Eine unangenehme Überraschung....
Von
Poetin2
Montag 18.12.2017, 13:27
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Poetin2
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Jedes Jahr, am letzten Sonntag vor Heilig Abend, wurde traditionell der Tannenbaum geschlagen. Auch diesmal trafen wir uns mit Freunden gegen 10 Uhr an einem Waldstück bei Treisberg. Günter begrüßte uns mit einem Glühwein, der aufwärmte, bevor die Suche nach einem schönen Christbaum begann. Fröhlich stapften alle durch den Schnee, ein jeder in eine andere Richtung.
In diesem Jahr hatte der Schnee die Tannen in einen dicken weißen Mantel gehüllt, den es erst einmal abzuschütteln galt. So mancher gut aussehender Baum verwandelte sich nach dem Entblößen in eine mickrige Gestalt. Dazwischen immer wieder Gelächter, wenn der Schnee einen unserer Freunde unter sich begrub.
Endlich hatten wir den Richtigen gefunden. Ein wunderschön gewachsener Baum.
Heinz holte die Säge heraus und begann ihn abzusägen. Am Eingang wurde er vermessen und bezahlt. Die Freunde waren inzwischen auch mit ihren Tannen eingetroffen. Wir bemerkten stolz, dass der Unsrige wieder einmal der Schönste war und frohgelaunt luden wir ihn auf das Autodach.
Wie immer wurde die Suche mit einem vorweihnachtlichen Essen in der Landsteiner Mühle abgeschlossen. Das im Dachgeschoß gelegene Hexenstübchen, das Inge schon seit langem vorbestellt hatte, war sehr gemütlich und besaß ein Klavier. Nach dem Essen versetzte uns Frank mit Weihnachtsliedern in Adventsstimmung. Ein Espresso schloss das gemütliche Beisammensein ab und man brach zur Heimfahrt auf.
Unsere gute Laune fand jäh ein Ende als wir am Auto die Bescherung sahen. Unser sorgfältig ausgesuchter Christbaum war weg. Lediglich ein Stumpf befand sich auf dem Autodach. Die schöne Tanne hatte jemand in der Zwischenzeit niederträchtig abgesägt und gestohlen. Wenn es nicht so traurig gewesen wäre, hätte man noch darüber lachen können. Nun aber standen wir da. Ohne Baum. Die Freunde trösteten uns und meinten: „Ach, wir holen einen anderen“. Aber das wollte ich nicht. Zulange hatten wir nach dem Geeigneten gesucht und außerdem war er nicht gerade billig gewesen. Zweimal wollten wir nicht bezahlen. Zorn stieg in mir auf. Wer tut so etwas? Zu faul sich einen Eigenen zu suchen. Norbert und Günter trösteten uns. „Wir legen zusammen und kaufen in Oberhöchstadt einen Neuen“. Wir ließen uns beschwichtigen und stiegen ins Auto. Verärgert registrierte ich ein Lächeln auf manchen Gesichtern und dachte: „Schöne Freunde sind das, die reinste Schadenfreude sieht man ihnen an.“ Karl Heinz lud uns noch zu einem Kaffee zu sich ein und hier rückten Norbert und Hans mit der Wahrheit heraus.
Der Christbaum wurde nicht gestohlen! Die Beiden hatten sich einen Scherz erlaubt und den Baum lediglich mit einem Baumstumpf vertauscht und während des Essens auf unseren Wagen verladen.
Wir machten gute Miene zum bösen Spiel, doch insgeheim sann ich auf Rache.
Nachdem wir unsere Tanne wieder hatten, nahm ich auch den Stumpf in Gewahrsam. Dabei kam mir eine Idee. Am nächsten Tag suchte ich im Kaufhaus einen großen Karton. Dort hinein packte ich den Baumstumpf. Das übergroße Paket beklebte ich mit bunten weihnachtlichen Motiven und gab das Christkind als Absender an. „Erst zu Weihnachten öffnen! Überraschung!“ schrieb ich, bevor ich es an die Missetäter versandte.
Und es hat tatsächlich seine Wirkung nicht verfehlt.
Unserer Freundschaft hat es aber keinen Abbruch getan.