Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

4 5

Ein Clown der sich was traut. FOLGE II.

Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 30.10.2019, 18:59 – geändert Mittwoch 30.10.2019, 21:17

Ein Clown, der sich was traut....


Ein Clown der sich was traut.....
Am darauffolgenden Morgen, ich hatte meinen Schock vom Vortag halbwegs verdaut, flitzte ich noch schnell zum Kiosk, der sich unmittelbar in der Nähe meiner Wohnung befand, um mir eine Tageszeitung zu kaufen.
Während ich wie gewohnt, meine Zeitung bezahlte, fiel mein Blick auf ein Polizeiauto, das dort parkte, um auf etwas zu warten, vielleicht auf bessere Zeiten dachte ich. Im Auto saßen zwei Polizeibeamte, die sich offensichtlich belustigend unterhielten.
Die warten hoffentlich nicht auf mich, schoss es mir in den Kopf, das hatten wir erst gestern, das muss ich nun nicht noch einmal haben. Irgendwie wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, setzte mich in mein Auto, legte den Gang ein, und fuhr los.
Als mein Blick in den Rückspiegel fiel, dachte ich, dass ich jetzt unter Halluzinationen leide. Das Polizeiauto war direkt hinter mir. Sie folgten mir, da war ich mir ganz sicher. Aber warum??? Ich trug weder mein Make up von gestern, dass wollte ich dann vor Ort anlegen, noch war ich nicht so sehenswert, dass man mir folgen musste.
Sie waren mir also schon wieder auf den Fersen. Ein ganzes Stück begleiteten sie mich, dann bogen sie irgendwann ab und ich konnte jetzt ohne meine wilden Verfolger die Fahrt zu meinem neuen Job, der mir sichtlich Spaß bereitete, fortsetzen. Sicherlich wurden sie zwischenzeitlich zu einem wichtigeren Einsatz gerufen, als dass sie mir folgen mussten, kam es mir in den Sinn. Wobei ich mich an den Polizeischutz hätte gewöhnen können.
So etwas bekommt man ja nun auch nicht jeden Tag.
Wochen später, ich war auf dem Weg zu einem anderen Einsatzort, als ich mich auf der Autobahn auf der Überholspur befand, und im Rückspiegel mit einem Wahnsinns-tempo einen Sportwagen heranbrausen sah. Wie gesagt, ich war dabei, eine längere Schlange an Autofahrern zu überholen, die sich offensichtlich heute alle abgesprochen hatten, und den gleichen Weg nahmen.

Als dieser Typ, der es offensichtlich sehr eilig hatte, mich mit ständiger Lichthupe bedrängte. Er fuhr soweit auf, dass ich jeden Augenblick damit rechnen konnte, dass er mich rammt. Ich behielt die Ruhe, dachte mir, der Junge muss eben warten, bis er dran ist, jetzt befinde ich mich im Überholvorgang und da muss er eben warten. So fuhr ich ganz entspannt weiter in meiner Spur, und war darauf bedacht, die Schlange neben mir so schnell wie nur möglich überholen zu können. Als plötzlich zwischen einer Lücke rechts neben mir der Porsche auftaucht. Er sah mich wütend an, drohte mir mit seiner Faust und ehe ich mich versah, riss er das Lenkrad herum, so als wenn er mich jetzt rammen wollte. Ich reagierte cool, denn wenn ich eines gut konnte, dann war es Autofahren. Wobei mir aber in diesem Auenblick mein Herz in die Hose rutschte. So schnell konnte ich gar nicht gucken, denn mein Rammler verließ die Fahrbahn über den Standstreifen, rauschte rechts an allen Autos vorbei und verließ die nächste Abfahrt.
Mit der Autonummer im Kopf, steuerte ich die nächste Polizeidienststelle an und erstattete Anzeige wegen Nötigung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr gegen diesen durchgeknallten Verkehrsteilnehmer.

Wahrscheinlich hatte er sogar noch Alkohol getrunken, oder stand vielleicht sogar unter Drogen. So einen unberechenbaren Typen muss man aus dem Straßenverkehr entfernen. Die Beamtin nahm alles auf und ich konnte meinen Weg zu meinem Arbeitsplatz fortsetzen. Nach einiger Zeit bekam ich eine Vorladung bei der Polizei, ich solle mir Fotos ansehen, ob der Fahrer in der Kartei vorhanden ist. Nach kurzer Zeit entdeckte ich das Gesicht, welches für mich unvergesslich blieb.
Dann geschah nichts mehr. Ich hatte den Fall für mich abgehakt und hoffte, dass dieser Mensch seine saftige Strafe erhalten wird.
Wochen Später, ich stand gerade unter der Dusche, denn ich hatte es mir erlaubt, an meinem freien Tag einmal richtig auszuschlafen.
Als ich an meiner Wohnungstür ein lautes Poltern vernahm. „Komisch“, dachte ich. Ist das meine Nachbarin, die vielleicht meine Hilfe braucht?
Ansonsten muss die alte Dame ja jemand ins Haus gelassen haben. Oder wie sollte sonst jemand an meine Wohnungstür gelangen?
Ich bewohnte eine Wohnung in einem Zweifamilienhaus, in dem unten die alte Dame es sich gemütlich gemacht hatte, und ich bewohnte die obere Etage.
Als das Poltern an der Tür nicht aufhörte, unterbrach ich meinen Duschvorgang, warf ich meinen Bademantel über, um mich zu vergewissern, wer sich da an meiner Tür zu schaffen machte.
Vorsichtig öffnete ich die Tür einen kleinen Spalt. Ich erschrak, vor mir bauten sich zwei Polizeibeamte auf, die offensichtlich Einlass begehrten. Leicht geschockt, von dem Anblick der beiden Uniformierten, ließ ich sie eintreten.
„Guten Tag“ begrüßten sie mich sehr freundlich, aber bestimmt. Sind Sie Frau B.? fragte der Größere von beiden mich.
„Ja“, kam es zaghaft aus meinem Mund, wobei ich einen Schritt nach hinten setzte. Polizei bei mir, das konnte ja kein gutes Enden nehmen.
„Frau B. wir sind hier, weil wir sie abholen sollen“. Sagte wiederum der Große der beiden, und sah mich mit ernsthafter Mine an.
Mir saß der Schreck in den Gliedern, was hatte ich verbrochen, dass man mich nun hier verhaften wollte? Ich war mir gar keiner Schuld bewusst.
Unruhig wechselte mein Blick von einem Beamten auf den anderen. Sie sahen mir wohl meine Verzweiflung an.
Dann ergriff der etwas korpulentere von ihnen das Wort.
„Frau B. sie werden auf dem Landgericht in Hannover erwartet, denn dort ist heute eine Gerichtsverhandlung, zu der sie geladen waren, aber nicht erschienen sind. Der Richter hat somit angeordnet, sie persönlich abzuholen und evtl. zum Gericht zu bringen“.
„IIIIIIIIICCH?“ fragte ich mit langgezogener Stimme.
Ich habe heute einen Termin vor Gericht, das müsste ich aber wissen, denn eine Vorladung, oder Benachrichtigung über einen Termin habe ich nie erhalten.
„Dann haben sie wahrscheinlich die Benachrichtigung des Briefträgers übersehen und irgendwie mit in den Müll geworfen, das kann ja alles passieren“. Denn eine Ladung ist vorschriftsmäßig ergangen.
Eine Verhandlung vor dem Landgericht, ach du meine Güte, was hatte ich mit dem Landgericht zu tun, da musste es sich schon um einen harten Brocken handeln, wenn das Amtsgericht nicht mehr greift.
„OK“, war meine Antwort, nachdem ich meinen ersten Schock verdaut hatte, dann mache ich mich fertig und fahre umgehend nach Hannover zu LG“.
„Nein, nein, so einfach ist das nicht, wir haben Anweisung sie jetzt mitzunehmen“.
„Mist“, sagte ich. „Sie wollen mich ernsthaft wie einen Verbrecher in der grünen Minna mitnehmen, bin ich jetzt etwa verhaftet?“
„So können sie das sehen“, war ihre Antwort.
„Ok, ok , fiel ich ihnen ins Wort, aber ich darf mir doch schnell wenigstens etwas anderes anziehen, mich im Bademantel abzuführen, das wäre ja eine richtige Gaudi, und bestimmt mache ich nicht so eine gute Figur damit“.
„Ja, aber beeilen sie sich, der Richter wartet“.
Schnell zog ich mir meine Sachen an, wuselte noch einmal durch meine klatschnassen Haare und begab mich ungeschminkt - das war für mich das Schlimmste an der ganzen Sache, in die Hände der beiden Beamten.
Unten angekommen, lachte mich schon die grüne Minna an. Ich blickte mich zaghaft um, denn es musste nicht unbedingt sein, dass mich jemand in dieses Auto einsteigen sieht. Ich denke ich hatte Glück, und konnte unerkannt entkommen.
Also versuchte ich mich in dem Auto unsichtbar zu machen, in dem ich mich so weit wie möglich noch kleiner machte, als ich ohnehin schon war, denn wenn mich doch jemand sehen sollte, könnte das alles sehr peinlich für mich werden. Erst einmal wird man von den Menschen in eine Schublade gesteckt, egal, sie feilen sich ihre Geschichte davon, wie sie sie haben wollen. Denn die Wahrheit wollen sie gar nicht wissen. Die Hauptsache ist doch, sie haben ein Gesprächsthema über andere, um somit von ihren eigenen Schandtaten abzulenken.
Am Polizeirevier angekommen, verließen die Beamten das Fahrzeug. Ich versuchte mit einem Griff meine Hintertür zu öffnen, sie aber blieb geschlossen. Nach mehrmaligen Versuchen gab ich auf. Die beiden standen da und grinsten spitzbübisch vor sich hin.
„Ich komme hier nicht raus“,
richtete ich meine verzweifelten Worte an die beiden, die meine Situation wohl sehr belustigend empfanden.
„Sehen sie, so einfach ist es nicht, hier kommt niemand wieder raus, wenn wir es nicht wollen. Sie befinden sich in unserer Hand“.
„Jetzt machen sie schon auf,“
fuhr ich ein wenig beleidigt die beiden an.
„Ich denke der Richter wartet“.
Und „Aladin“ öffnete meine Tür, so dass ich diesem Gefährt endlich entkommen konnte. So ist es, wenn man mit einem Streifenwagen reist und nicht auf einem fliegenden Teppich.
Gemeinsam betraten wir das Revier.
Drinnen wurde ich schon ungeduldig erwartet. Ein Beamter telefonierte gerade, sah mich freundlich an, wobei er sagte:
„Sie kommt gerade rein, ja, ok, ich gebe sie ihnen“. Ich ging davon aus, dass er mit dem Richter sprach, nahm den Hörer an und stellte mich kurz namentlich vor.
Auf der anderen Seite hörte ich in sagen:“ Frau B. sie haben heute einen Termin am Landgericht, sind aber nicht erschienen, da es ganz wichtig ist, sie anzuhören, frage ich sie, können sie es einrichten in ca. einer Stunde hier zu sein?“
„Entschuldigen Sie Herr K. aber mir ist davon nichts bekannt, ich habe nie eine Vorladung bekommen, denn dann hätten wir dieses ganze Theater nicht gehabt. Es tut mir sehr leid“.
„Ja, ist schon gut, kann ja mal passieren, können sie es schaffen in einer Stunde hier zu sein“.
„Es geht um ihre Anzeige gegen den Verkehrsraudi, wir brauchen sie ganz wichtig“.
Mir fiel ein großer Brocken von der Brust. Der Richter hörte sich sehr freundlich und verständnisvoll an. Vielleicht konnte ich den Tag so noch retten.
„OK“, sagte ich. Ich verspreche ihnen pünktlich da zu sein. Aber ich bitte sie, den Herren hier die Anweisung zu geben, dass sie mich laufen lassen. Denn wie ich das einschätze, wollen sie mich hierbehalten.“
„Ja, das mache ich“, waren seine Worte. „Geben sie mir bitte noch einmal einen der Beamten.
Nichts tat ich lieber als das, ich wollte nur noch weg aus dieser für mich peinlichen Lage.
Der Beamte nahm sich die Worte des Richters zu Herzen und meinte, ich könne nun gehen.
„Wie, was, ich kann gehen??? Nix da. Ich komme hier direkt unter der Dusche bei ihnen vorbei, meine Haare sind noch immer nass, ich bin ungeschminkt, so gehe ich niemals vor die Tür. Wissen sie eigentlich was sie mir antun?“ Außerdem wartet der Richter auf mich.
Er musste laut lachen, veranlasste aber dann seine Kollegen, mich umgehend nach Hause zu fahren.

Wahrscheinlich hatte ich mich schon an die grüne Minna gewöhnt, es war mir gar nicht mehr peinlich, also stieg ich ein, damit man mich wohl behalten wieder zu Hause abliefern konnte.
Während der Fahrt, drehte der Beifahrer seinen Kopf zu mir nach hinten. Lächelte mich an, wobei er neugierig fragte:
„Sagen sie mal, kann es sein, dass mit ihrem Auto immer ein Clown durch die Gegend fährt?“
„Ohhhhh nein , nicht schon wieder“, dachte ich. Jetzt geht das wieder los.
„Ja“, war meine knappe Antwort. „Der Clown bin ich!“. Und erzählte von meinem Werbeeinsatz in einigen Kaufhäusern.
„Jetzt wird mir einiges klar, deshalb stand jeden Morgen ein Polizeiauto vor meinem Haus!“
„Ganz genau“, war seine Antwort. Es hat sich in der letzten Zeit herumgesprochen, dass mit dem Auto immer so ein wunderschöner Clown herumfährt. Und wir alle wollten uns das nicht entgehen lassen und stellten uns abwechselnd vor ihr Haus“.
„Na großartig“, konterte ich. „Da habe ich ja einen richtigen kleinen Fanclub der grünen Mäuse“.

Irgendwie war ich ein wenig stolz auf seine Aussage. Am Ziel angekommen, bedankte ich mich für die kleine Reise, die ich mit gemischten Gefühlen begann, stieg aus, um so schnell wie möglich meine Reise zum Gericht anzutreten.
Dort angekommen ging alles sehr schnell, der Richter glaubte meiner Aussage, auch weil ich sehr glaubwürdig und frei, ohne Unterbrechungen, den Vorfall schilderte.
Es war alles so eindeutig, dass der Staranwalt, den der Angeklagte hatte, es nicht mehr für nötig hielt, mir auch nur eine Frage zu stellen. Welche Strafe diesem „Raudi“ drohte, habe ich nie erfahren. Nach meiner Anhörung verließ ich sehr erleichtert den Gerichtssaal, denn ich musste den Tag, der so stressig begonnen hatte, erst einmal auf mich wirken lassen.

© Veronika Eger

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Ein Clown der sich was traut. FOLGE II.