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Mama-Erziehung!

Von tastifix 03.09.2023, 12:47 – geändert 03.09.2023, 20:18

Andere kauften Erziehungsbücher, taten sich in Gruppen zusammen, diskutierten und sprachen sich Mut zu, bezogen sich dabei auf die erlesenen Weisheiten und machten sich nach Strich und Faden etwas vor, wie Kindererziehung zu laufen hätte.

Ich dagegen trat keiner solchen Gruppe bei, um mich dort Erziehungsberechtigten gerecht seelisch umtylen zu lassen, erstand auch nicht jene neunmalklugen Werke, sondern bestand auf meine diesbezügliche innere Freiheit.
„Was soll der ganze Quatsch? Ist der Nachwuchs erstmal da, ergibt sich alles wie von selber!“

Gelassen erwartete ich die postnatale Phase, trotz der Erkenntnis, dass sie keine Angelegenheit von nur wenigen Wochen, sondern eine jahrelang andauernde werden würde. Ich war ja psychisch stark genug, hatte mich nicht von jenen Wälzern verrückt machen lassen und schon gar nicht von dem tiefschürfenden Reden meiner näheren und weiteren Umgebung:
„Meine Güte, solch ein Zirkus. Kindererziehung ist das Einfachste von der Welt!“
Deren mitleidige und noch mehr äußerst besorgten Blicke werde ich nie vergessen.

Ein paar Monate später war es soweit. In Nullkommanix mutierte ich zur Mama, der wohl kaum etwas anzuhaben imstande war. Dachte ich, aber mein Nachwuchs vom ersten Tag an genau das Gegenteil. Noch in der ersten Euphorie begriffen, stellte ich zunächst höchst erstaunt, danach verunsichert und letztendlich (dann ohne jegliche Euphorie) ernüchtert fest, dass Baby anscheinend einen festen Willen geerbt hatte, der ehrlich gesagt extrem fest war.

Sagte ich gar ´Hüh`, erntete ich prompt ein empörtes Hott-Geschrei, in seiner Intensität stäntig anwachsendes, mindestens eine halbe Stunde lang. Gelassenheit und Selbstzufriedenheit ade. Das Scheiden tat weh, war aber unumgänglich und für die Nerven unbedingt überlebensnotwendig.

Bis zum Ende des Babyalters durchlief ich also die erste Klasse einer recht strengen Mama-Umerziehungsschule und darf nun in Eigenlob schwelgen. Ich erwies mich nämlich zu Babys Befriedigung als eine regelrechte Musterschülerin. Das Versetzungszeugnis fiel dementsprechend positiv aus:

1. Ich hatte erfolgreich gelernt, beim ersten Piep die Beine unter den Arm zu klemmen und zum Babybett zu flitzen.

2. Selbstverständlich verzichtete ich auf die Mittagsruhe und wiegte derweil glücklicher Miene Baby auf dem Arm, das aber nicht einsah, dass ein Mittagsschläfchen für solch extrem junge Erdenbürger eine Pflichtübung war. Ihm doch egal, ob mir fast der Arm lahm wurde.

3. Baby durfte so lange baden wie es wollte und ich wischte hinterher bei fröhlichem Gequieke meines Kindes auf Knien rutschend das Badezimmer trocken.

4. Das Hauptfach ´Mahlzeit` bereitete mir zwar zum Ende des Schuljahres immer noch etwas Kopfzerbrechen, aber vor allem empfand ich überschäumendes Mitleid mit dem Mini, das jener geschmacklosen Babybreipampe ausgesetzt war. Heimlich mischte ich geriebenen Apfel darunter, ab und zu auch ein mildes Gewürz und hinterging damit sämtliche bestehenden Auffassungen bezüglich der für solch Winzlinge passenden Ernährung.
Den so gesunden Spinat spuckte Baby überall hin, womit es mir klar verdeutlichte, was es von dem grünen Zeug hielt. Eilig strich ich ihn vom Speiseplan, was mir dann ein lobendes Strahlen meines Nachwuchses einbrachte. Ich fühlte mich regelrecht gebauchpinselt.

Mir denn das zerknitterte Versetzungsdokument in die Hand schiebend, verziert mit ein paar hübschen Möhrenflecken und Apfelmusklecksen, eröffnete es mir abschließend:
„Da, Mama ei!“
In die blöde umständliche Erwachsensprache übersetzt hieß es:
„Gehorcht hervorragend. Zur Mama gut geeignet!“

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