Ein schwingendes Leben (5)
Von
tastifix
Donnerstag 26.03.2020, 10:52
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Von
tastifix
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Es wurde Samstag. Michaela rannte hektisch vom Bad in ihr Zimmer und wieder zurück. Die Aufgeregtheit steckte an. Uns kribbelte es im Leder. Alle zwei Minuten schielten wir zum Spiegel.
„Isa, sitzt meine Schnalle richtig?“, hauchte Belle.
„Super!“, und linste zu meiner.
Inzwischen hatte Michaela den sämtlichen Inhalt des Kleiderschrankes aufs Bett geworfen, ausgesucht und mucksend wieder verworfen.
„Nee, zu dem passen die Neuen wirklich nicht!“
Nach sage und schreibe zwei Stunden war endlich die Entscheidung gefallen. Sie würde in einem Traum aus königsblauer Seide übers Parkett schweben.
Dann brachen wir auf. Die Tanzschule erstrahlte in heller Festbeleuchtung. Aus dem riesigen Saal tönten die ersten romantischen Klänge. Belle und ich schauten nur flüchtig auf all die Pracht und widmeten uns verstohlen der heimlichen Prüfung der Konkurrentinnen an den fremden Füßen.
„Belle! Haste die mit all dem Blinkerzeug auf ihrem Riemchen gesehen? Furchtbar!“
Nein, hier mussten wir uns wirklich nicht verstecken. Der Chef der Schule hielt eine kurze Begrüßungsansprache und erntete viel Beifall sowie fröhliches Lachen. Damit war der Ball eröffnet.
„So, jetzt beweist, dass ihr das Geld wert seid!“, lachte Michaela.
Und schon ging es los.
„Au!“, maulte ich kurz darauf und blitzte wütend eine neben mir her hüpfende Sandalette an, die unbekümmert total unelegant auf meiner Schuhspitze gelandet war. Zum Glück hatte mich nicht ihr Absatz erwischt. Tapfer machten wir trippelnde Tanzschritte, Runde um Runde.
„Klick-klack, klick-klack!“.
EineWeile später jedoch - die Sohlen waren bereits grauschwarz vor Anstrengung - ereilte uns unser Schicksal. Wir hatten ja immer noch gehofft, dass uns jener Kelch vielleicht wider Erwarten verschonen würde. Ganz groß wurde er angesagt und mit Jubelrufen begrüßt:
„Kaiserwalzer!!“
´Der gibt uns garantiert den Rest!`
Begeistert drehte sich Michaela im Kreise. Weit weniger begeistert folgten wir gezwungenermaßen der Pflicht, sie dabei trittsicher zu unterstützen.
„Belle, es bringt mich noch um. Hoffentlich ist der verflixte Tanz bald zu Ende!“
Belle gab keine Antwort, sie konzentrierte sich aufs Takt halten. Mir selber wurde es sehr bald schlecht von dem ununterbrochenen Drehen und ich fühlte mich wie kurz vorm Wegknicken. Plötzlich schaffte es Belle nicht mehr, die Richtung einzuhalten und schlingerte bedenklich hin und her.
„Isa, ich kann nicht mehr!“
„Halte durch! Irgendwann ist auch der längste Tanz vorbei!!“
Während des nächsten Wirbelns um die eigene Achse drohte mir fast der Lederinfarkt. Belle hatte erst die Balance und dann Michaelas Fuß verloren. Aber nicht den Schwung des Kaiserwalzers.
„Hiieelf mir, Isa!“
„Wie denn? Geht nicht. Ich muss weiter!“, quietschte ich zurück ...