Die versteckte Welt (2)
Von
tastifix
Samstag 02.11.2019, 17:58
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tastifix
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Allein der Felsbrocken lag noch in einem blassen Licht. Auf ihm hockten zwei zierliche beflügelte Wesen, so groß wie halbwüchsige Kinder, und blickten die Menschen vorwurfsvoll und traurig an. Ja, es gab diese fremde Welt wirklich und Piri und Emir waren Elfenkinder. Ihre Mutter, die Elfenkönigin, hatte sie gesandt, damit sie mit den Menschen etwas sehr Wichtiges besprechen sollten.
„Warum nehmt ihr uns unser Zuhause?“, fragte Piri mit zittriger Stimme.
Als der Jüngere der Beiden war er noch etwas schüchtern.
„Woher sollen wir denn ahnen ... ?!", stotterte Gunnar, wachsbleich um die Nasenspitze herum.
„Ahnen??", fiel ihm Emir scharf ins Wort, „Dutzende Sagen und Legenden erzählen über uns und viele von Euch glauben, dass wir in den Felsen leben. Weshalb habt Ihr nicht vor Beginn der Bauarbeiten versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen und alles mit uns abzusprechen? Wäre viel besser gewesen!!“
Inzwischen hatten Gunnars Leute die Sprache wiedergefunden:
„Ihr macht es euch sehr einfach! Immerhin ist dies unsere unsere Stadt, unsere Welt. Wir sind auf die Straße als Verbindung zur nächsten Ortschaft unbedingt angewiesen. Wie wenige Verkehrswege es nur in dieser Gegend gibt, wisst ihr garantiert!“
„Also ...", überging Emir den Einwurf, „falls ihr den Stein entfernt, wird Mutter böse werden. Bleibt er aber liegen,
werden wir Eure Freunde sein und für Euch da sein, wann immer Ihr Hilfe braucht!"
„Hier ist doch soo viel Platz!", meinte Klein-Piri: „Baut die Straße ein paar Meter weiter weg. Dann habt Ihr Euren Fahrweg und wir können trotzdem hier wohnen bleiben."
„Eben!", mahnte Emir nachdrücklich, „Denkt gut drüber nach. Ist Mutter wütend, ist mit ihr nicht zu spaßen!"
„Dabei wär`s so schön, weiterhin ohne Streit und Krieg zu leben!“, ergänzte Piri.
Sein Freund hatte ihm ja gerade zugestimmt. Deshalb wurde er schon mutiger.
Gunnar wollte seiner Empörung Luft machen, aber dazu ließen ihm die Zauberwesen keine Chance mehr.
„ Morgen kommen wir wieder. Dann müsst Ihr Euch entschieden haben!“
Lichter Nebel umhüllte die zierlichen Körper, die sich rasch in ihm verloren. Nachdenklich betrachtete Gunnar in der neuerlichen Finsternis den Stein, der soeben noch die Bühne für ein kleines Wunder gewesen war. Sein Verstand wollte alles als Einbildung abtun. Doch er wusste jetzt um die Wahrheit, die sicherlich manche Bewohner des Landes lieber ableugnen würden.
´Ist es die Angst, dass jene fremden Wesen vielleicht sogar weiser und mächtiger sein könnten als wir?`
So tief war er in seine Überlegungen versunken, dass die
Fragen seiner Arbeiter, die geschockt nach Erklärungen suchten, von ihm abprallten. Wie in Trance machte er sich auf den Heimweg. Es kam, wie es kommen musste: Nachts wälzte er sich schlaflos herum.
´Wieso wagen sie es, uns derart zu bedrängen?`
Er fand keineAntwort darauf. Bevor er nach Stunden des Grübelns endlich erschöpft einschlief, murmelte er:
„Haben wir denn wirklich mehr Anspruch auf alles als diese Elfen??"