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Eine wahrlich famose Idee!

Von tastifix Dienstag 25.07.2023, 08:55 – geändert Dienstag 25.07.2023, 09:55

Endlich, nach wochenlanger Trockenheit, zeichnete sich die Rettung ab. Der Himmel teilte sich in Fetzen zerrissenes Blau, zunehmend dunklere Wolken türmten sich auf.
´Vielleicht ...“, hoffte ich im Stillen.
Aber die Sonne nutzte jedes Wolkenloch und strahlte trotzig weiter. Inzwischen herrschte ungewöhnlich grelle Helligkeit, es irritierte mich. Schaute ich aus dem Fenster, hingen links nun schwarze Wolken, wohingegen rechts er Sommer lachte. Über Allem lag eine mystische Stimmung. Ich zwang mich, den Blick abzu- und mich meiner Arbeit wieder zuzuwenden.

Einige Minuten später horchte ich auf.
´Kann eigentlich nicht sein … !`
Denn ich glaubte, fernen Donner vernommen zu haben. Da, ein zweiter, ganz leise. Ein Gewitter bei blitzblauem Sommerhimmel - hier über uns?? So etwas gibt es nicht. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Plötzlich rauschte etwas. Im ersten Moment dachte ich, dass ich es mir nur einbildete. Doch das Rauschen wurde stärker. Es regnete! Mich hielt nichts mehr am Schreibtisch. Ich flitzte in den Garten, atmete tief durch und genoss das erfrischende Nass.
Mittlerweile duschten feuchte Bindfäden die Erde. Welch eine Wohltat!

In der Euphorie gab mir meine Fantasie eine verrückte Idee ein: Nein, nicht nur die Natur sollte profitieren, sondern ich würde jenes kostbare Gut nutzen! Unwillkürlich lachte ich auf, lief ins Haus zurück in mein Ankleidezimmer und begutachtete kritisch das leere Nähkästchen.
´Das wird geändert!`
ich griff mir einen Bambusstab, wanderte wieder nach draußen, hielt meine Bambusspindel den himmlischen Bindfäden entgegen und drehte sie währenddessen, wieder und wieder. Die Tropfen klatschten an den Stab und mehr und mehr jener Bindfäden klebten fest wie nasse Kleidung am Körper. Es wurde ein riesiges Knäuel, die Spindel immer schwerer.
„Es reicht!!“

Froh gestimmt lief ich die wenigen Schritte zur Terrassentür, meine kostbare Last wie eine Trophäe vor mich her tragend. Tja, die frohe Stmmung erfuhr einen leichten Dämpfer, nur mit Mühe zwängte ich mich mit der vollen Spindel in die Küche. Die Spindel war offensichtlich ob der etwas unsensibleren Behandlung beleidigt und verlor einige Tropfen, die eine glitschige Rutschbahnspur auf dem Küchenboden hinterließen.
´Wisch ich nachher eben!`

Schließlich oben im Nähkästchenzimmer angekommen, hatte ich zu registrieren, dass ich nicht würde verheimlichen können, was eigentlich ich da gemacht hatte. Überall Tropfen, sämtliche Treppenstufen glänzten so toll wie selten zuvor und auch der obere Boden freute sich ob der überraschenden Erfrischung.
´Mist! Noch mehr zu wischen!!`
Dennoch bremste mich nichts mehr und ich stellte mir vor, wie sehr glücklich ich meine Mitmenschen machen würde. Sie würden mir begeistert zujubeln, weltweiter Ruhm wäre mir gewiss. Ja, auf eine solche Idee war noch keiner gekommen. Ich würde eine gänzlich neue Mode kreieren! Kleidung aus nassen Fäden, herrlich erfrischend zu tragen. Zwar meist nur´ kurz, aber ich hatte ja genügend Bindfadenvorrat gesammelt und so würde das Geschäft blühen. Ohne weiter nachzudenken, stopfte ich die Spindel mit grober Gewalt in den Kleiderschrank, in dem sie rachsüchtig vor sich hin tröpfelte. Mir egal: Sie war sowieso viel zu schwer bepackt.
´Morgen werd ich wunderschöne Artikel anfertigen und mich dann an ihrem Anblick ergötzen!

Es war eindeutig total falsch gedacht, stellte ich dann anderntags fest, als ich wieder fähig war, richtig zu denken. Erstens fiel mir ein, welche denn doch sehr eigenartigen Schals und Pullover ich früher mal gestrickt hatte (bis auf einen Mantel fürs vierjährige Töchterchen ging alles daneben!). Dies war Ernüchterung Nr. 1!
Und zweitens: Wie schon geschildert, tropfte das halbe Haus, genoss inzwischen die ungewohnte Nässe nicht mehr und verlangte dringend, von ihr befreit zu werden. Das Haus ist groß und ich hatte also den ganzen Nachmittag einzuplanen, un alles wieder in den gewohnten Zustand zu versetzen. Auch den Kleiderschrank, in dem es nicht mehr so sehr frisch duftete.

Bevor meine einstige Hochstimmung sich aber in tiefsten Frust wandeln konnte, bewahrte mich davor ein ganz anderer Gedanke:
´Immerhin wären mir die Ärzte und auch Apotheken sehr dankbar gewesen. Denn sie hätten sich vor zusätzlichen Erkältungsgrippe-Kranken kaum mehr retten können!`

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