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Für Öcherle Teil 1

Von Fiddigeigei Donnerstag 11.07.2019, 17:11

Rauschen

Warum er wohl diesen Titel gewählt hat- der einsame Wanderer auf dem Eifelsteig?

Das Erste was ihm auffiel, war das ewige Rauschen. Ein Rauschen mit einem besonderen Klang- dem Klang der rauen, lieblichen,abwechslungsreichen Naturschönheit Eifel. Fast die ganze Strecke führt an wilden, mit der Natur verwobenen Bächen und urwüchsigen Flüssen entlang, die munter ihre Geschichten erzählten. Selbst in den Herbergen war das Rauschen oft die „Gute Nacht“.
Bekenntnis
Keiner der den Wanderer kennt wird von ihm erwarten, dass er nun einen neuen Reiseführer, der bereits bestehenden Vielzahl hinzufügt. Es wird erzählt wie es kommt und geht.
Los geht’s
wie immer chaotisch und plötzlich. Ungeplant. Rucksack gepackt und ab mit der Bahn. Vorher Kampf der Geschlechter über das zu Transportierende. Was muss und was kann. Schließlich Einigung bei 15 Kg.
Marsch
Ab Trier gleich ein Stück auf dem Jakobsweg. Das macht Mut. Man merkt sofort da waren die Römer. Viele Esskastanien! Porta Nigra belagert von Touristenströmen. Dann Waldesruhe und Einsamkeit.
De Oecherche
Der Hunger plagte mich. Auf einer Bank mit Aussicht gibt es leckere Nüsse und Rosinen aus dem XXXXL Rucksack. Na, was ist das denn? Eine kleine Pfote greift von meiner Schulter aus in die Futtertüte. Der Kobold ist so leicht, dass ich gar nicht gespürt habe wie er sich auf meine Schulter geschwungen hat.
„Wer bist du denn“-frage ich? „Ich, ich bin ein Eifelhörnchen und wenn du willst begleite ich dich auf dem Eifelsteig“....und ob ich wollte. „Natürlich nur wenn ich aus deiner Tüte mit futtern darf“.- „Klar“!........und wie soll ich dich rufen? Man nennt mich Öcherche. Im Stillen habe ichs Öcherle getauft, das geht besser von meinen alemannischen Lippen. Eifelhörnchen sind sehr possierlich und ich freute mich darauf nicht ganz alleine wandern zu müssen. Außerdem sind Eifelhörnchen gute Führer. Von den Bäumen aus übersehen sie die Wege und Steige.
Genüsse
Der Mensch und ins Besonderer der Wandersgesell lebt nicht nur von guter Luft. Bei des Wanderers letzten Tour durchs Saarland gab es durchgehend Lyoner in vielen Varianten und an allen von Menschen bewohnten Orten. In der Eifel gibt es das nicht. Eine Ausnahme ist die flinke Eifelforelle, die ihrer Kollegin der Schwarzwaldforelle durchaus davon schwimmen kann.
Aber Wanderer kommst du in das historische Städtchen Mondschau wirst du mit Senf traktiert. Da gibt jeder seinen Senf dazu. Senfsoße, Senfschnitzel, Senfsuppe(sehr lecker), Senfeis(na), Senfseife(na,na) Senfzahnpasta(na,na,na), Senfmarmeladen(na,na,na,na). Der Senf scheint dort aus jedem Haus zu quillen. Öcherche bestellte sich ein Monschauer Dütchen. Knusperig und süß.

Getränke
Bitte ein Bit und Warsteiner. Leffe ein dunkles Klosterbier aus Belgien. Sieht aus wie Kaffee, aber schmeckt gut. Da ich kein Biertrinker bin habe ich mich an den „Viez“ gehalten. Ein trockener Most nach meinem Geschmack. Besonders aber muss ich das gute Eifelwasser loben. Aus jedem Hahn, morgens frisch gezapft war es immer im Rucksack dabei.
Der Eifeler
Meine Erfahrungen waren alle positiv. Sprachlich ist ein Unterschied zwischen Süd- und Nordeifel. Im Norden war mir nie ganz klar, ob ich im Moment mit einem Eifelplatt sprechendem Deutschen, einem Holländer oder Belgier zu tun habe. Öcherche verstand alle, ein guter Dolmetscher. Alle Eifeler schienen mir nicht auf den Mund gefallen zu sein und über eine gute Portion Humor zu verfügen.
Maare und Vulkane
„Die Blauen Augen der Eifel“ hat sie eine Dichterin genannt. Das möchte ich noch verstärken mit „verträumten“.- Die verträumten Blauen Augen-. Als Öcherche und der Wanderbursch von Manderscheid hinauf Richtung Daun stiegen waren beide fröhlich. In Manderscheid hatten sie in einer Jugendherberge genächtigt und es ging dort sehr lustig zu. So viele Kinder und alle wollten mit dem Eifelhörnchen spielen und fütterten es unentwegt, dass es ihm fast schlecht wurde.
Jetzt aber, die Kinder schliefen noch in den Stockbetten, schien die Frau Sonne bereits auf die beiden Eifelsteiger herab. Der Wegesrand bot dem Wanderer ein zweites Frühstück aus reifen Brombeeren und Öcherche sprang in ein Hagelnussgesträuch um sich die Nüsslein zu holen und mit den leeren Schalen nach mir zu werfen. So ein frecher Freßsack!
Mein rechter großer Zeh machte wieder einmal zicken, aber er wurde einfach missachtet und erhielt zur Strafe ein Pflaster verpasst.
Langsam versank Manderscheid mit seinen romantischen Burgruinen im Morgendunst und in den tiefen dunklen Wäldern.
Trotz der Sonne war es noch richtig kalt und der kommende Herbst warnte mit gelben Blättchen, die durch die Luft daher segelten. Der Steig war so wunderbar schmal, dass man Fuß vor Fuß setzen musste. Neben uns rauschte uns die Lieser in ihrem urtümlichen Bett ein Morgenlied. Fast auf 550 Meter stiegen wir in Richtung des Hohen List auf. Ein Observatorium steht dort oben. Sehr alt aber immer noch von der Uni Bonn genutzt.
Wenn man von oben herab auf einen Vulkankrater blickt stellt man fest, dass dort ein anderes Klima zu herrschen scheint. Es wachsen dort Fruchtbäume wie Äpfel und Pflaumen und sogar Kirschen. Und mitten drin oft diese „Blauen verträumten Augen der Eifel.“ Viele Maare sind natürlicherweise Touristenattraktionen, es gibt aber auch ganz stille. Die haben mir am besten gefallen. Schön ist es dort mit und ohne Touristen auf jeden Fall.
Über Daun herrscht auf dem Mäuseberg 561m hoch der Dronketurm, den wir unter leichtem ächzen bestiegen haben. Von dort aus könnte man vor Freude über die fantastische Rundumsicht, die ganze Welt umarmen. Unter uns ein Blaues träumerisches Auge – das Gemündernermaar! Einfach schön und ich habe von dort oben einen Jodler hinausgejuchzt über die Eifellandschaft, dass das Öcherche fast vom Turm gefallen wäre, so ist es erschrocken. Jodeln tun nämlich die Eifeler nicht, nur die Schwarzwälder!
Diese Nacht schliefen wir in einem Zimmer direkt an einer Wiese die gerade frisch gemäht wurde. Welch ein Duft. Ich sah noch wie Öcherche sich ein paar Nüsse aus unserer Fourage stibitzte und auf einem Nussbaum sein Schlafplatz lieber im Freien einrichtete. Eifelhörnchen schnarchen, aber ganz leise.

Teil 2 anschliessend

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