Die versteckte Welt (1)
Von
tastifix
Freitag 01.11.2019, 11:40
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tastifix
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Weit entfernt in einem von Feuer und Eis beherrschten und von Mythen umwobenden Land litten die Menschen oft unter den Launen der Natur. Streifte ihr furchtsamer Blick während eines Gewitters die bizarren Felsen der Heimat, an denen sich in fast nachtschwarzer Düsternis der Sturm brach oder beobachteten sie die weiten Mondlandschaften ähnelnden Ebenen, die von bedrohlichen Blitzen in ein unheimliches Flackern getaucht wurden, weckte es ihre Fantasie.
So glaubten Viele an eine für Sterbliche unsichtbare Welt und ihre Seelen hatten die Wesen jenes fremden Daseins längst gefunden. In den Felsenhöhlen der Berge wohnende Elfen waren es. Manchml wählten jene aber auch, was die Menschen nicht ahnten, einen der weit verstreuten Steinbrocken. Ab und zu fanden sich solche längs der Straßen der Menschen.
In der Hauptstadt des Landes stand Bauleiter Gunnar eines Morgens vor einem riesigen Stein. Leider lag der genau dort, wo eine Ausfahrtstraße geplant war.
„Hm, Leute! Wie hieven wir den bloß zur Seite?“
„Chef, mit dem Bagger doch kein Problem!", behauptete Erik, einer der Arbeiter.
„Denkste, Gunnar hat Recht. Das wird schwierig!", widersprach Amur, sein Kollege.
Gunnar seufzte.
„Der muss weg. Auf in den Kampf!"
Amur kletterte in die Führerkabine, ließ den Motor aufheulen, doch das Fahrzeug rührte sich nicht von der Stelle. Nur die Räder drehten durch. Der Arbeiter sprang heraus und prüfte den Untergrund. Nein, der Boden war griffig und fest. Vergeblich startete er den Bagger ein zweites Mal. Wieder tat sich nichts. Ratlos standen alle beisammen. So etwas war noch nie vorgekommen.
„Holt mal den anderen!", forderte Gunnar.
Der stand etwas weiter weg vor einer tiefen Baugrube.
Nun versuchte Erik sein Glück. Aber was war das? Das Fahrzeug ließ sich starten, rollte jedoch dann unaufhaltsam auf die Grube zu. Dem Arbeiter wurde es mulmig. Er rief um Hilfe. Zu spät! Schon überrollte der Bagger den Grubenrand und rutschte zunehmend schneller in die Tiefe. Unten kippte er mit lautem Getöse auf die Seite. In der eingedrückten Führerkabine lag Eriks Kopf blutend auf dem Steuer. Geschockt rief Gunnar telefonisch Helfer herbei. Doch es würde noch eine Weile dauern, bis jene an der Unglücksstelle wären ...
Trotz des tragischen Zwischenfalls arbeiteten die Männer weiter. Amur versuchte, den Felsbrocken mit einem Presslufthammer zu spalten. Schweiß tropfte ihm von der Stirn. Nach allen Seiten flogen Steinstücke. Plötzlich sauste ein scharfer Splitter gegen seine Wange. Aufschreiend ließ er das Werkzeug fallen, schlug die Hände vors Gesicht und taumelte vor Schrecken und Schmerz ein paar Schritte umher. Entsetzt beobachteten die Umstehenden das Geschehen.
Wenige Minuten später trafen zum Glück die Sanitäter ein, befreiten Erik und schoben ihn auf einer Trage in den Krankenwagen. Danach kümmerten sie sich um Amur und brachten die beiden Verunglückten auf dem schnellsten Weg ins nächste Hospital. Zu seinem Glück hatte Amur nur eine Platzwunde davon getragen. Erik dagegen musste sich einer längeren Behandlung unterziehen.
Ein eigenartiges Gefühl beschlich Gunnar, ließ sich jedoch nichts anmerken, um seine Leute nicht in Panik zu versetzen.
´Wie, wenn an den Sagen um eine fremde Welt doch etwas Wahres dran ist? Haben tatsächlich unbekannte Wesen ihre Hand im Spiel?`
Ihn bewegten Zweifel, ob er es noch wie bislang als Spinnerei abtun durfte.
´Angenommen, es gibt sie wirklich ... Wollen sie uns etwas klar machen oder, wie wohl jetzt, gar für irgendetwas strafen? Aber wofür nur?`
Ihn schauderte es. Die Arbeiter standen aschfahlen Gesichtes neben ihm und starrten gebannt auf den ihnen unheimlich gewordenen Stein.
Merkwürdig: Obwohl es heller Tag war, wurde es auf einmal dunkel wie in der schwärzesten Nacht ...