Ehealltag.... ein schöner Traum
Von
optik
Mittwoch 22.02.2023, 10:01
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Als Klärchen erwachte schien ihr die Sonne schon in ins Gesicht. Sie blinzelte ein wenig um die Augen zu öffnen und drückte den Knopf des Radios an ihrem Kopfende. Leise hörte sie noch Udo Jürgens singen „ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii….“. Doch bis zum Beginn der Nachrichten war sie schon wieder eingeduselt.
Nebenan in der zweiten Betthälfte räusperte sich Karl. Guten Morgen, kam es mehr brummig als freudig herüber. Klärchen reagierte kaum hörbar. Es blieb eine müd-schläfrige Ruhe. Nach mehreren im Unterbewusstsein aufgenommenen Schlagertiteln, die mit ihrem rhythmischen Schwung die erschlafften Körper zum streckenden Dehnen hätten ermuntern können, schlugen beide unvermittelt die Augen auf.
Nun war ein deutlich frischeres Guten Morgen zu vernehmen. „Guten Morgen Karl, hast du gut geschlafen“, säuselte Klärchen und ohne auf eine Reaktion zu warten, „ich stehe auf und decke den Tisch“. Sie entschwand in die Küche. Erst als der Kaffeeduft durch die Zimmer zog erschien auch Karl und nahm am Frühstückstisch Platz.
Er wirkte nachdenklich unausgeschlafen und brummelte „ich hab die ganze Nacht gerechnet, gedacht …. Ich bin total fertig“. „Ei wie ist das, ließ Klärchen vernehmen, „du hast doch geschnarcht“.
Und dann begann er zu erzählen. „Ich habe 16 Millionen gewonnen und hab mir die ganze Nacht den Kopf zerbrochen, wie ich sie am besten verteile. Unsere drei Jungs bekommen jeder jeweils eine Million, dann hab ich je 500.000 für unsere Geschwister einkalkuliert. Jedes Enkelkind kriegt ein neues Auto und noch 100.000 dazu und bei den Bekannten bin ich mir nicht sicher“, atmete er schwer, „doch bei all meinem Rechnen hin und her kam ich zu keinem klaren Resultat“.
„Aber“, antwortete Klärchen, „wir spielen doch gar kein Lotto! Du hättest dich doch nicht damit beschäftigen brauchen“, ...und nach einer Pause: „Außerdem warum willst du das Geld verschenken? Da gäbe es doch andere Wege“.
„Ach ja, du und deine Knickrigkeit. Und bloß niemand etwas davon sagen! Immer alles schön geheimnisvoll“, knurrte Karl sofort los. „Womöglich noch alles auf die hohe Kante packen und dem Fiskus einen Teil in den Rachen werfen. Kommt gar nicht in Frage. Lieber verschenke ich alles“!
„Ich würde es erst einmal liegen lassen und in Ruhe überlegen, wie man es am Sinnvollsten unterbringen und arbeiten lassen kann. Denk doch bloß mal an den Haufen Zinsen, davon könnten wir beide gut leben und auch unseren Kindern immer noch etwas abgeben“, beschwichtigte Klärchen.
„Du und deine Ratschläge. Gönn doch den Kindern die Freude mal richtig nach ihren Wünschen leben zu können. Ist doch egal wenn sie das Geld auf den Kopf hauen, Hauptsache sie konnten es einmal richtig erleben. Einmal ohne Sorgen leben…du und deine verflixten sparsamen Gedanken“. Karl reagierte arg verärgert.
„So ein Quatsch! Natürlich gönn ich es den Kindern. Aber sinnlos ausgeben wäre doch eine Schande. Außerdem verdirbt Geld den Charakter. Womöglich bringt sie so ein Batzen noch auf die schiefe Bahn. So einfach -mir nichts, -dir nichts würde ich ihnen nicht so einen Haufen Geld geben“, warnte Klärchen nachdenklich, außerdem: „Mit so einer Summe könnte man eine Stiftung oder einen Fond gründen, aus dessen Erlös alle unser Nachkommen noch etwas haben“.
„Das ist ja mal wieder typisch für dich. Immer alles zigmal absichern, bloß nichts ausgeben, immer sparen! Wozu! Wenn ich alles verteilt habe bleibt ja immer noch ein Haufen übrig. Was machen wir damit? Ich kann den Kindern gleich zwei Millionen geben, dann reicht es immer noch“, protestierte Karl empört. „Ein Haus im Norden, ein Haus in den Bergen, jedes Jahr eine Weltreise, ein schnuckliges neues Wohnmobil, mehr brauchen wir doch nicht mehr“.
„Na, du bist ja lustig. Wenn wir unterwegs sind, dann jammerst du schon nach acht Tagen rum: Ich will nach Hause, ich will in meinem Bett schlafen. Was sollen wir beide auf einer Weltreise. Was wollen wir mit zwei Häusern, wir haben mit einem schon unsere Mühe hier. Und du liebe Güte, wir hätten doch nur noch Stress. Denk mal an die Bittsteller die uns dann belagern. Und wie viele Gauner gibt es. Wir wären unseres Lebens nicht mehr sicher“.
Klärchen rührte in der Tasse und sah zu Karl. „Bei all unseren Geldgeschäften ist der Kaffee kalt geworden. Lass uns mal ganz schnell den Gewinn vergessen und lieber alles nehmen, wie es ist, wir leben so ruhiger“.
„Ach ja“, seufzte Karl, „hast ja recht. Es war eben nur ein schöner Traum“.