! Und dann hat Mama ganz lange geputzt, bis die Waschküche wieder sauber war!"
Noch nicht mal Schimpfe hat sie bekommen. Brave Mama, lieber Papa..

Irgendwie hat sie Mitleid mit uns. So eine tolle Beurteilung … und wir ahnen nichts. Eigentlich schade. Mama und .Papa würdem sich bestimmt freuen. Doch wir dürfen davon nichts wissen. T. möchte ja, dass ihre Eltern noch viel mehr lernen. Sie kraust das Näschen:
"Die zweite Klasse ist schwerer als die erste. S. hat das ´mal gesagt."
Die ist T.`s älteste Schwester und besucht schon die dritte Klasse.

Nun hat sich T. eine neue Bewährungsprobe für uns ausgedacht.
"Dafür ist die Schule da!", hat S. auch  gesagt.
Weil T. dauernd lustige Einfälle hat, tummeln sich tolle Ideen in ihrem Kopf. Am liebsten möchte sie alles auf einmal ausprobieren. Aber das wäre selbst für sie zu schwierig. Lange Ferien gibt es in ihrer Schule nicht. Deswegen fasst sie auch recht schnell etwas einfallen. Ohne es zu merken, leiste ich dabei noch Hilfestellung. Großreinemachen ist angesagt. Ist etwas los im Haus, entgeht es T. nicht. Und weil es an diesem Tag sogar wahnsinnig interessant wird, schon gar nicht.

Im Hobbyraum liegt Teppichboden. Dort toben aber vier Kinder, die allesamt für Knabberzeug schwärmen. T. meint:
"Ohne Schokolade, Gummibären und Bonbons ist das schönste Spiel doof."
Das Zeug schmeckt ka nicht nur toll, sondern sie gönnt der Schokolade, den Gummibärchen und auch den Bonbons gerne ein weiches Lager.
"Bärchen brauchen doch eine Höhle!"
Sie hat sie zwar schon an gelutscht, aber so pappen sie noch besser auf dem Teppich und bleiben tatsächlich stehen ohne umzufallen. Sehr besorgt um das Wohlergehen der patschpfotigen Lieblinge, legt die Kleine ein dickes Schokoladenfeld an. Schön in immer weiteren Kreisen um die Bärenfamilie herum. Glücklich beobachtet sie, welch große Kulleraugen ihre bunten Freunde daraufhin bekommen. T. hat eben eine blühende Fantasie.

Weil sie besonders gern die riesigen Ausgaben solcher Tüten mag, überlegt sie, dass die Bärchen darin dann auch besonders viele Höjlen brauchen und genauso viel Schokolade. T. ist eifrigst bei der Sache und freut sich auf noch viel mehr Kulleraugen. Als sie endlich die Bemühungen um die klebende Tierwelt einstellt, ist der Hobbyraum zum Naturschutzpark geworden. Menschen sind eindeutig fehl am Platz. Dagegen würden Wildschweine begeistert sein. T.`s Fantasie-Wind hat den Schokoladensamen in alle Ecken des Raumes geweht. Vom Teppichboden ist vor "Braun" kaum mehr etwas zu erkennen. Ein wahres Paradies auch für Gummibärenmägen.
Kurze Zeit später kommen T. doch heftige Zweifel, ob Mama und Papa sich wirklich freuen werden. Also verzieht sie sich lieber- auf verdächtig leisen Sohlen.

Deshalb übernehme jetzt ich wieder die Berichterstattung.
Ist es hier auffallend still, werde ich meist auffällig kribbelig. Beunruhigt düse ich durchs ganze Haus und mache mich vorsichtshalber auf alles gefasst. Als erstes durchforste ich die Jugendetage, nichts. Eile danach mit fliegenden Fahnen nach unten durch die Küche, das Esszimmer und das Wohnzimmer. Wieder nichts. Sollte der Nachwuchs tsatsächlich freiwillig Mittagsschlaf halten??

Ich Schaf! Ich hätte ja fast den Keller vergessen: Ochnee, der Hobbyraum! Hastig renne ich die Treppe hinunter, befehle mir ´Gelassenheit`(nutzt bloß nicht viel!) und betrete das besagte Spielparadies. E.ntsetzt pralle ich zurück. Vor mir ein riesiges Schokoladenfeld, in dem ich ganz viele umgekippte, wohl überfressene Gummibärchen entdecke, um sie herum hübsche Weingummi-Blumenhecken. Mein Schrei gellt durchs Haus. Gleich stürzt der Papa meiner Kinder herzu und - ist der gleichen Meinung. Wir greifen uns sämtliche Reinigunsmittel und verbringen dann einen extrem gemütlichen Nachmittag. Nach einer Stunde machen wir eine Pause und verziehen uns zur Erholung ins Wohnzimmer, wo wir lange bleiben, denn die Sehnsucht nach dem Ort der Untaten ist nicht besonders drängend.
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"Ob das vielleicht doch nicht so`ne tolle Idee war?"
Tina ist es nicht nur mehr mulmig zumute. Nein, mittlerweile hat sie Amgst. Denn sie hat Mama und Papa verzweifelt schuften sehen. Aber, was ihr trotzdem sehr gefallen hat, war jenes weiße Zeug, das so schön schäumte. Und mit dem haben Mama und Papa den Schokoladenfeldern auchwirklich einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Die sind daraufhin viel kleiner geworden.
"Arme Gummibärchen!", denkt T. besorgt. "Aber sie sind ja satt und schlafen jetzt eben!“
Tja, Ihr Gewissen hat sich gemeldet. Aber wo haben Mama und Papa diese Dose mit dem weißen Schaum gelassen? Hm, dann muss sie sicn eben etwas Anderes einfallen lassen. Sie hat ja freie Bahn, denn wir hocken ja immer noch im Wohnzimmer und meiden den Keller.
"Wenn kein Schaum zu kriegen ist", sagt sich T. ,"dann mach`ich selber welchen.“
Sie schnappt sich eine Mehltüte, eine Packung Zucker und, damit es schön breiig wird, entführt sie noch fix eine große Dose Penatencreme aus dem Bad. Dann geht`s los: Sie patscht und mengt und rührt. Auf der kleinen Stirn sammelt sich der Schweiß. Unsere Mini-Möchtergern-Hausfrau hebt den völlig verkrusteten Arm und wischt sich die Tropfen stöhnend ab. Nun klebt dort Penatenmehl. Doch hat sie wirklich keine Zeit, es erst mal wegzuwischen. Denn sie hat Arbeit. Stolz sieht sie auf den Mehl-Zucker-Penatenbrei, sie findet ihn aber noch zu fest und mischt ein wenig Wasser darunter. So, jetzt entspricht er ihren Vorstellungen.

Auf Knien rutschend, knetet sie diese Pampe sorgfältig, nachhaltig sorgfältig, in den Teppichboden ein. Nach wenigen Minuten sieht der erstaunlich frisch aus. Beinahe so weiß unsere Kleine. wenn sie aus der Badewanne steigt. Begeistert rubbelt sie immer fester. Na, Mama und Papa werden stolz sein, wie sehr sie darum bemüht ist, ihre Untat wieder zu beseitigen. Es macht ihr Mut: "Äätsch, Mama!", triumphiert sie, "Dein Schaum war blöd. Der ging wieder weg. Meiner ist viel besser. Der bleibt fest drauf. Das sieht so viel schöner aus!"
Dummerweise reicht der Pampenvorrat nicht aus. Doch mmerhin hat sie ja alles wieder gutmachen wollen. Ihr Herz klopft wieder ruhiger. Ja, sie glaubt, dass alles wieder gut wird!

Der Meinung sind wir allerdings nicht, als wir uns dann nach fast zwei Stunden Ausruhen zwingen, ein zweites Mal den Keller aufzusuchen, um dem Rest der Schweinerei auch noch den Kampf anzusagen. Wir schwanken zwischen Wut und Frust, reissen uns jedoch unserem Töchterchen gegenüber gewaltig am Riemen. Denn: Unser Kleines ist ja noch soo klein!

Um alles wieder in Ordnung zu bringen, benötigen wir das ganze folgende Wochenende.

Wiederum erreichen wir das Klassenziel.
Wegen unseres untadeligen Benehmens diesmal sogar mit höchstem Lob.

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