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Drehbuch: Eine Note findet ihr Glück (1)

Von tastifix 15.12.2019, 12:08 – geändert Montag 16.12.2019, 09:37

1. Szene
Ein von Feldern umgebendes Städtchen auf dem Lande, schmale Spazierwege entlang der Äcker und vereinzelt stehende Bäume. Kirche, zumeist alte Häuser, verwinkelte Gassen mit verspielt gestylten Laternen. Vorweihnachtszeit, alles ist vom Schnee verhüllt. Über den Straßen hängen Sterne und Engelsfiguren aus bunten Birnen. Kerzenschmuck in den Fenstern. Spaziergänger wandert durch die Straßen. Er schaut zum Fenster einer Dachwohnung hoch.

2. Szene
Die Wohnung: Winzige Vordiele, rechterhand das Schlafzimmer, von dort aus ins Bad. Linkerhand durch die Diele in die Küche. Geradeaus von der Diele ins Wohnzimmer. Einrichtung: Sitzgarnitur, entlang der Wände Bücherregale und gegenüber ein Sideboard. Vor dem Fenster ein Schreibtisch. Auf ihm brennt eine Kerze. Herr Sänger, Musiker und Komponist, sitzt am Schreibtisch. Vor ihm ein leeres Notenblatt. Daneben ein Stapel Notenhefte und Musikliteratur. Er seufzt. Malt eine Note aufs Blatt: Es ist ein E.
„Mensch, bin ich unzufrieden. Vielleicht klappts morgen besser.“
Verschwindet ins Bett. Wirft sich im Traum unruhig hin und her. Murmelt vor sich hin.

3. Szene
Die kleine Note „E“:
„Wenn ich dem doch zu seiner romantischen Komposition verhelfen könnte. Dann hätte ich gleichzeitig auch die passende Melodie für mich. Doch bin ja hier an mein Notenblatt gefesselt.“
Betet. In hellem Licht erscheint ihr ihr Schutzengel Fidelius. Das „E“ erschrickt sich:
„Bitte, nicht schimpfen. Ich hab bestimmt nichts angestellt.“
Fidelius (sehr liebevoll):
„Keine Angst. Ich bin gekommen, um dir zu helfen. Dein Wunsch soll in Erfüllung gehen. Für die heutige Nacht wirst du frei sein. Du darfst durch die Welt reisen und dich auf die Suche nach einer passenden Melodie machen. Aber vergiss nicht: Nur diese einzige Nacht!“
Fidelius verschwindet. Es wird wieder dunkel in der Dachstube.
´E`:
„Wie soll das denn gehen? Wie soll ich denn von meinem Blatt runter kommen?“
Zittert am ganzen Körper. Dreht den Kopf und biegt den Hals, wird immer beweglicher, hopst vom Blatt. Benutzt ihren Kopf als Rad, rollt an der Schreibtischkante herunter bis zum Boden, dann am Teppichrand bis zur Zimmer-, dann weiter bis zur Wohnungstür. Draußen rutscht sie das Treppengeländer runter:
„Juhuu, ich bin frei!“
Bis ins Erdgeschoss und aus dem Haus hinaus. Verhält dort kurz. Bestaunt alles. Wird mutiger, rollt schneller weiter. Springt den Bordstein rauf und runter. Kein Verkehr. Note zuckelt durch die Straßen.

4. Szene
Sie verlässt ihre Heimatstadt.
„Meine Güte, was mir als Blattnote alles entgangen ist. Wie schön ist die Welt!“
Bestaunt den Schnee. Singt:
„Schneeflöckchen, Weißröckchen ...“
Am Horizont eine große Stadt. Kirchturm, ein Häusermeer.

5. Szene
Note nähert sich der Stadt. Wasserrauschen.
„Nanu, das Geräusch kenne ich vom Wasserhahn zuhause! Der war aber nicht so laut. Mal gucken, woher das kommt.“
Späht suchend umher, folgt dem Wasserrauschen, sieht einen breiten Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt.
„Wie heißt der wohl??“
Entdeckt ein Schild:
„Rhein!“
Ein zweites Schild:
„Düsseldorf. Hier wohnen bestimmt viele Leute, die Musik mögen!“
Altstadt von Düsseldorf. Menschengewimmel, Straßengeräusche, aus dem Hintergrund unterschiedlichste Musikklänge.
„Ist das toll! Düsseldorf soll ja auch Theater und sogar eine Oper haben. Das hat der Bekannte von Herrn Sänger gesagt. Dort gehe ich hin. Dort werden alle Arten von Musik gespielt. Da ist bestimmt auch das Richtige für mich dabei!“
Vor der Oper: Menschenansammlung. Programmankündigung im Schaukasten:
„Wagner“.
„Brr, nein, danke! Ich möchte eine romantische, leichtfüßige Musik.“

6.Szene
Wandert weiter durch die Straßen, beachtet die Verkehrsregeln nicht. Rollt mit dem Kopf zu weit auf die Fahrbahn. Ein Wagen weicht aus, rammt dabei ein auf der Gegenseite parkendes Fahrzeug. Der Fahrer steigt aus, lehnt sich an sein ebenfalls beschädigtes Auto. Guckt beim Anblick der Note fassungslos, wischt sich mit der Hand über die Augen:
„Ich muss nen Schock haben. Andere sehen Sterne oder auch weiße Mäuse und ich seh tatsächlich Noten. Vielleicht sollte ich dringend einen Arzt aufsuchen!“
Er faucht:
„Verflixt, kannst du denn nicht Acht geben, hast du keine Augen im Kopf? Unerhört, so etwas!“
´E`(eingeschüchtert):
„Entschuldigung! Darf ich Ihnen zum Trost etwas vor tönen?"
„Bei dir piept es wohl! Deinetwegen komm ich jetzt viel zu spät zur Vernissage. Ausgerechnet heute musst du mir über den Weg laufen, wo ich so einen wichtigen Termin habe!!“
Ohne darauf etwas zu erwidern, sucht die Note schleunigst das Weite ...

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