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Die Wende

Von tastifix Montag 27.05.2024, 06:05 – geändert Montag 27.05.2024, 06:14

Die14-jährige Martina wird seit frühester Kindheit von der herrschsüchtigen Mutter drangsaliert. Freunde und Bekannte der Familie aber kennen jene nur als eine elegante intelligente Frau, die, wenn sie will, sehr charmant auftritt. Was hinter dieser Fassade daheim vorgeht, ahnt niemand.

Martina lebt wie eine Marionette, hilflos ausgeliefert der Willkür der Mutter, deren heftigen Stimmungsschwankungen.
Solange sie die Rolle des angepassten Mädchens aus gutem Hause spielt, wird sie geliebt und verwöhnt. Versucht sie sich aufzulehnen, was sie nur sehr selten wagt, schlägt ihr Hass entgegen. Demütigungen, körperliche Züchtigung und seelische Quälerei wechseln sich ab. Privatsphäre kennt das Mädchen nicht. Völlig eingeschüchtert zeigt sie aus Furcht vor Bestrafung selbst Freundinnen nicht, wie es in ihr wühlt. Würde die Mutter es erfahren, dann …

Jene agiert immer gemeiner. Greift sich gar Martinas Tagebuch, liest daraus vor, zwingt ihre Tochter zuzuhören und verspottet sie. Martina schweigt, steht dort wie gelähmt und blickt sie nur fassungslos an. Es droht sie fertigzumachen. Alles hat sie dem Büchlein offenbart, dem einzigen Vertrauten, den sie noch hat. Denn der Vater schreitet gegen das Verhalten seiner Frau nicht ein, sondern richtet sich in allem nach deren Anweisungen.

´Weshalb nur behandelt sie mich wie ein Nichts, eigentlich unwürdig, zu existieren?`
Jeden Tag bekommt sie es zu hören:
„Mir ginge es besser, Du lebtest gar nicht!“
Doch während Martina noch grübelt, scheut die Mutter nicht davor zurück, jenes geheimstes Gedankengut ihrer Tochter zu zerreißen. Martina fühlt sich wie tot.
„Jetzt ist es so, als ob ich nicht mehr wäre!“
Die Repressalien tun ihre Wirkung. Abends im Bett, denkt sie:
„Weshalb lebe ich eigentlich? Bitte entschuldigt, dass ich überhaupt da!“
Sie weint Nächte durch, immer in der Angst, diese Gefühlsaufwallungen könnten bemerkt werden. Aber da ist der Glaube an Gott. Wieder und wieder fragt sie:
„Warum ich? Was habe ich denn verbrochen?“
Hilflose Fragen ohne Antworten. Doch, sie gestellt zu haben, erleichtert kurz ihr Herz.
Jahrelang verkriecht sich Martina, wird menschenscheu. Nach außen hin lässt sie nichts durchblicken, Sie wirkt fröhlich. Fröhlichkeit als Schutzmaske. Keiner erkennt, wie sehr sie leidet.

Das Verhalten der Mutter wird immer krasser. Martina hat über alles,Auskunft zu geben, darf nichts für sich behalten. Mit 16 Jahren besucht sie die Tanzschule. es zählt eben zum guten Stil. Total verschüchtert rechnet sie damit, Außenseiterin zu bleiben. Noch immer sieht sie sich selber als ein Nichts an. Doch es soll die Wende ihres Lebens werden. Die Rettung aus der seelischen Not wartet schon. Kaum wagt sie es, diese darob aufkommende Freude auszukosten:
„Es gilt mir, niemandem sonst!“
Es ist nicht, dass sie als besonders gute Tänzerin gilt und ihr die Ausbildung zur Turniertänzerin vorgeschlagen wird. Klar imponiert ihr, eine solche Beachtung zu finden. Doch die Säulen für zunehmendes Selbstbewusstsein errichtet Anderes.
Sie wird von den attraktivsten Jungen umschwärmt. Sie suchen ihre Gesellschaft und führen ernsthafte Gespräche mit ihr. Martina braucht Zeit. Es scheint ihr so unwirklich, dass dies alles ihr geschieht, dem in seinen Komplexen gefangenen Mädchen. Ganz allmählich jedoch lockern sich die inneren Fesseln. Es bringt viele Tränen der Erleichterung, jedoch genauso die ständig intensivere Erkenntnis, was ihr von der Mutter zugefügt worden ist. Alles in Lügen gekleidet, um sie klein zu halten, ihr Selbstbewusstsein zu zerstören.

Ständig froher genießt Martina nun die Verehrung, schüttelt mehr und mehr das jahrelange Leid ab und geht endlich frei lachend durchs Leben. Ja, sie verinnerlicht, dass nichts von dem zutrifft, was ihre Mutter in ihre Kinderseele eingeimpft hat. Endlich gesteht sie sich zu, dass Andere sie achten und mögen.
´Ich bin kein Nichts! Ich bin Wer!`
Wieder folgen durchweinte Nächte. Aber nun sind es Freudentränen, die sämtliche Qualen hinweg schwemmen. Froh genießt sie jenes Glücksgefühl. Niemand wird sie mehr fertigmachen..

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