Eine Freude ungewöhnlicher Art
Von
tastifix
Mittwoch 17.02.2021, 11:32 – geändert 07.03.2021, 11:52
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Mittwoch 17.02.2021, 11:32 – geändert 07.03.2021, 11:52
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Pflichtbewusst wachte ich gegen 7 Uhr auf und gedachte der Tatsache, dass ein ganz besonderer Tag anbrach. Ein Tag, der mein Leben verändern würde, zumindest zum Teil.
Gestern hatte ich schon dazu beigetragen, dies zu ermöglichen und einige Vorarbeit geleistet. Heute endlich wäre es soweit!
Euphorisch klopfenden Herzens versuchte ich die Schelle zu hypnotisieren, dass auch sie endlich aufwachen und sich durchdringend melden würde. Aber die trotzte beharrlich und so nutzte ich die Zeit, um das ganze Erdgeschoss zu wienern. Fertig.
Eine halbe Stunde später riss mich ein herrliches Geräusch aus meinen Gedanken. Die Schelle schrie geradezu nach mir, mehrmals. Freudig folgte ich ihrem Aufruf und riss die Haustür so weit wie möglich auf. Jetzt, jetzt ...Gleich wäre es soweit und die große Esszimmerecke würde in neuem Holzglanz erstrahlen. Zwei junge Männer erschienen, je zwei Stühle huckepack tragend, grüßten ausgesprochen freundlich, stellten die Stühle ab, machten kehrt und kamen noch mehrmals zurück, wieder mit Stühlen. Als sie damit fertig waren, standen hinter der Wohnzimmerdoppeltür in einer Nische zwölf Esszimmerstühle, dann in Tannenbaumformation von mir aufgereiht, damit sie durchs Öffnen der Tür ja keine Schramme erleiden sollten.
Der erste der beiden jungen Männer eilte dem Ausgang zu, drehte sich zu mir um und winkte mir zum Abschied herzlich zu:
„Einen schönen Tag noch!“
„Wie? Wo bleibt denn der Tisch!!??“
In dem Moment war ich froh, meinen Gesichtsausdruck nicht zu sehen.
„Tisch?? - Hier steht nichts von einem Tisch. Hier ist nur der Kaufvertrag über die Stühle!“
„Aber“, wagte ich anzumerken, „es wurde ausdrücklich besprochen, dass Tisch und Stühle selbstverständlich am selben Tag geliefert werden sollten!“
„Dann hätte noch ein zweiter Kaufvertrag unterschrieben werden müssen!“
„Ist doch klar, wenn man einen Tisch und dazu Stühle kauft und einen Liefertermin ausmacht, dass man auch davon ausgeht, der eine Vertrag reiche aus! Der Verkäufer hätte darauf hinweisen müssen!“
In Gedanken sah ich bereits all die Stühlchen ordentlich in einer Runde dort stehen, ich mich dazwischen auf dem Boden sitzen und vom Fußboden speisend.
„Na ja, die Gäste hätten ja zumindest alle eine bequeme Sitzgelegenheit. Ist ja das Wichtigste, dass die sich wohl fühlen. Man selber kann ja …“
Ein Rückruf bewies dann, dass der Fehler beim Verkäufer lag, der offensichtlich die Kaufunterlagen nur flüchtig betrachtet hatte. Schnell war ein neuer Termin ausgemacht. Am 3. März zwischen 7 Uhr bis 13 Uhr und angeblich garantiert nicht so früh! Jetzt hoffe ich nur, dass das ersehnte Möbelstück auch hier ankommt und nicht etwa Nachbarn gleichen Nachnamens geliefert werden wird …, gg.
Das Wohnzimmer, dass ja einem etwas eleganteren Möbellager geglichen hatte, bekam wieder sein gewohntes Outfit, der Essplatz kehrte auf den angestammten Platz zurück. Nur ein Problem gab es jetzt noch zu lösen: Wohin solange mit den zwölf neuen Stühlen, denn die alten vier Esszimmerstühle bevölkerten ja gleichfalls noch das Wohnzimmer.
Ich schnappte mir Stühlchen Eins und trug es hoch in mein Ankleidezimmer.
„Immerhin eines weniger!“
Doch ich bin mir sicher, ihm werden noch mindestens vier folgen ...