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Ein Eifelmärchen Teil 1

Von Fiddigeigei Freitag 19.07.2019, 10:53

Vorwort:
Wenn man den Eifelsteig von Kornelimünster nach Roetgen angeht, kommt man gezwungenermassen an alten restaurierten Kalköfen vorbei. Diese gibt es aber durch den geologischen Aufbau der Eifel häufig in verschiedenen Gebieten. So ein Brennofen konnte 5-6 m hoch sein und wurde meist aus hartem Felsgestein gemauert in einen Hang eingebaut um ihn von oben bequem mit zerkleinerten Kalksteinen und Feuerholz beschicken zu können. Wie ein Kohlenmeiler brannte er Tag und Nacht unter Aufsicht. Es wurde eine Temperatur von 900° erreicht. Es gibt viele Orte in Deutschland die sogar den Namen Kalkofen tragen.

Die Sage vom Kalkofen

Vor vielen Jahren, als es in der Eifel noch Bären und Wölfe gab, lebte einsam im tiefen Wald ein Kalkmüller mit seiner Frau und einem Gesellen. Er war der einzige in dieser Gegend der einen Kalkofen betrieb und deshalb gelangte er zu großem Reichtum. Viel zu früh verstarb der Müller eines plötzlichen Todes und man munkelte allerlei von Hexenwerk, denn es war bekannt, dass seine Frau schon lange dem jungen Gesellen heimlich schöne Augen machte.
So konnte sie es kaum erwarten bis das Trauerjahr zu Ende war um sich mit diesem zu vermählen.
Der Geselle, der Frieder hiess, saß nun im gemachten Nest und seine Frau die viele Jahre älter war als er und sie verwöhnte ihn von morgens bis abends. Dafür genoß sie die stürmische Liebe und die heissen Umarmungen seiner Jugend.
So lebten sie schon einige Zeit im Rausch zweier Herzen zusammen und turtelten, wenn es die Zeit erlaubte.
Nun übte in der Nähe des Kalkofens ein Köhler sein rusiges Handwerk aus und der Kalkmüller war froh von ihm Holzkohle zu erhalten, die er brauchte um seinen Kalk ordentlich zu brennen.
Der Köhler lebte alleine mit seiner Tochter Melusa. Die Mutter war bei ihrer Geburt gestorben und so wuchs sie mit den Pflanzen und Bäumen des Waldes und den Tieren die dort lebten in völliger Freiheit und Unschuld auf. Mit 16 Jahren war sie eine Schönheit, die sich mit jeder Prinzessin hätte messen können. Die wilden Tiere erlaubten ihr mit den Jungen zu spielen und die hohen Bäume verneigten sich vor der natürlichen Anmut ihrer Erscheinung. Und sah sie in den wildplätschernden Bach der an ihrem Häuschen vorbei floss, so wurde dieser ruhig und sie konnte sich in seinem Wasser wie in einem Spiegel betrachten.
Der Vater wusste wohl um den Zauber seiner Tochter und so vermied er es , dass irgend jemand diesen funkelnden ungeschliffenen Diamante zu sehen bekam. Ging er auf die Märkte seine Kohlen zu verkaufen, so schloss er das Mägdelein in ihr Kämmerchen und verbot ihr das Haus zu verlassen und niemanden zu öffnen.
Nun begab es sich dass der Köhler eine Bestellung Holzkohle zum Kalkofen zu bringen hatte und vergaß Melusa wie sonst gewohnt einzusperren. Sie schlich leise, wie sie es von ihren Freunden den Waldtieren gelernt hatte, ihrem Vater nach. So sah sie zum allerersten Male einen anderen Menschen als ihren Vater. Es war Frieder der junge Kalkmüller.

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