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Ein goldener Tag

Von Muehlbachhexe1 Donnerstag 22.11.2018, 20:07


....ist ein Geschenk, das man nicht kaufen kann.



Nur eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt mit dem Auto.

Bei dickem Nebel sind wir gestartet, aber mit jedem Kilometer, den es aus dem Rottal nach oben, in die sanften Höhen des Bayrischen Waldes geht, wird es lichter um uns.
Am Zielort schließlich, empfängt uns die makellose Schönheit eines goldenen Herbsttages, mit einem wolkenlosen, seidig blauen Himmel und, für den November geradezu unwahrscheinlichen, 23 Grad Celsius.

Wir stellen unser Auto unweit vom Seeufer ab und gehen los- immer am See entlang. Spiegelglatt liegt die Wasserfläche vor uns. Wir sehen zu, wie sich die dünne Dunstschicht darüber unter der strahlenden Sonne auflöst.
Badesaison und Herbstferien sind vorbei, der Kiosk direkt am See ist geschlossen, genauso wie der Tretbootverleih. Gerade mal drei, vier weitere Wanderer begegnen uns grüßend, ein Angler sitzt regungslos auf einem Steg und harrt geduldig einer eventuellen Beute, ein paar Wildenten ziehen leise schnatternd ihre Bahn und das Boot der Wasserwacht dümpelt gut vertäut, gemütlich in Ufernähe.
Die Wälder rund um den See haben noch längst nicht alle Blätter abgeworfen und leuchten in allen Schattierungen von Rot, Gelb, Orange, Braun und Grün.
Es ist so wohltuend ruhig, wir genießen die Stille und gehen lange Zeit schweigend durch das knöchelhohe, raschelnde Laub. Es ist ein gutes Schweigen, wie man es nur kann, wenn man sich sehr wohl fühlt- mit- und beieinander.
Es wir uns, trotz geöffneter Jacken, warm und wir freuen uns über die Bank, die einladend am Ufer steht.
Wir sitzen, uns an den Händen haltend, in der Sonne, hören einen Specht klopfen , Finken trillern und Amseln pfeifen , riechen Holz, Harz und Pilze und den See, so lange bis die Schatten länger werden.
Es wird kühl, wir knöpfen uns wieder in unsere Jacken und nehmen das letzte Stück Weg in Angriff.
Es wird schon dunkel, als wir in eine urige Wirtsstube treten.
Die Einheimischen sind nach der Saison wieder unter sich und freundlich werden wir eingeladen, uns mit an den Stammtisch zu setzen. Seufzend vor Wohlbehagen strecke ich meine Beine unter den Tisch und lehne den Rücken an den warmen Kachelofen.
Wir essen Leberkäse und Spiegelei, Bratkartoffel und Endiviensalat und stoßen mit einem „Blutwurz“ auf alle Anwesenden, auf die Gesundheit und ein langes Leben an.
Es ist kalt und sternenklar und ein halbrunder Mond spiegelt sich im See als wir uns zur Heimfahrt rüsten.
Ich bin glücklich und tief dankbar für diesen wunderbaren Tag. Er ist eines von den kostbaren Geschenken, die ich gut verwahren- und immer wieder hervorholen werde, um mich daran zu erfreuen.

Muehlbachhexe1

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