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Die versteckte Welt (8)

Von tastifix Samstag 09.11.2019, 14:21

Nach dem Dinner geleitete Emir ihn zum Thron der Königin.
„Mutter, dieser Mensch möchte dazu beitragen, dass ...“
Erfreut lächelnd, fiel ihm diese ins Wort:
„In seinem Herzen lese ich, dass noch eine wichtige Frage offen ist. Nur Mut, ich will dir antworten!“, wandte sie sich Gunnar zu.
Erst redete dieser noch etwas stockend:
„Königin, ihr wart erzürnt und habt uns mit Unglück gestraft, weil wir nur an den eigenen Vorteil gedacht und darüber die Bedürfnisse eures Volkes missachtet haben. Ich habe lange gegrübelt und nach einer Lösung gesucht ... “
„Ich bin sehr froh, dass jemand aus eurer Welt Einsicht zeigt. Wir Elfen vermeiden nämlich Streitereien, es sei denn, dass es um die Grundrechte eines jeden Lebewesens geht. Zu diesen Rechten zählt auch das Recht auf Heimat. - Aber, noch hast du deine Frage ja nicht gestellt?“
Gunnar wählte jedes seiner Worte mit Bedacht, denn er wollte sie keinesfalls verärgern.
„Bitte, könntet Ihr mir erklären, wieso Ihr in unserer, für euch fremden Welt Ansprüche erhebt?“

Schweigend schaute die Königin ihm einen Moment lang ruhig in die Augen. Dann erwiderte sie:
„In Eurem Leben erfahrt ihr viel Schönes, aber auch viel Schweres. Oft spiegeln Träume Zufriedenheit, Freude und Glücksempfinden wieder. Genauso haben sie die Kraft, in niederdrückenden Tagen Tränen zu trocknen. Ohne Träume würde die menschliche Seele erkranken und verkümmern."
Sie hielt kurz inne und fuhr dann fort:
„In Euren Träumen begegnen auch wir Euch. Der Gedanke an uns entrückt Euch den Problemen und tröstet Euch. So sorgen wir für Euer inneres Wohlbefinden. Darum sind auch wir Teil Eurer Welt und haben dort gleichfalls Heimatrecht.“
Noch während sie redete, wurde ihre Stimme leiser und leiser. Die Gestalten der Königin und die der zauberhaften Elfenkinder verblassten mehr und mehr und waren bald ganz verschwunden. Keine Gebieterin der Träume, kein Elfenvolk und auch kein Märchenschloss waren mehr zugegen.

Wie verloren verharrte Gunnar. Noch war seine Seele gebannt im Zauberreich. Aber dann hob er den Blick, schaute um sich und fand in die Wirklichkeit zurück. Er sah sich selber vor dem Stein, neben sich die beiden Arbeiter, die ihn verunsichert anschauten. Ihnen brannte eine Frage auf der Zunge, doch wagten sie es nicht, ihren Chef in dessen Gedanken zu stören.

Gunnar jedoch wusste, dass er nicht nur geträumt hatte. Ihm war etwas Wunderbares geschenkt worden. Ein Blick in die eigene Seele hatte ihm die einzig richtige Lösung ihres Problems nahe gebracht. Entschlossen schaute er seine Männer an:
„Der Stein bleibt dort liegen! Wir verlegen die Straße!!"

Und die Menschen und die Elfen lebten weiterhin in Frieden miteinander.

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