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Die versteckte Welt (5)

Von tastifix Mittwoch 06.11.2019, 12:09

„Wurzel … !!“
Piri stupste das kleine Wesen sanft an. Wurzel klopfte mit einem seiner Arme kräftig gegen das Tor. Es öffnete sich. Gunnar traute den Augen nicht. All die ihm bekannten wundervollen Elfenwelt-Träume zogen nochmals blitzschnell an ihm vorüber. Angeblich waren Menschen freundlichen Märchenwesen begegnet und durch Bilderbuchlandschaften voller atemberaubender Farben spaziert. Doch dies war noch tausendmal prachtvoller. Er schaute in einen mindestens vier Meter hohen Felsensaal. Das Gewölbe war reich mit Gemälden verziert, auf denen Wälder und Meere im glühenden Morgen- oder auch Abendrot badeten. Gunnars bewundernder Blick wanderte zur höchsten Stelle der Decke. Durch eine riesige Glaskuppel tauchte das Tageslicht den Saal in angenehme Helligkeit.
´Wir müssen direkt unter dem Felsplateau sein!`

An den Längsseiten des Saales reihten sich großzügige Sitznischen aneinander. Sofas mit golden verschnörkelten Lehnen und purpurroten Polstern luden zum Ausruhen ein. Vor ihnen standen niedrige Tische, geschmückt mit zierlichen Leuchtern, die kleine rote Kerzen trugen. Neben den Tischen reckten sich hoch gewachsene Palmen dem Licht entgegen. Die Form der Wedel erinnerte an die Elfenflügel, doch waren sie viel größer und dermaßen ausladend, dass sie als grüne Schilder die Sitzenden zu beschützen schienen. Lebendiges Grün gehörte einfach in den Elfenpalast hinein. Denn Elfen sind Naturgeister und alle Pflanzen ihre Freunde.

Mitten im Saal stand ein prächtig dekorierter Tisch mit Speisen und Getränken. Jede Schüssel und jeder Teller war mit einer weißen Lilienblüte geschmückt. Zwei elegante Kerzenleuchter rundeten das charmante Bild ab. Betört betrachtete Gunna wieder und wieder den ganzen Raum. Dabei fiel ihm ein herrschaftliches Podest am gegenüber liegenden Ende des Raumes auf.
„Dort steht Mutters Thron!“, erklärte Emir stolz.
Anders als die Sitzgelegenheiten der Elfenkinder war jener ganz von Orchideen und Rosen umrankt, die mit ihrem edlen Äußeren als einzig würdiger Rahmen den Platz der Gebieterin umschmeichelten.

„Emir, du hast vorhin so gedrängt und jetzt sind wir die Ersten!“, murrte Gunnar.
„Mein Volk wird gleich eintreffen. Es ist die Stunde der innigen Gemeinschaft. Das lässt sich kein Elf entgehen.“
„Wo bleiben sie denn nur, ob sie sich bei den Bienchen vertrödelt haben?“
Ungeduldig trat Piri von einem Fuß auf den anderen. Offensichtlich hatte er ziemlichen Kohldampf. Begehrlich schielte er zum Tisch. Ob er vielleicht ... ?
„Wehe!“, erriet Emir die Gedanken des kleinen Freundes. „Wir essen erst, wenn alle hier sind!“
Beschämt senkte Piri den Kopf. Selbst Elfenkinder bekamen dann rote Wangen. Bald aber sollte er seinen Hunger stillen dürfen …

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