Die Orgel Königin der Instrumente
Von ehemaliges Mitglied Freitag 06.03.2020, 06:27
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Als ich 12 oder 13 Jahre alt war nahm mich mein Vater in ein Orgelkonzert mit. Es gab zu dieser Zeit noch nicht viele große Orgeln in unserer Stadt. Die meisten Kirchen waren zerstört . Nur die große Orgel in der Aula der Universität war gut erhalten. Der Organist Helmut Walcha ein blinder Künstler, Meister seines Fachs spielte Bach. Zu Beginn des Konzerts gab es einige Erläuterungen und die Aufforderung nach dem Ende nicht zu klatschen. Musik von Bach verstand der Organist als Gottesdienst. Ich war begeistert. Meine Liebe zur Orgel und zu Bach war geweckt. Da mein jüngerer Bruder mit dem ich diese Liebe teilte später Orgelbaumeister wurde hat sich diese Liebe noch verstärkt. Durch frühe Heirat und 3 Kindern hatte ich jahrelang wenig Möglichkeit Konzerte zu besuchen da wir wegen einer größeren Wohnung in einen Vorort gezogen waren. Das änderte sich nachdem ich wieder berufstätig geworden war. Meine Arbeitsstelle lag in der Innenstadt in unmittelbarer Nähe der großen Stadtkirche mit einer sehr schönen neuen Rieger-Orgel. Dort gab es in den Wintermonate die sogenannten Donnerstags-Konzerte. Da ich in einer Arbeitsgruppe war die sich ebenfalls regelmäßig Donnerstags traf konnte ich anschließend ins Konzert gehen. Aufmerksam gemacht hatte mich ein Kollege .So kam es, dass wir, vier Kollegen, ins Konzert gingen. Bald blieben nur noch ein Kollege und ich übrig. Er war jedesmal verwundert über mein Verhalten in der Kirche. Ich hörte diese Musik ja nicht nur mit den Ohren ich lebte sie mit alllen Fasern meines Körpers. Der Holzboden unter den Füßen die hölzerne Sitzbank, das alles vibrierte und so durchfuhren mich die Klänge manchmal mit solcher Wucht, dass ich weinen mußte.
Sechs Jare nachdem ich das erste Mal mit ihm in einem Konzert war wurden wir ein Paar. Fast 30 Jahre haben wir unsere Musik gemeinsam leben dürfen bis er leider viel zu früh verstorben ist. Nach seinem Tod war ich nur noch einmal allein in einem Orgelkonzert dann nie mehr. Ohne ihn war es nur Schmerz. Die Musik ist mir geblieben mit TV und cd. Manchmal wenn ich unvermutet die Toccata von J.S.Bach oder Charles Widor höre überkommt mich immer noch ein großer Schmerz .