Ein Faulpelz
Von
Fiddigeigei
Donnerstag 13.06.2019, 15:31
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Fiddigeigei
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Als er erwachte lugte der neue Tag durchs offene Fenster und eine Vogelschar war bereits am tirilieren, das es eine Lust war. Er blieb noch etwas liegen um zu sinnieren und da fiel ihm ein , dass sich im Traum eine junge Frau in einer alten Schwarzwäldertracht gekleidet an sein Bett gesetzt und ihn liebevoll gestreichelt habe; und sie hatte seine Hand gehalten und er glaubte auf seinem Mund noch einen warmen Kuss von jungen Lippen zu spüren.
Ach was dummes Zeug dachte er sich, sprang aus dem Bett, schüttete Wasser aus der Karaffe in die Waschschüssel, putzte sich die Zähne mit einem Finger, wusch den Schlaf mit einer Portion kaltem frischen Brunnenwasser aus den Augen und zog sich an. Dann ging es knarrend über die alte Treppe nach unten in die Küche, wo sein Rucksack stand.
Alles war noch genau so wie er es gestern verlassen hatte. Aber der Tisch war abgeräumt, auf der Tischdecke stand eine mächtige mit dampfendem Milchkaffee bis zum Rand gefüllte Schale ohne Henkel und daneben einen dicken Ranken Hefezopf, wie er nur im Schwarzwald gebacken werden kann. In einem alten irdenen Milchtopf waren als Schmuck ein frischgepflückter Blumenstrauß aus dem wilden Garten hingestellt.
Ich lasse mich nicht lange bitten, mein unsichtbarer Gastgeber, dachte der Wanderer. Er setzte sich auf den Stuhl, tat einen kräftigen Zug aus der Kaffeeschale und brockte dann große Stücke vom Zopf abbrechend in den tiefgründigen Milchkaffee.
Jakob schulterte seinen Rucksack und ging zum Ausgang. Dort drehte er ich noch einmal um und rief ins Haus hinein mit lauter Stimme: Vielen Dank du lieber unsichtbarer Gastgeber, wer du auch seist.
Er schloss sorglich die Haustüre und zog das alte in den Angeln krächzende Gartentürchen hinter sich zu.
Nach einigen Schritten bleib er stehen und blickte zurück. Jakob vermeinte hinter dem Schlafstufenfenster eine weibliche Gestalt erkennen zu können. Er winkte ein Lebewohl dorthin und sandte einen Kuss zu der Unbekannten, welchen er auf seine Handfläche drückte und dann gegen das Haus blies.
…....Die Sonne näherte sich schon der Mitte des Tages zu, als unser Wanderer auf eine Wiese gelangte, die über und über mit kleinen güldenen Sternen bedeckt war und dem Grün des Grases und den anderen farbigen Wiesenbewohner kaum Platz ließen.
Zuvor hatte er eine liebliche Landschaft durchquert, die sehr fruchtbar schien und Obstbäumen aller Art Heimat gab. Welch glückliche Menschen müssen hier leben, denen wie im Paradiese das Essen direkt in den Mund wächst- dachte der Wanderer-. Unter einem alten hohen Birnbaum, der direkt am Wegesrand stand und sein Blätterdach als Schirm weit über den Weg wachsen ließ, blieb er stehen. Die Sonne brannte zwischenzeitlich vom blauen Himmel herab und der Rucksack mit Jakobs Habseligkeiten fing an zu drücken, obwohl er längst allen unnötigen Ballast an irgend welchen anderen Rastplätzen zurückgelassen hatte. Mit wie viel Wenigem der Mensch doch zufrieden sein kann- und wieder blieb ein Stück zurück bei dem er dachte, dass es unersetzlich sei.
Er warf ihn von seinen Schultern neben den Stamm und lehnte sich mit dem Rücken an die rissige Borcke des alten Recken um zu verschnaufen. Welche Kraft doch noch in ihm steckt und er spürte wie die Kräfte des Baumes in ihn selber floß.
Zufrieden schloss er seine Augen und dachte zurück an das verwunschene Haus mit den über und über wuchernden Glyzinien Strauch. Er dachte an das deftige Essen und vor allem an das weiche Bett und er dachte, wo werde ich heute Nacht meine Ruhe finden und mit Behagen dachte er an den nächtlichen Traum. Und irgendwie packte ihn in diesem Moment die Sehnsucht nach einer menschlichen Beziehung, einem täglichen Dach über dem Kopf. Lebenssicherheit.
Aber diese Gedanken zogen schnell durch sein Denken und wurde so rasch vergessen, wie sie gekommen waren.
Er trennte er sich von der stärkenden Stütze, warf sich den Rucksack über und schritt weiter und weiter in das Land hinein, das es zu erobern galt.
Nach einem strammen Fußmarsch, der dem Wanderer alle Flausen aus dem Kopf trieb, gelangte er auf die Wiese mit den güldenen Sternen, die in geradezu zu einer Mittagsruhe einlud.
Er legte sich mittenhinein in das Blühen, aß etwas vom Sauerampfer um den einsetzenden Hunger zu trösten, riss ein langes Gras aus, welches er sich keck auf ihm kauend in den Mund steckte. Er beobachtete tolpatschige Käfer und Ameisen die unermüdlich alles in ihre Erdhöhlen schleppten, was sie greifen konnten. Bienen und dicke Hummeln summten und brummten und besuchten jede Blüte, die sich gerne für sie öffneten. Sie waren auf einander angewiesen- Honig gegen Fortpflanzung-.
Bei dem Gedanken daran, dass er Jakob, der einzige Faulpelz in der weiten Natur war, ließ ihn selig und traumlos einschlummern.
Es ginge noch weiter aber hier ist erstmal Schluss und wir lassen den Jakob alleine weiter wandern.
Carlos- Oskar