Für Öcherle Teil 2
Von
Fiddigeigei
Donnerstag 11.07.2019, 17:14
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Fiddigeigei
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An der Salm entlang
Von Bruch aus führt uns der Steig nach Kloster Himmerod. Wieder so ein Pfad nur gemacht für eine Schuhbreite. So dicht stehen herrliche hohe alte Buchen und lassen deshalb keinen Sonnenstrahlen auf das dunkle Wasser der Salm gleiten. Der Fluss fließt ruhig, eher still und flüstert nur, wenn er durch quer liegende Baumstämme oder Basaltbrocken aufgehalten wird. Unheimlich, kein Glitzern, kein Gleissen, nur flüssige Lavaschwärze.
Dann erreichen wir eine Stelle, wo eine der riesigen Buchen gefallen ist. Sonnenstrahlen legen sich auf das Wasser. Der schwarze unheimliche Fluss wechselt auf einem kurzen Stück zu einem Stück Leinwand, auf der sich ein Maler in einen Farbrausch versetzte.
Keine Kamera? So will ich das Erlebte am schwarzen Salm ihn mir forttragen.
Kloster Himmerod
Hallo, hallo, ist dort Pater Stephan?
Ein Wanderbruder hat es mir geraten. Eine Nacht im Kloster. Es klappt, ich darf kommen.
Verschwitzt und atemlos stehen wir vor dem Eingang. Es dauert ein bisschen bis ich meine „Zelle“ zugewiesen bekomme. Dort ist es einfach und schlicht. Abendessen ist um 18°°! Öcherche ist angespannter als ich. Ich beruhige. Der Hl. Franziskus von Assisi hat alle Tiere sehr gemocht, auch Eifelhörnchen.
Um 17°° gab es einen Vespergottesdienst in der mächtigen Klosterkirche. In ihrer Einfachheit gebaut besteht ihr Sinn alleine nur an Gott zu denken. Der Gesang der Mönche und Brüder in ihren schwarz/weißen Kutten ist ruhig und gleichmäßig und schwebte hinauf in die Kuppel. Ich fühle mich irgendwie geborgen und glücklich wie selten in meinem Leben. Er hat alles recht gemacht!
Der halbe Liter Klostervietz in meiner Zelle als Abendtrunk genossen, lässt mich rasch einschlafen. Öcherche meinte am anderen Morgen etwas beleidigt: „Du schnarchst“.
Abschied
Monschau du romantisches Städtchen lässt die Abschiedsglocken läuten. Die Bürger liegen noch im Schlafe und träumen neuen Senfgenüssen entgegen. Sehr früh stehen wir auf den Beinen. Es ist eine gutes Stück Weg hin bis Kornelimünster. Kaiser Karls Bettstatt erinnert uns an den ersten Europäer. Es sind zwei Steine auf dem einen soll Karl geschlafen haben, auf dem kleineren sein Diener. Abdrücke sind noch bei viel Fantasie erkennbar. Wir ziehen durch die Heckenlandschaft und sehen hinter hohen Hecken versteckt, Bauernhäuser gebaut aus rohen Felsbrocken. So eine Rotbuchenhecke kann bis zu 8 Meter hoch wachsen. Kunstwerke von Mensch und Natur!
In Rötgen riechts gewaltig nach „Fritten“. Es liegt direkt an der Belgischen Grenze.
Dann Kornelimünster in Sicht. Öcherche ist ganz still geworden, auch der Mensch schweigt. Am Eingang von Kornelimünster treffen wir wieder auf ein Stück Jakobsweg. Dort steht eine kleine Kapelle zu Ehren des Hl. Antonius, der den Jakobspilgern seinen Wandersegen erteilt.
Auf einer Bank essen wir zusammen die letzten Nüsse. Die Tüte ist leer. Öcherche verschwindet mit einem Satz im Wald.
Weinen Eifelhörnchen eigentlich?
Ich weiß es nicht, aber mir ist etwas ins Auge geflogen und ich brauche ein Taschentuch.
Nachdenken
Da gäbe es noch viel zu erzählen, von Landschaften, Kirchen und Kapellen, den Menschen, dem Hohen Venn, das man nicht betreten darf und einsame Kreuze am Wegesrand.
Dem Kaiser habe ich natürlich meine Referenz erwiesen. Mein rechter großer Zehnonkel hat nicht aufgehört mich zu piesacken. Hat ihm aber nichts genützt. Da muss er durch!
Ob ich einmal zurück kommen werde? Schön wäre es schon.
Carlos 2012