Erntedank
Von
tastifix
Donnerstag 04.10.2018, 15:01
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tastifix
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Das Getreide auf den weiten Feldern streckt sich dem vom Abendrot flammend gefärbten Himmel entgegen. Die Ähren sind in einen zart rosa Schein gehüllt. Der Wind streicht über sie hinweg und, in sanften Wellen sich wiegend, verbeugt sich das Getreide vor ihm. Der Sommer neigt sich bereits seinem Ende zu. Bald wird alles in trübem Licht erscheinen und die Felder kahl liegen. Aber zuvor ist Erntezeit. Die Bauern werden von früh bis spät auf den Äckern sein und hasten, das Getreide noch rechtzeitig vor Beginn des ungemütlichen Herbstes einzufahren, um so die wertvolle Ernte vor Schäden durch zu große Kälte zu bewahren.
Ich genieße die Sonne. Die Hektik des städtischen Alltags ist vergessen. Ich lausche den trillernden Singvögeln und dem pfeifenden Ruf eines Falken, der hoch am Himmel rüttelnd nach Beute Ausschau hält. Aber mich beschäftigen nicht allein romantische Gedanken. Nein, ich empfinde Ehrfurcht und Achtung. Ehrfurcht vor Mutter Natur, die alles auf wunderbare Weise wachsen lässt und Achtung vor den Menschen, die tagein, tagaus schwere körperliche Arbeit verrichten und so dazu beitragen, die Ernährung aller Bewohner dieses Landes zu sichern. Welch ein Wunder ist es doch, dass sich aus winzigen Samenkörnern eine solche Pracht entfaltet. Ja, mein Heimatland ist reich an herrlichen Feldern und entsprechend großartigen Ernten. Hier gibt es Lebensmittel in solchem Überfluss, dass sie oft genug missachtet und gewissenlos weggeworfen werden. Die Meisten hier kennen ja keinen Mangel. Sie durchleiden nicht die Hungersnöte, denen in anderen Teilen der Welt ach so viele Menschen zum Opfer fallen.
Noch immer stehe ich wie gebannt an meinem Aussichtspunkt auf der kleinen Anhöhe. Nach wie vor genieße ich den Anblick der im Winde wogenden Felder. Es sind dieselben Felder, dieselben Wiesen. Doch ihre Wirkung auf mich hat sich intensiviert. Sie erscheinen mir trotz allmählich einbrechender Dunkelheit in einem außergewöhnlich strahlenden Licht. Mich bewegt nicht mehr allein die Freude ob dieser mannigfaltigen natürlichen Schönheit. Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass hier die Menschen mit ihrem Wissen und Fleiß dermaßen gut zusammenarbeiten und dadurch dies alles erst ermöglichen.
Das kräftige Getreide verspricht auch in diesem Jahr wieder eine üppige Ernte. Auch in diesem Jahre werde ich keinen Hunger leiden.
„Dank an euch, die ihr die Felder bestellt!", murmele ich. „Und auch Dank an dich, Mutter Erde!"