Flucht unmöglich!
Von
tastifix
Freitag 19.04.2019, 08:38
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tastifix
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Schwangere Frauen entwickeln Gelüste, die sie unter normalen Umständen eisern ablehnen würden. Viele erliegen dem Einkaufswahn, stapeln Rüschenblusen und Strampelhosen bis hin zur Zimmerdecke, rasen, weil danach unvermeidbar, ins nächste Möbelgeschäft und erstehen notgedrungen einen zusätzlichen Kleiderschrank. Den Rest der seligen Erwartungszeit frönen sie der kurzweiligen Beschäftigung des Ein-, Um- und Wiederausräumens dieses Einrichtungsutensils, lassen mit wachsender Begeisterung die Mimimode durch die Hände gleiten und kommen zu nichts Anderem mehr. Sogar der werdende Papa ist beinahe abgemeldet.
Andere wiederum verbringen den Vormittag in den verschiedenen Lebensmittelläden, entdecken bei sich mehr als groteske Geschmacksvorlieben, sind denen hilflos ausgeliefert und verhelfen den Geschäftsleuten zu wahrem Triumphgeschrei und irrem Umsatz.
Daheim stehen die Frauen entsetzt vor ihrer Beute. Eigentlich haben sie doch dieses Zeug wie die Pest gehasst. Aber nun öffnen sie wie unter Zwang das erste Glas extra scharfer Peperoni und nehmen dafür sogar den sich anschließenden Nach-Luft-Schnapp-Anfall in Kauf. Höchst zufrieden stellen sie fest, dass sie von diesen Kehlkopfknallbonbons einen Vorrat für mindestens zehn Tage erstanden haben.
Manche der Futtersüchtigen stürzen sich mit Wonne auf die Kalorienbomben- Sahnetorten mit ´obendrauf-auch-noch-Sahnekringeln`. Keine ist vor ihnen sicher. Sie stopfen in sich hinein, was der Magen aushält und der hält viel aus. Mit Erstaunen und steigendem Entsetzen beobachten die Umsitzenden, wie sogar die Kuchenstücke Drei und Vier in bewundernswertem Tempo den Weg alles Essbaren einschlagen. Die zukünftigen Mütter werden nicht allein an der für ihren Zustand typischen Stelle, sondern rundherum sichtlich zunehmend kugeliger. Es beweist eindeutig: Schwanger zu sein, fördert die Figur.
Ein paar Bald-Mamas jedoch legen sich extra ausgefallene Hobbys zu. Die bringen dann die nähere und nächste Umgebung beinahe zur Verzweiflung: Zu denen zählte ich damals, als ich mein erstes Kind erwartete. Anstatt einzukaufen und zu futtern bis zum Umfallen, bügelte ich von morgens bis abends ohne Unterlass und griff mir alles, was nicht niet- und nagelfest war. Blusen, Hemden, Trockentücher sowie sogar Waschlappen mussten dran glauben. Ein wenig unentschlossen musterte ich die Gardinen, denn die zeigten deutliche Falten - frech von ganz oben bis ganz unten. Letztendlich bewahrten sie jedoch ihre Stoffbeschaffenheit als auch meine Faulheit, sie dazu abhängen zu müssen, vor der Plättmassage auf dem Bügelbrett.
Zum Ausgleich für den so entstandenen Spaßverlust durchforstete ich gründlich sämtliche Räume nach Opfern ausgefallener Art. Im Kleiderschrank meines Mannes wurde ich fündig und kramte einen ganzen Wäschekorb so eigenartig verknoteter Dinger heraus. Frohen Mutes raubte ich denen ihren Knoten und verpasste den weichen Körper Bügelfalten, die eines Kaisers würdig gewesen wären. Die Prestige-Linien ordentlich nach einer Seite ausrichtend, legte ich sie zurück in den Korb. Mein Mann würde Augen machen ... !
Machte er auch, sogar sehr große, als er mein peinliches Machwerk entdeckte, überwand sich infolge nur äußerst zögerlich - wohl nur mir zuliebe - und streifte sich die nunmehr Von-und-Zu-Socken über. Seine roten Ohren verrieten mir, dass er sich wegen der gestriegelten Fußkleider halb zu Tode schämte - und ich mich dann ebenfalls etwas.
Aber die Sucht beherrschte mich weiterhin. Mich gierte nach einer Steigerung, das Sockenabenteuer stellte mich nur für einen einzigen Tag zufrieden. Stundenlang tigerte ich durch die Wohnung. Mein Blick wanderte Ideen suchend über Schränke, Regale und sogar unter die Betten. Nichts. Aber ich gab mich nicht so schnell geschlagen, sondern dachte gründlich nach. Da war doch noch ... Da gab es ja ...
Gegen Abend kehrte mein Mann vom Dienst zurück. Wie ein Blitz durchfuhr es mich. Ein Leuchten flog über mein Gesicht. Mein Gegenüber betrachtete grübelnd, die hohe Denkerstirn in Falten gelegt, misstrauisch und zunehmend misstrauischer das Bügelbrett.
Ich strahlte ihn an, mehr und mehr:
ZU SPÄÄT! UMSONST GE... GRÜBELT... !!!
Kurz darauf ... war dann er ausgesprochen platt.