Eine etwas andere Heidi-Episode ...
Von
tastifix
Montag 12.10.2020, 13:40 – geändert Dienstag 13.10.2020, 09:25
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tastifix
Montag 12.10.2020, 13:40 – geändert Dienstag 13.10.2020, 09:25
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Nach dem ersten Foto-Shooting trommelte Heidi die Mädchen zur Urteilsverkündung zusammen. Sehr darauf erpicht, Germans Next Topmodell zu werden, hatten sie sich monatelang auf diese Wochen vorbereitet, auf Kommando gelacht und geheult, Hüften geschwungen, bis die in ihrem Gelenk fast krachten und jeden Tag stundenlang(blaue Flecken inklusive) trainiert, um von ihren unmöglichen Eiffelturm-Stelzen bloß nicht herunter in die Waagerechte zu kippen.
Heute war es soweit: Nacheinander marschierten sie, geschminkt wie Barbiepuppen und gewandet in verrückte Outfits, mit unbewegter Miene und einem Hüftschwung wie niemals zuvor über den roten Teppich zu Heidi mit deren zwei Jury-Geschworenen und erwarteten strammstehend ihr Schicksal. Die Topmodelziehmama ließ sie wie nach Stoppuhr noch ein paar Minuten schwitzen, bis es entweder in überaus aussagekräftigen Aussagen Lob oder auch Tadel regnete. Bei Lob tänzelte das Model auf Heidi zu, griff sich das DIN-A4-Blatt große Foto und quietschte beim Anblick der darauf gebannten eigenen Monsterpose begeistert los. Je nach Temperament folgte ein Hochsprungrekord bis fast zur Studio-Decke und als krönender Abschluss mussten sich Heidi plus Gefolge eine wahre Knutschattacke gefallen lassen, was sie scheinbar gerührt über sich ergehen ließen. Danach verschwand das Mädchen zu den übrigen Kandidatinnen in den Nebenraum und berichtete ihnen ausschweifend, wie toll sie doch gewesen war.
„Guckt mal, mein Foto!“
Bei Tadel lief es beträchtlich weniger erfreulich ab. Ebenfalls stand die Kandidatin stramm. Gleichfalls wartete sie in atemloser Anspannung auf die erlösenden Worte, die jedoch so gar nicht erlösend ausfielen, sondern sie in die tiefe ´Ich-werd-niemals-Germans-Topmodel`- Depression stürzte.
„Es war langweilig. Du hast Dir nichts einfallen lassen. Ich hab leider kein Foto für Dich!“
Je nach Temperament bedankte sich die Kandidatin tapfer schluckend für die irre Plackerei der letzten Wochen, verteilte genauso Abschiedsküsschen. Oder sie rannte laut heulend aus dem Studio, um sich von den Anderen trösten zu lassen, die sogar noch mit heulten und in die Kamera schluchzten, wie sehr sie doch Konkurrentin Nummer Fünf, Sechs und Sieben bei den nachfolgenden Shows vermissen würden und sie dann trösteten:
„Jetzt kannste wieder wie ´nen normaler Mensch laufen!“
Mit einem Blick ´Zwei noch und dann hab ich den Mist hinter mir` seufzte Heidi fast unmerkbar, merkte es und restaurierte hastig ihre Model-Mama-Mimik. Niemand durfte ja merken, dass alles nur Zirkus war. Streng blickte sie der nächsten Kandidatin entgegen. Von einem Hungerhaken konnte bei der wirklich keine Rede sein:
„Die hält garantiert sogar die Luft an, um den Schmierbauch zu verbergen! Und wie die latscht - wie auch schon beim Shooting!“
Blond bezopft und bis zur Unkenntlichkeit gestylt stürmte die Kandidatin schlurfend, die Arme auf dem Rücken verschränkt und auf den obligatorischen Stöckelschuhen kurz vorm Umknicken auf Heidi zu und nahm knapp vor ihr Habachtstellung ein. Jene wunderte sich beträchtlich, denn auch weiterhin hielt die Kandidatin die Arme versteckt. Vor Spannung knisternde Minuten verstrichen. Schließlich löste sich Heidis versteinerte Miene und es tropfte vor Mitleid:
„Dein Shooting war unmöglich. Dir fehlt jegliche Eleganz. Es tut mir soo leid, aber ich hab kein Foto für Dich!“
Merkwürdig: Das Mädchen schluckte weder krampfhaft noch fing es gar an zu heulen, sondern schaute Heidi grinsend an:
„Ich hab aber eines. Willste mal sehen!??“
Sprachlos griff sich Heidi das ebenfalls DIN-4-formatige Bild und erstarrte. Sie sah auf einen Igelhaarschnitt, eine Nickelbrille, eine rote Halskette im Ausschnitt eines Mini-Nachtpolters in Pink, stierte auf zwei stämmige, wahrlich entzückend behaarte O-Beine und die Füße in riesigen Filzpantoffeln.
„D..Die Jury zieht sich zur Be..Beratung zurück!“, hauchte sie und stakste auf Wackelbeinen zum Jurytisch.
„Das gibt es nicht … !“
Die Drei verzogen sich ins Hinterzimmer, wo Heidi den Anderen wortlos das Foto präsentierte. Um sich wieder zu fassen, brauchten ihre Geschworenen eine Weile. Danach nahmen sie dann wieder einigermaßen gefasst ihren Platz am Tisch wieder ein. Heidi räusperte sich:
„Ja also, hm: Solch eine Idee hatte noch keine. Wir haben deshalb beschlossen, Dir noch eine Chance zu geben!“
Und ein wenig hilflos lächelnd fügte sie hinzu:
„Aber zuvor müssen wir aus Dir noch eine Frau machen!“