Frühreif oder Einsam
Von ehemaliges Mitglied Samstag 14.09.2019, 14:57 – geändert Samstag 14.09.2019, 22:24
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Also...der Jochen...der war ja viel Älter als ich.
Ich im zarten Alter von 3-4 Jahren, und er schon in der Schule, denn er war immerhin 12 Jahre alt. Ich mochte den Jungen, denn er war immer sehr nett zu mir.
Wir besuchten meine Urgroßmutter und die wohnte in einer Schule, im obersten Stockwerk. Jochen war der Sohn der Frau, die Uroma immer half, denn es ging ihr gesundheitlich nicht sehr gut.
Kohlen und der Einkauf waren zu schleppen, und auch der Jochen half immer fleißig.
Vor dem Haus war ein Spielplatz mit Gerüsten und ich durfte dort spielen, aber sollte nicht auf die Gerüste gehen. An und für sich war ich ein folgsames Mädchen, aber ich sah den Jochen und wollte ein großes Mädchen sein, also kletterte ich die Eisenleiter hinauf, die an dem Gerüst angebracht war.
Meine Mutter sah dies und rief mir aus dem Fenster zu, ich solle da sofort wieder runterkommen, aber ich konnte nicht. Ich bekam Angst und da kam der Jochen, mein Held. Er stieg ebenfalls die Leiter hoch und blieb dicht hinter mir, dann leitete er mich langsam die Leiter 'runter in dem ich Sprosse für Sprosse langsam ertasten und nehmen sollte. Er sicherte mich mit seinem Körper ab.
Unten angekommen schimpfte er mit mir und ich solle es nicht wieder machen, er wäre nicht immer da um zu helfen...Schade auch.
Kann es sein, dass ich etwas frühreif gewesen bin?
Vielleicht war es aber auch nur, dass sich mal jemand um mich kümmerte und sich Sorgen machte, während sich sonst, die letzten Jahre, alles um das kranke Kind drehte, meine zwei Jahre jüngere Schwester.
Eifersucht? Wohl eher nicht, bin ich noch heute nicht, aber Einsamkeit, denn ich durfte ja nicht mal meine Schwester ansehen, geschweige denn mit ihr spielen; da wurde ich schon verbannt.
Als meine Mutter aus dem Krankenhaus mit meiner Schwester kam – und so erzählte sie es mir immer wieder – hätte sie in dem einen Arm meine kleine Schwester gehabt und in dem anderen einen Sack Orangen; ich soll mich eher für die Orangen interessiert haben als für das Ding, das sie meine Schwester nannten.
Was ist das denn überhaupt, eine Schwester? Wo kommt dieses Baby, wie sie es nennen, plötzlich her? Und warum sollte ich mich jetzt größer fühlen, da ich eine kleine Schwester habe.
Ich war doch sooo ahnungslos, denn man hatte mich nicht darüber aufgeklärt, dass es einen Grund hatte, dass die Mama immer dicker wurde, und dass es nicht am Essen lag.
Und dann war das Baby immer krank und spuckte alles wieder aus, so dass Mama damit in eine Klinik fuhr, die weit entfernt war und ich dann zu Verwandten und Bekannten meiner Eltern musste.
Als sie wiederkam, diese Schwester, hatte sie einen Namen und schrie immer noch, wenn ich nur ansatzweise in ihre Nähe kam.
Da habe ich mich entschlossen sie zu ignorieren…doofe Kuh.
Und heute, werden wir so langsam Schwestern…oder vielleicht auch nicht. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Es ist mal wieder Ruhe eingekehrt und es ward von ihr nichts zu hören...ne sag' ich jetzt nicht...
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