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Drehbuch: Eine Note findet ihr Glück (2)

Von tastifix Montag 16.12.2019, 09:31

7. Szene
Das ´E` wandert weiter. Plötzlich spricht es eine feine Stimme an. Das ´E` findet zuerst vor Überraschung keine Worte. Eine andere Note steht neben ihr.
„War das langweilig so allein! Schön, dass ich dich treffe!“
Überlegt kurz:
"Sag einmal, ist dir denn nicht klar, wie gefährlich es für uns Noten ist, ohne unser Notenblatt unterwegs zu sein? Es ist deine erste Reise, stimmts?“
´E` fragt nach:
„Ja! Wie kommst denn du hierher? Wieso stehst du denn nicht zuhause auf deinem Notenblatt?“
Die andere Note (mit trauriger Stimme):
„Tja, mich hat mein Komponist aus meinem Blatt herausgerissen. Dem passte ich für seine Melodie nicht mehr! Ach übrigens, ich heiße ´A`.
Die Note:
„Ich bin ´E`! Ist dir eigentlich auch dein Schutzengel erschienen? Meiner hat mich besucht und mir erlaubt, diese Nacht herumzureisen und nach einer Melodie für meinen Komponisten und so auch für mich zu suchen.“
A:
„Ist ja irre! Zu mir ist mein Engel Ambrosius gekommen, um mir zu helfen. Damit ich nicht für den Rest meines Lebens allein bleiben muss.“
E:
„Lass uns zusammen weiterziehen. Dann sind wir beide nicht allein und können aufeinander aufpassen, einverstanden?“

8. Szene
Sie rollen in eine Diskothek. Sehen das verrückte Benehmen der Leute, sind entsetzt.
E:
„Die sind doch hinterher reif fürs Krankenhaus oder die Irrenanstalt! Ist ja schrecklich!“
A lacht:
„Sollen wir nicht auch mal ...?“
E:
„Damit ich mir bei diesen Verrenkungen womöglich den Hals breche? Wahrscheinlich haben die in ihren Krankenhäusern keine Ahnung davon, wie man gebrochene Notenhälse verarztet? Garantiert gipsen sie mir den dann noch falsch herum ein und ich muss meine Karriere endgültig vergessen!“
Fünf Minuten später fliehen sie vor dem Lärm nach draußen.

9. Szene
Betreten auf der anderen Straßenseite ein Musikgeschäft. Im vorderen Raum viele Instrumente, im hinteren Raum Klaviere und ein Flügel. Überall längs der Wände Regale mit Notenheften. Sie rollen eines von denen hinauf. Sprechen eine Klassiknote in einem der Hefte an:
„Wir sind schon soo lange unterwegs. Unseren Künstlern ist nichts eingefallen, was für uns passend gewesen wäre. Jetzt sind wir auf der Suche nach einer verträumten Melodie. Damit ihnen endlich die richtigen Ideen kommen. Weißt du vielleicht Rat?“
Klassiknote:
„Nur drei Nebenstraßen weiter gibt es ein romantisches Tanzcafe. Die Musik dort ist wahrscheinlich genau die, die ihr sucht.“
Noten:
„Vielen, vielen Dank auch. Alles Gute für euch!“

10. Szene
Noten überqueren die Königsallee, E biegt in die genannte Seitenstraße vor Aufregung viel zu schnell ein.
A:
„Bist du wahnsinnig geworden? Bei dem Tempo saust du gleich gegen den nächsten Baum!“
E bremst ab. Kratzt dazu mit der Halsspitze über das Pflaster. Beschwingte Musik ist zu vernehmen. Die Noten rollen ins Lokal. Es hält sie nichts mehr zurück und sie tanzen.
E:
„Dieser Tanz dürfte nie zu Ende gehen. Ach, ist das schön! Ja, so eine Musik müsste Herr Sänger komponieren. Das wäre wunderbar!“
Sie bittett ein zweites Mal Engel Fidelius um Hilfe. In einem himmlischen Licht erscheint er vor dem Tanzlokal.
„Gerne helfe ich Dir, denn du bist eine besonders liebe Note. Du denkst nicht nur an dein eigenes Glück, sondern willst auch deinem Künstler Deine Dankbarkeit dafür beweisen, dass er dich geschaffen hat. Deshalb habe ich eine Belohnung für dich: Ihr werdet für immer in der selben Melodie stehen. Morgen wird Herr Sänger eine wunderschöne Weise komponieren. Sie wird ihm und euch zu Ruhm und Ehre gereichen!“
Fidelius verschwindet. Das himmlische Licht erlischt.

11. Szene
Für wenige Sekunden Stille.
E:
„Juchuuh! Wir dürfen zusammen bleiben!“
Eine sanfte Musik erklingt. Noten beginnen zu schweben.
„Bei solchen Klängen kann uns doch Schlechtes widerfahren?!“
Versuchen sich gegenseitig zu beruhigen, während sie höher steigen und wie Flugzeuge am Himmel dahin sausen. Bald sind sie nur noch von Sternen umgeben.
„Gibts wirklich nur auf unserer kleinen Erde Leben? Nirgendwo anders im All? Was wird uns wohl jetzt noch begegnen?“
E schaut umher:
„Die Sterne sind tausendmal schöner als all die Diamanten in den Geschäften auf der Königsallee!“

12. Szene
Noten auf dem Heimflug, tauchen wieder in die Wolkendecke ein, frieren erbärmlich.
E:
„Warum dürfen wir nicht für immer dort oben bei den Sternen bleiben?“
„Hast du denn vergessen, weshalb wir diese Reise unternommen haben ...?“
E:
„Nein, stimmt. Und wenn ich daran denke, was uns an Schönem erwartet, wird es mir gleich wieder wunderbar warm!“
Sie landen, rollen durchs Haus zurück in Herrn Sängers Wohnung, stellen sich auf E`s Notenlinie. Stehen dort dann wieder regungslos wie jede aandere Note.

13. Szene
Es wird Tag. Der Musiker erwacht.
„Eigenartig, dass ich heute so fröhlich bin. Denn mir ist doch immer noch nichts eingefallen.“
Setzt sich an den Schreibtisch:
„Hääh? Ich hab gestern nur eine Note gezeichnet. Wo kommt denn diese zweite her??“
Verschwindet wieder im Badezimmer, fährt sich mit einem kalten Waschlappen durchs Gesicht. Kehrt an den Schreibtisch zurück.
„Die ist ja immer noch da! Das gibt`s doch nicht!"
Murmelt:
„Ob im Himmel jemand Mitleid mit mir hat? Ist ja bald Weihnachten ... Hm, anders kann ich mir dies wirklich nicht erklären?!“
Er baut das „A“ und das „E“ in eine neue Komposition ein. Schreibt viele Noten auf das Notenblatt. Als er fertig ist, spielt er die Melodie auf seiner Geige.

14. Szene
Herr Sänger spielt seinem Freund die neue Melodie vor. Der ist begeistert:
„Das hört sich toll an. Die solltest du in der Oper vorspielen!"
Der Freund kennt deren Direktor und auf seine Empfehlung hin wird
Herr Sänger zum Vorspiel eingeladen. Direktor:
„Wären Sie bereit, ihre Komposition anlässlich eines Galaabends dem Publikum vorzustellen?“
Herr Sänger:
„Es wird mir eine große Ehre sein!“

16. Szene
Am nächsten Samstag. Herr Sänger steht hinter dem Vorhang, zieht ihn etwas zur Seite, sieht aufs Publikum. Haus ist ausverkauft. Er murmelt aufgeregt:
„Vor so vielen Leuten soll ich spielen??"
Ansage folgt:
„Jetzt hören Sie die neueste Komposition eines unserer Nachwuchskünstler."
Herr Sänger tritt auf, fängt an zu spielen, wirkt entrückt. Nach dem Vorspiel Beifall. Wird gefeiert. Ihm stehen Tränen in den Augen, schaut aufs Notenblatt:
„Zwinkern mir meine Noten etwa wirklich zu?"
Er zwinkert zurück.
E flüstert A zu:
"Schade. Jetzt sollten uns all die eingebildeten Klassiknoten sehen. Deren Köpfe verlören vor Neid garantiert ihre Farbe!“
A ergänzt:
„Nun hätten wir Grund dazu, die wie Luft zu behandeln. Denn wir haben nicht nur die weite Welt da draußen, sondern sogar dieses bekannte Theater erobert!“
Noten strahlenden Musiker an und genießen den tosenden Beifall, bestimmt nicht zum letzten Male in ihrem sicherlich noch sehr langen Dasein.

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