Ein schwingendes Leben (6)
Von
tastifix
Freitag 27.03.2020, 10:49 – geändert Freitag 27.03.2020, 14:05
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Freitag 27.03.2020, 10:49 – geändert Freitag 27.03.2020, 14:05
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Ehe Michaela - und ich noch weniger - irgendetwas dagegen tun konnten, sauste Belle vor aller Augen und sämtlichen entsetzt starrenden Schuhspitzen quer übers Parkett zwischen den Beinen der Tanzpaare hindurch bis zum anderen Ende des Saales. Dort stand glücklicherweise ein hilfsbereiter Herrenschuh. Der sah sie heran schlindern, machte einen raschen Schritt vorwärts und stoppte sie.
Derweil bemühte ich mich, Michaelas Aufmerksamkeit zu erregen:
„Klack, klick, klick!“
Doch wegen der lauten Musik schien sie es entweder nicht zu hören und meinte nur zu ihrem Tanzpartner:
„Macht mir gar nichts. Dann tanze ich eben mit nur einem Schuh weiter!“
´Die ignoriert mich mit Absicht und der blöde Kerl lacht dazu auch noch! - Wie kann sie so herzlos sein!?`
Noch länger darüber nachzugrübeln oder gar auf passende Rache zu sinnen, blieb mir keine Zeit. Ich war nur ein Schuh und hatte zu gehorchen.
„La, la, laa ... !!“
Nach ein paar weiteren Drehungen sagte ich mir:
„Eine Runde heißt Runde, weil es immer rund geht. Also kommen wir gleich bei Belle vorbei!“
Dies beruhigte mich ein wenig.
Derweil hatte sich mein Zwilling von dem Schrecken wieder erholt, musterte ihren Bremsklotz etwas genauer und wollte sich standesgemäß bei ihm bedanken:
„Das war sehr nett ...“
Dabei blieb es aber denn auch. Sie stellte nämlich gleich mir fest, dass ihr Gegenüber ein ungewöhnlich attraktiver Herrenschuh war. Ihre Schnalle blitzte ihn an, was zwar gegen jeglichen Schuh-Knigge ging, sie aber nicht vermeiden konnte. Eindeutig hatte es sie erwischt. Aber nicht nur sie! Das Leder ihres männlichen Gegenübers glänzte auffallend intensiv zurück.
„Arme Belle! Sie sieht ihn wahrscheinlich nie mehr wieder.“
Endlich blieb Michaela neben Belle stehen und bückte sich, um sie aus der mehr als peinlichen Lage zu befreien.
„Einen Moment bitte!“, sprach sie in dem Moment eine freundliche Stimme an.
Der Besitzer des schönen Herrenschuhes kam ihr zuvor, hob Belle rasch auf und legte sie in Michaelas ausgestreckte Hand.
„D..Das ist lieb!“
Eigenartig! Michaela stotterte ja so wie eben Belle. Sollte sie sich etwa auch ... ?
´Meine Güte, der strahlt sie ja genauso an!`
Aufgeregt beobachtete ich die Beiden. Ja, tatsächlich: Michaela und der junge Mann unterhielten sich pausenlos und verstanden sich prächtig. Als es ans Abschiednehmen ging, fasste der junge Kavalier ihre Hand und bat sie um ein Wiedersehen. Gar nicht mehr der übermütige Wildfang, hauchte Michaela schüchtern:
„Ich würde mich auch freuen ...“
„Belle, ahnst du, was das für dich bedeutet??“
Ich brauchte sie nur anzusehen und wusste:
„Sie ist glücklich! Sie wird ihren Herrenschuh wiedersehen!!“
Und ich freute mich mit ihr.