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Ein Märchen

Von Feierabend-Mitglied Freitag 18.09.2020, 11:04

Ich bin das Heinzelkind Miranda, ich lerne bei der alten Lilith, wie man den Zauber in den Heinzelträumen macht. Das ist anstrengend und manchmal klappt es und manchmal nicht.

Ich muss Gräser und Blüten sammeln und kochen, dann kommen noch besondere Dinge in den Topf, Glitzerstaub aus dem Bergwerk, 3 Sonnenstrahlen, ein Glockenblumenhut voller Milch aus der Milchstraße und etwas schwarzen Schatten vom Kleid der Nachtfee. Manchmal kann ich einen Blitz fangen, der macht dann die schaurig schönen Gruselgeschichten. Es dauert viele Wochen bis ich alles gesammelt habe, ich brauche viel Geduld und die habe ich selten. Und ich bin so vergesslich!

Ich koche die Suppe in einem Topf mit Regenwasser und gesammelten Tautropfen, vorher muss ich den Topf blank putzen, damit sich das Mondlicht darin spiegeln kann.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie aufregend das für mich ist, ich habe jedesmal schreckliches Herzklopfen und ganz zittrige Hände, aber dann redet mir mein Freund, der Uhu, gut zu.

Jede gute Zaubersuppe gibt den Heinzeln Träume mit aufregenden, spannenden Geschichten und die erzählen sie sich gegenseitig und mir natürlich auch.

Ich wünsche mir immer, nichts falsch zu machen, weil ich so schusselig bin. Wenn die Zaubersuppe fertig ist, dann setzen sich alle in einen Kreis, Kinder, Frauen und Männer, die ganz Alten und die Kranken werden auf Moosbettchen in die Mitte gelegt. Alle sind ganz still und andächtig, nur mein Herz macht laut bum bum bum.

Die Tiere kommen aus dem Wald, der Oberheinzelmann schlägt die Trommel dumpf und leise und Lilith dreht sich dazu im Kreis, hebt die Hände zum Himmel und singt dazu eine wunderschöne Melodie. Alle atmen den Duft der Zaubersuppe, es ist ganz feierlich und so schön, dass es in meinem Bauch warme Wellen macht und dann muss ich vor Freude weinen.

Wenn die Heinzel müde werden und die Trommel still ist und die Heinzelfrau nicht mehr tanzt, dann essen alle die Suppe, kuscheln sich aneinander und schlafen ein und ich auch.

Am nächsten Abend, werden alle wach, weil wir immer erst abends wach werden, dann sehe ich gleich, ob mein Zauber geglückt ist.

Wenn ja, dann strahlen alle, haben ein Leuchten in den Augen, sind ganz aufgeregt und reden wild durcheinander, weil sie nun viele neue Geschichten wissen. Und selbst die, die ein bisschen krank waren sind wieder gesund. Alle sind verschmust und die alten Heinzel lächeln, loben mich und nehmen mich in den Arm, das hab ich gern.

Wenn es nicht geklappt hat, dann trösten mich alle und sagen, nächstes Mal wird es besser. Aber mir macht es was, denn ich möchte doch die beste Heinzelzauberfrau aller Zeiten sein.

Dann kommt die alte Heinzelfrau und kocht in 3 Tagen eine neue Suppe. Sie ist so schnell und immer klappt es, ich bin soooo neidisch. Aber meine Freundin, die Watschelente tröstet mich und sagt: Sei nicht traurig, du lernst doch noch.

Und dann ist alles gut und ich spiele vergnügt mit allen anderen Heinzeln und da will ich auch gar nichts Besonderes mehr sein.

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