Ein Rentier muckt auf, aber dann ...
Von
tastifix
Freitag 06.12.2019, 14:28 – geändert Freitag 06.12.2019, 14:29
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tastifix
Freitag 06.12.2019, 14:28 – geändert Freitag 06.12.2019, 14:29
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Schon seit Tagen ahnte Mucki, dass etwas Lästiges auf ihn zukam.
´Hoffentlich täusch` ich mich!`, knirschte er mürrisch mit den Zähnen.
Und weil Rentiere sehr große und auch recht viele Zähne haben, gab des ein ziemlich unangenehmes Geräusch. Eigentlich hätte er sich dafür schämen müssen, aber:
„Mir doch egal! Die Engel in der Himmelsbackstube motzen ja auch, wenn ihnen die Arbeit vor Weihnachten zuviel wird ...“
Tja, und heute erfuhr Mucki, dass ihn seine Ahnung nicht betrogen hatte.
„Muhuucki!“
Achherrjee, das klang verdächtig nach Nikolaus` Stimme.
„Hm, die Geschenke sind doch schon alle verteilt ...“
„Was ist denn, Nikolaus?“
Energischen Schrittes betrat Nikolaus den Stall.
„Guten Morgen Mucki!“
„Hi!“, quetschte der zwischen Zähnen und Haferhalm heraus. ´O je!`
Plötzlich fühlte er sich relativ unbehaglich in seiner Rentierhaut.
„Es nutzt alles nichts. Du musst nochmals los und zwar sofort!!“
„Waaas!! Wieso denn das??“
„Tja, Eilauftrag vom Chef!“
´Pööh, er hat was vergessen und ich muss jetzt darunter leiden!`
„Hat das nicht wenigstens Zeit, bis nach dem Frühstück?“
„Nein, leider nicht. Sonst kommts Geschenk zu spät an!“, erklärte Nikolaus unnachgiebig.
Wehleidigen Blickes nahm das Rentier von dem leckeren Haferbüschel in seinem Trog Abschied und trottete missmutig hinter Nikolaus her.
„Aber den Schlitten, den kann ich hier lassen, oder?“
´Keine Lust, den etwa jetzt auch noch zu ziehen!`, dachte Mucki und guckte zweifelnd.
„Na, ich denke mal, das schaffst du auch so!“, war die Antwort. "Keine Bange! Ich bind ich dir ´nen Korb mit dem Päckchen um!"
„Was ist denn da drin?“ - ´Werd ich ja wohl noch fragen dürfen. Denn es bedeutet ja bereits die dritte Überstunde für mich!`
„Weiß ich auch nicht. Aber bestimmt etwas Wichtiges!“
´Tolle Antwort!`
Mucki war kurz davor, eine patzige Bemerkung zu machen. Offensichtlich sah man es ihm an, denn der daraufhin strenge Blick seines Vorgesetzten verriet nichts Gutes.
Nikolaus verschwand im Haus und kam mit einem kleinen Päckchen unterm Arm zurück.
´Nee, nich?? Und deswegen soll ich nochmals los??`
Doch auch diesmal schwieg er vorsichtshalber.
„So“, meinte Nikolaus. „Jetzt fix: Und verlauf dich nicht. Du weißt ja, wo jenes Dörfchen liegt.“
Er flüsterte ihm die Adresse ins Ohr und gab dem Rentier einen aufmunternden Klaps aufs Hinterteil. Mucki schielte ihn sauer an, setzte sich aber dann brav in Trab.
„Wird ein langer Flug. Garantiert werd ich das einzige Rentier sein, das noch arbeitet … Die Anderen haben dagegen längst Urlaub, Mist!`
Er erreichte die nächste Himmelsgaloppbahn und sauste los. Weil außer ihm tatsächlich niemand unterwegs war, hing er brummelnd sauren Gedanken nach:
´Wieso immer ich? Nikolaus hätte doch auch mal nen Engel schicken können!!`
Aber nein, die saßen ja nun in der Backstube, buken tolle Kuchen und Plätzchen und futterten sich garantiert nebenbei frech den Bauch voll mit all den Köstlichkeiten.
´Und kriegen deswegen noch nicht mal nen Anpfiff!!`
Eindeutig ging es im Himmel genauso ungerecht zu wie auf Erden. Die Engel besetzten halt wichtigere Positionen als Rentiere, obgleich die letzteren viel mehr schufteten als die geflügelten Diener des Chefs. Tja, diese Ungerechtigkeiten kannte Mucki ja schon von früheren Ausflügen zur Erde. Diejenigen, die die Fäden in der Hand hielten, saßen sich in ihren Büros meist den Po platt, hielten ein paar pseudo-kluge Reden und ließen die Anderen für sich arbeiten. Jene waren dann manchmal froh, überhaupt über die Runden zu kommen. Ihre Arbeitgeber dagegen gammelten herum und vergnügten sich auf mehr oder weniger seriösen Glamourparties und wenn sie etwas ausgefressen hatten, regelten sie es recht oft zu ihrem Vorteil mit größeren Geldsummen, spendeten oder bestachen. Selbst dann, wenn sie nicht ungestraft davon kamen … Im Gefängnis wars dann meist nur eine Stippvisite und schon wurden sie wieder entlassen.Wenn aber deren Arbeiter und Angestellte das Gleiche auf dem Kerbholz hatten, dann wanderten diese eventuell für Monate hinter Gittern.
Eigentlich hatte das Rentier keine Lust, sich die Reise mit solchen Gedanken noch zusätzlich zu vergällen, aber, weil Mucki so sauer war, schaffte er es kaum, mal an etwas Angenehmes wie sein Weihnachtshaferbüschel droben im Stall zu denken. Doch schnell verdrängte er die Sehnsucht danach wieder, denn prompt meldete sich sein Magen:
„Huuuunger!!“
Ja, Mucki litt, hatte aber trotzdem erst seinen Auftrag zu erledigen.
´Bin ja hoffentlich bald da!`, tröstete er sich und passte auf wie ein Luchs, dass er sich ja nicht vergaloppierte.
Überall um ihn her leuchteten große und kleinere Sterne.
„Immerhin! Soo viele Laternen wie wir oben haben die auf der Erde nicht!“
Unwillkürlich erinnerte er sich, wie er auf einem der früheren Reisen zur Erde auf einsamen, total dunklen Landwegen entlang der Felder über dickere Stöcke gestolpert und fast gefallen war und wie oft er Stunden gebraucht hatte, bis er sein Ziel gefunden hatte ...
„Grausam wars! Weit und breit keiner, der mir den Weg hätte zeigen können. Kann ja noch froh sein, mir auf solchen Touren nicht die Beine gebrochen zu haben.“
Auf einmal erhellte sich seine Miene, er hatte eine Idee:
„Au ja! Dass ich darauf nicht schon viel eher gekommen bin! Ich werd` Nikolaus bitten, mit demnächst ne Taschenlampe umzubinden!“
Aber jetzt würde er noch ohne eine solche auskommen müsen.
Die himmlische Galoppstrecke führte nun steil nach unten und bald konnte Mucki die ersten Häuser des Dorfes erkennen. Als er dann mit einem kleinen Ruck auf der Hauptstraße des Ortes landete, musste er angestrengt mit den Augen blinzeln, um sich im Dunkeln zurecht zu finden. Jedesmal, wenn er im Schein einer Funzellaterne feststellen durfte, dass er sich nicht verlaufen hatte, pustete er erleichtert auf. Weil die Zeit drängte, - es war inzwischen kurz vor Tagesanbruch -, lief er etwas schneller, was zur Folge hatte, dass es auf seinem Rücken in dem Korb laut hörbar rumpelte.
´Muss etwas Schweres drin sein!`, überlegte Mucki und ärgerte sich fast, dass er so gar keine Ahnung hatte, was es wohl war.
Es war ja noch düster. So begegneten ihm keine Autos und auch sonst war alles wunderbar still.
´Also wenigstens kein Stau! - Hm, Haus Nr.2 hat Nikolaus gesagt ...`
Nach einer Weile hatte er das Häuschen gefunden. Mucki hockte sich hin, drehte den Kopf so weit wie möglich nach hinten, erwischte treffsicher das Band, mit dem das Päckchen auf seinem Rücken festgezurrt war und knabberte es fix durch.
´Puuh, geschafft!`
Erleichtert trug Mucki das Geschenk bis auf die Stufe vor der Haustür und legte es dort ab. Inzwischen zeigte sich am Horizont bereits ein heller Streifen …. Der Tag brach an.
´Ich muss mich beeilen, heim zu fliegen!`
Doch er wollte sich nicht entgehen lassen, was wohl in dem Päckchen war. Also versteckte er sich seitlich des Hauses und wartete. Lange musste er sich nicht gedulden. Schon bald wurde die Tür aufgerissen, ein kleiner Junge stürmte heraus und entdeckte das Päckchen. Es war noch bitter kalt, aber des kümmerte den Kleinen nicht. Aufgeregt riss er das Papier ab und hielt genau das Feuerwehrauto in der Hand, dass er sich so sehr gewünscht hatte – mit einer richtigen Leiter und einer Glocke mit Band. Zog man daran, dann machte es tüchtig Lärm.
Mucki beobachtete, wie sehr der Junge strahlte und sein Feuerwehrauto an sich drückte. Als der Kleine im Haus verschwunden war, machte sich Mucki eilig auf die Heimreise. Doch all der Unmut wegen der zusätzlichen Überstunde war vergessen. Er sah den Kleinen vor sich, wie er sich gefreut hatte und es machte auch ihn glücklich.
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