Ein schwingendes Leben (4)
Von
tastifix
Mittwoch 25.03.2020, 12:18
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Von
tastifix
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Sie ahnte ja nicht, wie recht sie damit hatte. Nicht allein, dass mit dem nächsten Morgen ein neuer Tag anbrach, sondern vor allem, dass etwas Entscheidendes passieren sollte.
Gegen neun Uhr öffnete der Schuster das Geschäft. Bereits zehn Minuten später kamen zwei Frauen herein, die sich sehr ähnlich sahen.
„Bestimmt Mutter und Tochter!“
Wir musterten sie kurz:
„Du, Isa, das ist unsere Chance! So wie die aussehen und gekleidet sind, kaufen die garantiert nicht die doofen Latschen von gegenüber. Die suchen etwas Schickes!“
Und richtig! Das junge Mädchen überflog beide Regale mit einem flüchtigen Blick, der dann an uns hängen blieb.
„Mutti, die sehen klasse aus! Hoffentlich passen sie!“, jubelte es.
„Klick, klick!“, machten wir total aufgeregt.
Herr Klopf zwinkerte uns unauffällig zu. Sofort nahmen wir noch mehr Haltung an als ohnehin.
„Ist denn der Absatz nicht ein wenig zu hoch!? Du musst ja beim Tanzen gut auf ihnen laufen können.“
„Mutti, fürs Walzer tanzen brauch ich so hohe Absätze. Alles andere sieht bekloppt aus!“
Jetzt kam der große Moment. Die junge Dame streifte uns über. Wir schmiegten uns geschmeidig um ihre Füße:
„Nimm uns!“, flehten wir im Stillen.
Sie drehte sich ein paar Male im Kreis, besah sich im Spiegel und juchzte:
„Die oder keine!“
Mit dieser Aussage bestätigte sie unsere Meinung von unserem Äußeren sehr nachdrücklich. Zufrieden bemerkte ich:
„Belle, die ist klug und hat erkannt, wie toll wir sind!“
Zudem passten wir wie angegossen. Mittlerweile schlug unser Selbstwertgefühl ja Purzelbäume.
Wir wechselten den Besitzer, landeten in einem weich gepolsterten, angemessen schicken Pappkarton und danach in einer flotten Einkaufstüte.
„Macht`s gut, Ihr Zwei!“, verabschiedete sich Schuster Klopf noch, aber das bekamen wir nur noch so am Rande mit.
„Gleich daheim trippelst du am besten stundenlang auf den Stelzen rum, damit du dich an sie gewöhnst, Michaela. Bis Samstag ist es ja nicht mehr lang!“, riet die Mutter der Tochter.
„Isa: Michaela also heißt sie!“, flüsterte mir Belle zu. „Ein hübscher Name!“
Aber hübsch fanden wir sie sowieso.
Unser neues Zuhause gefiel uns auf Anhieb. Garantiert schützten uns die Vornamen und dass wir sogar ´von` hießen, davor, uns zusammengepfercht mit -zig anderen Schuhpaaren (übrigens fast alles ordinäre Treter!) die Enge in dem winzigen Abstellraum hinter der Eingangstür teilen zu müssen. Unter den missgünstigen Blicken der gemeinen Schuh-Armada trug Michaela uns in ihr Zimmer. Streng prüften wir die Einrichtung und befanden sie für hoch wohl geborene Prinzessinnen wie uns als angemessen. Entzückt geradezu waren wir von dem breiten Standspiegel.
„Vor dem findet sicher Michaelas Modenschau statt und wir werden stets mit von der Partie sein!“
Michaela konnte es offensichtlich nicht mehr abwarten, streifte uns über und tänzelte vor dem besagten Spiegel auf und ab.
„So, jetzt üben wir ´drehen`!“
Kurz darauf rutschten uns fast die Sohlen weg vor Schwindel. Oder lag es etwa nur an dem glatten Parkett?
„Isa, Belle, so ähnlich wird es am Samstag sein. Nur drehen wir uns dann noch viieel länger!“
Sie verdrehte die Augen, ihr Gesicht leuchtete.
„Hm, oh ... oh!“, machten wir, weil wir nicht recht wussten, was wir davon jetzt halten sollten.
„Hach, wird das schöön!!“
Michaela wirbelte im Kreis herum und sang dabei lauthals eine schwungvolle Melodie. Uns durchzuckte ein heftiger Schrecken. Es klang verdächtig nach `Kaiserwalzer`. Den kannten wir, weil der Schuster ihn sich oft angehört hatte. Oje, der dauert lange. Plötzlich teilten wir Michaelas Vorfreude nicht mehr so ganz.
´Was da wohl auf uns zukommen wird ... ?`...