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Euphorie!???

Von tastifix Dienstag 14.04.2020, 15:56

Ich hatte gerade den Kaiserschnitt überstanden und war Mutter einer Tochter geworden. Eigentlich hatte ich mir ja immer Söhne gewünscht. Jedoch war dies nicht der Grund für ...

Die Kleine wog nur 2500 g und musste noch mindestens zwei Wochen im Brutkasten liegen. Weil das Spital keine Frühchenstation besaß, brachte man sie in das Krankenhaus einer benachbarten Stadt. Ich war noch sehr schlapp und konnte sie erst elf Tage später dort besuchen.
„Sie hat riesengroße Augen!", hatte mir der frisch gebackene Papa voller Stolz erzählt. „Und ganz dunkles Haar."

Aufgeregt betrat ich den Saal. In wenigen Augenblicken wüsste ich ...
„Komm, hier liegt sie!"
Ich fühlte mich wie zwischen Traum und Wirklichkeit. Das logische Denkvermögen war verdrängt, da war nur noch Gefühl dem kleinen Etwas gegenüber, das aussah wie eine Puppe.
„Wie süß sie ist!", stammelte ich.
Mehr nicht, mir saß ein Kloß im Hals.

Kurz darauf legte man sie mir in den Arm. Sofort wurde es mir weich ums Herz. Die Kleine war offensichtlich genau so neugierig auf ihre Mama wie umgekehrt und schien mich auszumustern. Immerhin schrie sie nicht sofort los. Ich war also akzeptiert.
Dann durfte ich sie zum ersten Male baden. Ich war vor Angst nassgeschwitzt, sie könnte mir aus den Händen gleiten. Aber es ging alles gut.
„Sie ist mein Kind!", sagte ich mir ein ums andere Mal und dennoch war es für mich noch so unwirklich, dass das süße Etwas zu mir gehörte.
Das erste Pampern bleibt für mich ebenfalls unvergesslich. Die Windel reichte Baby bis unter die Achseln.
´Hoffentlich kriege ich das richtig hin. - Wenn sie jetzt strampelt ... Ojee!!`
Selbstverständlich klappte auch das. Die Pampers hielt, was eben Pampers so versprechen.

Nachdem auch das erfolgreich überstanden war, fuhr ich, völlig neben mir stehend, zurück ins Spital und der junge Papa nach Hause. Ich hatte das große Glück, mir mit einer sehr netten Mitpatientin das Zimmer zu teilen. Wir verstanden uns vom ersten Moment an blendend.
„Uund ... ?", forschte sie in meinem Gesicht.
„Die ist sooo süß!"
Sie lachte:
„Ja, was haben Sie denn bloß gedacht!?"
Mein Herz klopfte. Stolz strahlte ich sie an. Während ich ins Bett stieg, plapperte ich drauflos:
„Sie hat wunderschöne Augen und ganz viel, fast schwarzes Haar!"
„Na sehen Sie! Wusste ich es doch, dass die süß ist!"
Jetzt strahlten wir beide.

Dieses Strahlen aber war für mindestens zwei Tage das letzte frohe Leuchten auf meinen Gesicht. Kaum hatte ich mich zugedeckt, schlug plötzlich meine Stimmung um. Ich spürte, wie die Freude sich zurückzog, ich plötzlich so geknickt war und gar nichts dagegen machen konnte. Ich fühlte mich mieser und mieser.
„Was ist denn mit Ihnen plötzlich?", fragte meine neue Bekannte erschrocken.
Denn ich hatte mir die Bettdecke bis über beide Ohren gezogen, damit sie nicht sehen sollte, wie es in mir arbeitete. Nämlich ziemlich heftig und ich schluckte und schluckte. Dies sollte sie erst recht nicht merken. Ich stopfte mir eine Falte der Decke in den Mund, um ja jeden verräterischen Laut zu unterdrücken.

Es klappte genau für eine einzige Minute. Dann war`s vorbei.
„Öh, ö, schniieef!", tönte es unter meiner Decke.
Prompt horchte mein Gegenüber auf.
„Frau S.: Ist was?"
„Nichts, schluck, schnief!"
Aber es war nur die Ruhe vor dem Sturm.
Vielleicht bewirkten es die dermaßen lieb tröstenden Worte aus dem Nachbarbett. Meiner Mitpatientin war nämlich inzwischen das richtige Licht aufgegangen, was mit mir los war und sie hatte das Bedürfnis, mir schleunigst wieder da raus zu helfen.

„Hören Sie mal: Sie haben eine so hübsche Tochter bekommen. Also, das ist wirklich kein Grund ... "
„Schluchz!", wimmerte ich und hatte den gesamten Weltschmerz aller Frauen in ähnlicher Situation auf meine schmalen Schultern geladen. „Ist es ja auch nicht, schluuchz. Es ist ja bloß ... "
Was es allerdings ´ja nur bloß wäre`, blieb im Dunkeln und auch jede weitere halbwegs vernünftige oder vielmehr gänzlich unvernünftige Argumentation von mir ein Geheimnis.

Es war zu spät. Ich heulte wie ein Schlosshund und in zunehmender Lautstärke.
„Hüüh, schluuchz, heuuul, schluck, heuuul!!"
In meinem Kopf ging es drüber und drunter. Eigentlich wollte ich jetzt meine Nachbarin beruhigen, ihr sagen, wie lieb ich es von ihr fand, mir beizustehen, dass ich es natürlich selber wüsste, wie doof die Flennerei war und dass ich ja im Grunde genommen doll glücklich war.

Vor allem das Letztere sah man mir deutlich an. Die Tränen rollten mir gleich eimerweise übers Gesicht. Das Kopfkissen und das Laken hätte man auswringen können.

Soo glücklich war ich!!

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