Es war nur eine kleine Gabe, aber für ihn ...
Von
tastifix
Dienstag 29.12.2020, 11:41 – geändert Samstag 16.11.2024, 20:08
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tastifix
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es war bitterkalter winter und die Menschen verzogen sich in ihre warmen Stuben ...
Am Wegesrand kauerte ein alter, in einen abgetragenen Mantel gehüllter Bettler, zu den Füßen sein größtes Gut, eine alte Decke und daneben in einem verbeulten Filzhut ein paar gespendete Cents. Der Mann fror erbärmlich.
´Es geht mit mir zu Ende!`, dachte er.
Es war ein jämmerliches Leben gewesen. Ein richtiges Zuhause oder gar Glück lernte er nie kennen, stattdessen nur den Kampf ums tägliche Überleben. Als junger Mann hielt er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, so dass er wenigstens nicht hungern musste. Aber nun waren seine Kräfte verbraucht, die Knochen wollten nicht mehr und nur das Mitleid Anderer gab ihm noch ein wenig Lebenswillen. Wie lange noch?
Seine entzündeten Augen beobachteten die fröhlich lachenden Menschen. Die meisten beachteten ihn nicht, entweder aus Hartherzigkeit oder auch aus Gleichgültigkeit.
´Sie werden es daheim gemütlich haben! Vielleicht Besuch bekommen und ein Geschenk auspacken dürfen!`
Er konnte sich kaum mehr daran erinnern, dass ihm jemand mal etwas geschenkt hätte.
„Doch, einmal, ein leckeres Stück Kuchen!“
Für ihn war es ein Festessen gewesen ähnlich wie der Weihnachtsbraten für jene Menschen im Glück.
Mit einbrechender Dunkelheit verstummten die Geräusche des Tages. Stille umgab den Einsamen. Er ging nicht fort. Wohin hätte er sich denn wenden sollen? So raffte er den Mantel enger um sich, hüllte sich noch in die Decke, steckte unter ihr die rot verefrorenen Hände in die Taschen und schloss ermattet die Augen.
Doch sollte es für ihn eine ganz besondere Nacht werden. Schon wollte ihn ein barmherziger Schlaf in die Arme schließen, als der alte Mann aufschrak und irritiert blinzelnd umher schaute. Die bedrohliche Finsternis vor ihm war einem herrlichen Leuchten gewichen. In jenem Licht erkannte er einen Engel, dessen Gewand mit goldenen Sternen übersät war.
„Fürchte Dich nicht! Ich habe etwas für Dich, was wertvoller ist als alles Andere auf dieser Welt.“
Verständnislos starrte ihn der Bettler an. Worte, um Fragen zu stellen, fand er nicht. Der Engel löste den schönsten aller Sterne von seinem Gewand und reichte ihn ihm:
„Hüte ihn gut!"
Staunend betrachtete der Alte die Engelsgabe. Ihm schien es, als ob der Stern, je länger er ihn in seinen Händen hielt, nicht nur ihn, einen der Ärmsten der Armen, in ein himmlisches goldenes Strahlen hüllte und ihn so auf wunderbare Weise wärmte, sondern genauso die kleine Stadt und die Landschaft ringsumher. Ergriffen sah er zu dem Himmelswesen empor. Liebevoll lächelte der Engel zurück:
„Es ist das Licht der Liebe und es soll Dich glücklich machen!“
Auf einmal fiel alle Bitternis von dem Alten ab und er fühlte sich so froh, so geborgen wie noch niemals zuvor in seinem Leben.
Das Himmelswesen verschwand und er war wieder allein. Aber er empfand keine Einsamkeit mehr und auch keine Schmerzen. Erschöpft schloss er wieder die Augen.
Am nächsten Morgen entdeckten Spaziergänger jenen Bettler in seinem abgetragenen Mantel, ausgezehrt und notdürftig in seine Decke gehüllt, dort am Wegesrand liegend. Er war für immer gegangen, aber auf seinem Gesicht lag ein glückliches Lächeln.