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Ein Clown der sich was traut......

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 29.10.2019, 12:51 – geändert Mittwoch 30.10.2019, 21:18

Ein Clown, der sich was traut…..

Es war Mitte/ende der 80er Jahre. Ich war arbeitslos geworden. Mein Chef war bankrott und ich somit meinen Job los. Es ist mir noch heute ein Rätsel, wie eine Koryphäe von Arzt, einfach bankrott-gehen kann. Er hatte mir monatelang mein Gehalt nicht mehr gezahlt. Immer wieder nur Ausreden und kleine Raten, damit ich nicht ganz verhungerte. Nun hieß es für mich „ÜBERLEBEN“. Wo so schnell eine neue Arbeit finden. Meine Kosten hatte ich wie jeder andere auch jeden Monat pünktlich zu zahlen.

In der Tageszeitung fiel mein Blick auf eine Anzeige, eine sehr bekannte Firma suchte für einen Werbeeinsatz einen Clown. Jemand, der sich als Clown unter die Kunden mischt und dort den Kindern gerade diese Bonbons schmackhaft machen soll.
Ich sollte Lose an die Kinder verteilen, die dann auf einen Gewinn hoffen konnten.
Da ich schon immer davon träumte als Clown in der Manege zu stehen, die Menschen zum Lachen zu bringen, bewarb ich mich um diese Ausschreibung.

Mein Anruf war erfolgreich und somit stand meiner Show als Clown nichts mehr im Wege. Einige Tage später lieferte mir der Postbote ein traumhaftes Clown-Oufit. Übergroße Schuhe, die eine gefühlte Größe 60 hatten. Einen Zylinder, sowie eine riesengroße lange, bunte Hose.
Mein erster Auftrag sollte in einem großen Einkaufszentrum in Gifhorn stattfinden. Früh am Morgen machte ich mich pünktlich auf den Weg. Ich war überrascht, mit welcher Freude man mich dort empfing. Selbst der Geschäftsführer war am Ausflippen. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich machte mich also für meinen Einsatz zurecht und legte zur Freude und Unterhaltung der Kunden los. Es war ein großartiges Gefühl, sich hinter einer Maske verstecken zu können und sich noch einmal so fühlen, als sei man wieder ein Kind.

Am Abend, das Geschäft schloss um 18.30, fühlte ich mich dann doch nicht mehr in der Lage, mich abzuschminken, also entschloss ich mich kurzerhand, mich ganz mutig mit meiner Clown Malerei im Gesicht den Heimweg anzutreten. Ich saß sowieso im Auto, was sollte mir denn schon passieren, bis auf ein paar verständnislose Passanten, war nichts Aufregendes zu erwarten.
Wenn nicht ab und zu einige Autofahrer mich freundlich angelächelt hätten, wäre meine Maskierung von mir schon längst in Vergessenheit geraten.
Ich fuhr mit meinem Auto, im Radio lief meine Lieblingsmusik und ich hatte enorm gute Laune, hin und wieder sang ich dann, wenn auch etwas schräg, einige Titel mit, von denen mir der Text bekannt war. Mir war klar, dass es niemals dazu reichen wird, eine Gesangskarriere zu starten, aber hier im Auto hörte mich ja niemand, und mir machte es Freude. Also konnte sich auch niemand an meinem Gesang stören.
Mein Tag war erfolgreich und alles war gut. Diese gute Laune sollte mir bald vergehen.
Mir kam ein Polizeiauto entgegen. Schlagartig fiel mir ein, dass mein Aussehen diese Beamten mit Sicherheit nachdenklich stimmen wird und sie mich anhalten werden.
Sie fuhren an mir vorbei. Ich atmete tief durch, geschafft! Ein wenig erleichtert und sicherer legte ich meine Fahrt in Richtung Heimat fort. Ich hatte es zum Glück nicht mehr so weit, vielleicht noch 3 Km. Als mein Blick plötzlich in den Rückspiegel fiel, ich musste mehrfach hinsehen, denn ich traute meinen Augen nicht mehr. Direkt hinter mir tauchte die Streife auf, die mir soeben entgegengekommen war. Mich traf der Schlag. Wo kamen die denn plötzlich her? Sie überholten mich, setzten ihren Wagen vor den meinen und zwangen mich somit zum Anhalten.
Ich hatte meine Wohnung fast erreicht, nun mitten in der Stadt, in der sich nicht gerade wenig Menschen aufhielten, stoppten sie mich.
Einer der Beamten stieg aus, der andere blieb im Wagen sitzen. Er kam auf mich zu, ich kurbelte ganz vorsichtig und verschämt mein Fenster herunter. Auszusteigen traute ich mich nicht, geschweige denn hatte ich den Mut, ihn anzusehen.
Ein Grinsen durchzog sein Gesicht, als wir ganz kurz Blickkontakt hatten, er versuchte es zu verkneifen, aber seine Augen funkelten wie ein großes Leuchtfeuer.
Ich bat ihn sofort, mich doch bitte weiter fahren zu lassen. Hier in meiner gewohnten Umgebung, wo mich jeder kennt. Und jetzt nach diesem Stopp, ich wahrscheinlich somit noch einen größeren Bekanntheitsgrad erlangen werde. Von meinem Selbstbewusstsein, welches ich am Tage im Geschäft im Überfluss hatte, war plötzlich nichts mehr zu spüren. Hier abrupt nichts mehr von dem spaßigen, frechen und unterhaltsamen Clown zu erkennen, hier kam nun ein Mädchen zum Vorschein, dass nicht wusste, wie es sich aus dieser Affäre befreien kann.
Es war mir so peinlich. Ich versuchte den Beamten nachsichtig zu stimmen, und erklärte ihm, dass ich durchaus Verständnis für sein Misstrauen habe, weil ich einsehe, dass es ja nicht so ganz üblich sei, dass ein Clown, und dann noch im schönen Wonnemonat Mai mit einem Auto durch die Gegend fährt.
Ich erzählte ihm von meinem Einsatz in diesem Kaufhaus und das ich zu faul war, mich abzuschminken. Dass ich nach diesem langen Arbeitstag einfach nur das Bedürfnis habe, nach Hause zu wollen um mich in meine Badewanne zu legen, damit ich endlich abschalten kann.
Außerdem könne ich ihn beruhigen, ich gestand ihm, dass ich keine Bank mit meiner Maskierung überfallen habe, denn dafür sei ich viel zu feige. Er grinste, bat mich sehr freundlich um meine Papiere. Als diese per Anfrage mit seiner Leitstelle abgeglichen hatte, und man feststellte, dass ich wirklich nur zwei Straßen weiter meinen Wohnsitz habe, bat er mich auszusteigen. Sein dauerhaftes Grinsen war mir nicht entgangen. Wollte er mich ärgern, oder machte ihm dieser wahrscheinlich nicht alltägliche Einsatz besonderen Spaß?
An Peinlichkeit war das nicht mehr zu überbieten. Ich bat ihn, mir das zu ersparen, denn zwischenzeitlich hatte sich eine unübersehbare Menschentraube um mein Auto versammelt.
Mein Angebot, ihm ein paar Bonbons geben zu wollen, lehnte er dankend ab. Aua, Beamtenbestechung kam mir sofort in den Sinn. Riesenschlagzeile in der BILD Zeitung.
„Clown besticht Polizei mit Bonbons und wird verhaftet“.
Er durchsuchte mein Fahrzeug, fand außer Unmengen an Bonbons nichts, wo nach er wohl suchte?
Als er dann zufrieden war, ließ er mich einsteigen, wünschte mir gute Fahrt und überließ mich meinem Schicksal.
Ich atmete tief durch, um mich dann mit einem Schnellstart vom Ort des Geschehens zu entfernen.



Fortsetzung folgt!!!!!!

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