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Ein unendliches Rollen ...

Von tastifix Montag 15.06.2020, 10:28

Die Begeisterung für den Ball ist uns in die Wiege gelegt worden.

Bereits im Krabbelalter werfen Kinder Bälle durch die Gegend und wuseln laut quietschend vor Vergnügen hinterher. Zu ihrem Pech gucken die jungen Väter ebenfalls begehrlich und schon ist die Jagd in vollem Gange. Noch darf der Nachwuchs gewinnen - wegen fehlender Chancengleichheit und zudem genießt er noch 100%igen „Welpenschutz“.

Ein Jahr später läuft es bereits etwas anders ab. Der Nachwuchs überrascht den darob staunenden Papa mit einem wahren Kaiser-Beckenbauer-Schuss. Der mag es aber nicht auf sich sitzen lassen, dass dieser Ball ungehindert an ihm vorbei saust und hechtet also hinterdrein. Dann hält Papa das Leder triumphierend in die Höhe. Die ohrenbetäubende Strafe folgt prompt.
„Meeiiner! Haben, haaben!!“
Nur sehr schweren Herzens tritt der Papa den Ball ab. Er erntet dafür einen dermaßen charmanten Blick, als ob er seinem Nachwuchs drei oder noch mehr Eiskugeln auf einmal spendiert hätte. Der Papa ist eben schwer in Ordnung. Die Mama selbstverständlich auch, aber sie sorgt sich in diesen Minuten eigentlich mehr noch um das Wohl der Möbel. Seufz.

Die etwas Älteren sitzen und schlafen vielleicht sogar auf ihrem Ball. Es bringt unter Garantie aufregende Träume. In der Schule liegt dieses enorm wichtige Utensil unter der Bank direkt zu ihren Füßen. Anstatt auf die Tafel, starren sie gebannt auf das geliebte Etwas. Nicht, dass sich etwa der doofe Mitschüler aus der Bank nebenan erdreistet und es in einem unbeobachteten Moment klaut ...
Die vermaledeiten Textaufgaben werden weit häufiger richtig gelöst, wenn in ihnen ein Fußball die Hauptrolle spielt. Überhaupt wird alles ´in Bällen` gerechnet. Die Begeisterung für die liebe Mathematik kennt dann keine Grenzen mehr ...
Im Fach Geographie hat der Ball erst recht seine Daseinsberechtigung. Schließlich ist die Erde rund, also eine Kugel und somit sozusagen ein Ball. Fasziniert erkunden die Schüler dessen Beschaffenheit, das Geschehen um und auf ihm, ohne auf den ja wahrlich völlig abwegigen Gedanken zu kommen, dass ihnen Büffelpensum serviert wird.

Die noch Älteren erfahren in den Psychologiestunden, was eigentlich die Faszination des Balles ausmacht und warum sie dermaßen auf ihn abfahren. Die Erklärungen dazu sind manchmal ebenfalls sehr abgefahren.
Privat oder auch in Sportvereinen jagen sie wie unter Hypnose ihrem runden Liebling hinterher, messen ihre Kraft und Geschicklichkeit mit der der Gegen-Elf, dribbeln und stürmen und genießen wie auch ihre Zuschauer die 1½- Stunden-Spannung. Sie nehmen für jenen Rausch selbst blaue Flecken plus Beulen in Kauf. Irgendwann dann werden kleine Meisterschaften ausgetragen. Siege bleiben für das Stadtviertel garantiert kein Geheimnis. Das Johlen lässt Mauern erzittern. Gehören sie, die Fußball-Starletts, nicht eigentlich längst schon in die Nationalmannschaft??

Die Leder-Fans empfinden jeden Tag ohne ein Spiel als einen verlorenen. Einige entscheiden sich dafür, in den Profisport zu wechseln. Aus dem einstigen Hobby wird strapaziöser Ernst mit tagtäglichem stundenlangen Training. Das Privatleben steht hintenan.
Mit sehr viel Glück erfüllt sich für Wenige ihr Traum. Sie steigen tatsächlich in die Nationalmannschaft auf und avancieren zu Idolen für Millionen, baden in deren Jubel und kassieren ungeheure Gelder. Jedoch sind diese teuer erkauft, weil es um den Profit geht, ab und zu auch gegeneinander. Für den Sieg und damit den eigenen Ruhm sind dann so manche Taktiken recht. Die Palette reicht von Schiedsrichterbeschimpfungen, schweren Fouls bis hin zu Intrigen, die dann erstens unweigerlich die Zwangspause auf der Bank und zweitens Image-Verlust bis hin zum Karriereende nach sich ziehen.

Der Fußball, eine Droge mit Nebenwirkungen ...
Solange Bälle rollen werden, werden Menschen ihnen nachlaufen auf der Jagd nach körperlicher Ertüchtigung, gemeinschaftlichem Erleben, nach atemloser Spannung, nach Ruhm und Ehre.
Es ist ein unendliches Rollen ...

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