Die Uhr 1. Teil
Von
Fiddigeigei
Freitag 20.09.2019, 10:17
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Fiddigeigei
Freitag 20.09.2019, 10:17
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
21Uhr26Minuten und 58Sekunden
Ling Ling Hu Leung- was übersetzt wahrscheinlich „Lächelnde Morgenröte“, oder gar „Glitzernde Perle auf einer Lotosblüte nach dem Regen bedeutet“- seufzte leicht. Es war kurz vor Feierabend also ca. 19Uhr. Der 12 Stunden Tag war lang und hart und wurde nur durch eine kurze Mittagspause, in der es ein Schälchen Nudel mit Gemüse gab, unterbrochen. Heute wird das sauerverdiente Geld ausbezahlt, heute war Samstag, und heute wird ausgegangen.
Irgendwie hatte sie wohl schon den Feierabend im Sinn und freute sie sich auf diesen Abend nach dem Einerlei der Woche. Sie wollte mit ihren 7 Freundinnen, die alle mit ihr in einem kleinen Zimmerchen in der großen Industriestadt in Chen Zengh wohnten und schliefen, bummeln gehen. Sie hatten sich vorgenommen in einer Garküche an irgend einer Straßenecke richtig zu schlemmen. Es war Samstag abends und Zahltag und im geheimen hofften die Mädchen kichernd auch auf Jungs zu treffen und dann könnte man eventuell zusammen eine Disco oder eine Karaokebar besuchen.
Ling Ling Hu Leung seufzte nochmals, als sie meine Uhr versehentlich ungeprüft aus der Endprüfung nahm, in eine farbige Faltschachtel packte und den Prüfstempel und ihre zierliche Unterschrift auf den Qualitycontrol- Zettel setzte. Sie legte die Bedienungsanleitung, die von Kanton- Chinesisch auf Englisch und anschließend aus diesem Kauderwelsch in einem babylonischem Deutsch endete, dazu.
Das Band stand still und meine Uhr plumpste als letzte in einen Karton, indem schon einige anderen hundert Uhren meines Kalibers eingeschichtet lagen. Lings Kollege Wu Han Unhug Quai Son schloss den Karton, verklebte ihn sorgfältig und ein Stapler nahm diesen Karton, der letzte einer Schicht- Chinesischen Fleisses- und stapelte ihn bei vielen anderen Kartons auf.
Am Montag wurde mein Karton in einen Container geladen -Via Hamburg. Wer sollte mich da hören, oben auf dem Deck in meinem wasserdichten Lloyd 40 Feet Container? Selbst in der Firma, die mich-- „Uhr„-- Designet in Germany, Made in China“ geordert hatte, konnte mich niemand hören, denn ich piepste, immer genau um 21Uhr26Minuten und 58Sekunden. Da waren bereits alle zu Hause, saßen vor dem Fernseher und knusperten Chips. Hätte Ling Ling Hu Leung nur eine Minute länger gewartet und dann wäre ich in den Gelben Sack für Elektronikmüll gesteckt worden-mit dem Makel, dass ich mein Gesicht verlor, in diesem Falle das Ziffernblatt und wäre als eine untragbare Schande für ganz China in die Schrottpresse gekommen.
Zufall oder Vorsehung, wie man es sehen oder hören will.