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Eitel bin ich schon

Von Feierabend-Mitglied Montag 31.08.2020, 17:57 – geändert Montag 31.08.2020, 18:53

Eitel bin ich schon

Ich hab Euch ja nun die Geschichtchen aus meiner Kindheit und Jugend in Paris und meinen Werdegang erzählt. Die Zeit in Bonn nach meinem Examen war aufregend und für mich wertvoll. Ich hab da viel gelernt. Aber auch viel negatives gesehen. Als Brandt im Mai 1974 zurücktrat, wollte ich nicht mehr dort weiter arbeiten. Ich beschloss, mir eine am Anfang der Entwicklung stehende Branche zu suchen und mich selbstständig zu machen. Meine Wahl fiel auf die Baumarktbranche. Sie stand damals gerade in den Kinderschuhen. Gerade waren die ersten OBI - Märkte eröffnet worden und die Stinnes AG experimentierte im Ruhrgebiet mit ihren ersten Märkten. Dort bewarb ich mich und wurde zum 1. Januar 1975 eingestellt. Ich übernahm mit meinen 26 Jahren die Verantwortung für den kaufmännischen Bereich der Stinnes Baumarkt AG. Vom Markt und der Produktpalette hatte ich anfangs keine Ahnung. Das habe ich alles dort gelernt. Die Aufgabe teilte ich mir mit Robert K., gleichaltrig und ebenfalls Saarländer aus einem kleinen Kaff 12 km neben meinem Dorf. Purer Zufall aber genial. Ähnliche Biografie, gleiche Mentalität, gleicher Ehrgeiz. Und mit einem unschätzbaren Vorteil ausgestattet. Er war gelernter Eisenwarenkaufmann und hatte die Eisenwaren - Fachschule in Wuppertal erfolgreich absolviert. Er steuerte die Warenkompetenz bei, ich lieferte den betriebswirtschaftlich theoretischen Unterbau. Fünf Jahre lang waren wir, was Expansion und Wachstum anbelangt, ein äußerst erfolgreiches Duo. Wir beide bauten in dieser Zeit 72 Märkte auf und schafften es, den Umsatz von anfangs 8 Millionen DM auf 520 Millionen DM bei meinem Ausscheiden zum 31.12.1979 zu steigern.

Ich war der Meinung, ich hatte genug gelernt. So machte ich mich auf die Suche nach einem bestehenden Betrieb mit Entwicklungspotential und Nachfolge - Problemen. Und ich fand so einen Betrieb. Mit dem Inhaber wurde ich einig, als geschäftsführender Gesellschafter zu fungieren. Ich übernahm 51 % der Gesellschafteranteile zu Sonderkonditionen, dafür mußte ich mich verpflichten, den kranken Sohn der Inhaberfamilie abzusichern und dem Altinhaber eine monatliche Rente zu garantieren. So habe ich angefangen. Nach und nach stieg mein Anteil an der GmbH auf 85 %. Ich engagierte mich im Prüfungsausschuß der Industrie und Handelskammer, bei den sozialen Projekten der Rotarier, in der Gefangenenhilfe der Strafanstalt mit Sachspenden für die Werkstätten und als Sponsor für zahlreiche Vereine und deren Jugendarbeit.

Am 12. Januar 2000 wurde ich in der hessischen Staatskanzlei für mein wirtschaftliches und soziales Engagement für das Land Hessen mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Vorgeschlagen vom damaligen Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, Bernhard Jagoda, Gastlaudator der saarländische Ministerpräsident Peter Müller. Peter Müller war damals gerade ein Jahr saarländischer Ministerpräsident und Gast der hessischen Landesregierung. Und der MP Roland Koch fand es passend, einen Saarländer von einem Saarländer auszeichnen zu lassen.
Es war ein weiter, weiter Weg vom kleinen Bauernhaus im nördlichen Saarland bis in die hessische Staatskanzlei. Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, ich war an dem Tag stolz auf das Geleistete. Aber am meisten hat mich zufrieden gemacht, daß meine Frau, mein Sohn und mein Vater mit dabei waren und den Tag mit mir genossen haben.

Acht Jahre später, zum 30.09.2008 habe ich alle Geschäftsanteile verkauft und mich nach 28 Jahren selbstständiger Arbeit aus allen Geschäften zurückgezogen. Zum Abschied hatte ich meinen Vater und alle Geschwister in mein neues Haus im bayrischen Wald eingeladen und wir feierten zwei Tage ein tolles Fest.

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