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Die Kelten in 7 Tagen

Von Fiddigeigei 23.06.2019, 11:44

Mit Stab und Wanderdkleid
In 7 Tagen von Thüringen an den Main

Ich kann meinen Landsmann V.v. Scheffel nur recht geben. Es stimmt fast alles,wie im Lied besungen, nur natürlich jetzt mit den Vorzeichen des Jahres 2001. Ich meine mit der Romantik ist es so eine Sache geworden. Trozdem, habe ich das Frankenlied oft laut gesungen um mir Mut zu machen und um so besser marschieren zu können. Ürigens haben wir auf dem alten Friedhof in Karlsruhe Eine Gedenktafel der Familie SCHEFFEL gefunden. Aber jetzt soll es los gehen.
Meine Frau hatte mich nach einem verlängertem Wochenende bei unseren Kindern in Leipzig, in Meiningen/ Thüringen mit Rucksack‑Zelt‑Schlafsack‑Ausrüstung aus dem Auto geschubst und dann ging es los.
Ich hatte mir vor allem als Route den Keltenweg ausgesucht. Als erstes bestieg ich von Meiningen aus, übrigens eine schöne alte Stadt mit hohem Kulturcharakter, den DOLMAR,ein schöner Aussichtsberg , mit keltischer Vergangenheit und wunderbarem Wildblumen Bewuchs. Der andere Tag galt dem Großen ‑und Kleinen‑Gleichberg,dort konnte ich ganz tief in die keltische Kultur eintauchen.
Ganz alleine durchstreifte ich eine Keltenburg und besuchte ein Museum, in dem dieses großartige Volk (welches aus dem Dunkeln kam)ausgezeichnet präsentiert wird. Nun gings daran, am andern Tag in der Frühe die grüne Grenze zwischen Thüringen und Franken zu überwinden. Früher ein tödliches Unterfangen.
Ein Wachturm stand rechts von mir, die DDR- Grenztruppen schienen zu schlafen und so konnte ich mit einem " Sprung auf und vorwärts" unbehelligt,den Todesstreifen überwinden. Ein Fuchs auf der anderen Seite machte einen riesigen Satz und dachte bestimmt: So ein verrückter Kerl.
So kam ich in den „Grabfeldgau“ und lief über Königshofen (ein Ort für Kranke),den ich schnell hinter mir ließ, um meinem nächsten Grossen Erlebnis entgegen zu gehen.
Der Judenhügel war in meiner Karte als Keltenburg eingezeichnet. Mein Anstieg in der vollen Mittagshitze von Kleinbardorf aus,war sehr schweißtreibend und eigentlich bereute ich dieses Vorhaben schon.
Aber dann stand ich in einem großen Judenfriedhof,der völlig von einem Keltenschutzwall,umgeben war. Seit dem 15 Jahrhundert trugen dort die Juden ihre Toten zur letzten Ruhe hinauf. Sie lagen dort dem Himmel näher,sagte ein Rabbiner ,der aber wohl wusste ,dass wir sogenannten Christen sie auch als Tote nicht haben wollten.
Die Geister der Keltenkrieger haben die Gräber vor der braunen, gehirngeschädigten Masse der Nazis beschützt,wenigsten zum Teil. Ich bin dort lange herumgegangen und habe eine große Ruhe genossen.Bevor ich die Toden verließ, legte ich nach jüdischem Brauch einen Stein auf eine der Grabstele ab.
Diese Nacht verbrachte ich auf einem Zeltplatz in Sulzfeld .Von dort bin ich schon morgens um 6°° aufgebrochen, in die Hassberge. Der Zeltplatz der von der Gemeinde betrieben wird hat einen Badesee und vor allem etwas sehr interessantes:
Eine Masse von Kaninchen, die frühmorgens um mein Zelt flitzten und meinen Abschied begleiteten.
Heute wollte ich Strecke machen, deshalb suchte ich mir aus der Karte eine alte römische Heer- und Handelsstraße , die mich schnell durch viel Wald über die Schwedenschanze(Hofheim) nach Königsberg brachte.Ja, es gibt ein Königsberg in Franken. Ein Städtchen zum träumen,wirklich schön.
Am anderen Morgen ging es genüsslich zur Sache. Wald,Felder,leichte Hügel und Weinberge,soweit das Auge schaut und ich wünscht mir ,“mir wüchsen Flügel“.In Zeil tat ich dann einen Juchzer beim überqueren des Mains. Das Wanderziel Kloster Erbach erreichte ich durch das Besiegen der Knetzberge und des Zabelsteines.
Die Jugendstrafanstalt,im wunderbaren Klostergebäude, „wollte mich nicht haben“ und so konnte ich unbehelligt in der Frühe weiter ziehen.
Prichsenstadt muss man sehen.und in Castell gabs. ein Viertele Silvaner zur Freude von Geist und Seele aber zum Nachteil meiner armen und geschwächten Beinen. Dennoch nahm ich den Schwanberg mit immerhin stolzen „498m“und fiel dann leicht müde in Iphofen ein.
Kein Blick mehr nach „schön Schnittrin“, sondern nur noch nach weichen Pfühlen lag mein Sinn.
Der Morgen nach meinem 7ten Wandertag begann mit der traurigen Gewissheit,nun ists vorbei mit der Vogelfreiheit.Am Bahnhof wartete mein Zügle und über Würzburg,Frankfurt,Karlsruhe ,kam ich so schnell ,als „hätte ich Flügel“,zurück ins Badische.
Eins ist mir geblieben:
„Ich tus wieder!“

Das Frankenlied von Victor von Scheffel 1859

Wohlauf die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten;
den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren,
ich will zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken fahren.
Vallerie, vallera, vallerie, vallera ins Land der Franken fahren.

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das Korn geraten;
Sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines.
Vallerie ...
Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten;
hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten.
Wie gerne wär´ ich mitgewallt, ihr Pfarr` wollt mich nicht haben.
So musst ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben.
Vallerie ...
Zum heil´gen Veit von Staffelstein komm` ich emporgestiegen
und seh´ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen.
Vom Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel
die breite, stromdurchglänzte Au – ich wollt´, mir wüchsen Flügel.
Vallerie ...
Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh´ ihn an der Halde drauss bei einer Schnittrin stehen.
Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnittrin steht; dem mag man lange winken.
Vallerie ....
Einsiedel, das war missgetan, dass du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh´s dem Keller an, ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho! Die Pforten brech´ ich ein und trinke, was ich finde.
Du heil´ger Veit von Staffelstein, verzeih mir Durst und Sünde.
Vallerie ...

Carlos, ein einsamer Wandervogel
Wer hören will wie die Melodie geht findet im Internet unter „Frankenlied“ genug Anbieter.

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