Die Anprobe: Auweia!
Von
tastifix
05.04.2020, 12:41 – geändert 05.04.2020, 13:13
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tastifix
05.04.2020, 12:41 – geändert 05.04.2020, 13:13
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Für einen Sektempfang brauchte ich unbedingt etwas Neues. Jedenfalls redete ich es mir nur zu gerne ein.
Optimistish gestimmt stand ich um 7.30 Uhr auf und zog nach dem Frühstück mit noch mehr Optimismus ab in die City. Die Kö ließ ich wohlweislich links liegen.
„Wenn ich Geld los werden will, kann ich das in den großen Kaufhäusern fast genauso gut! Führen ja auch Edelmarken!“
In einem Geschäft am Rande der Altstadt traf ich auf eine gar nicht alte, sondern dagegen sehr junge Verkäuferin, die selber wie auch ich eindeutig den dezenten Kleidungsstil bevorzugte. Darum ließ ich mich gern von ihr beraten.
„Aber nur nicht Uni-Schwarz! Der Tag wird sehr anstrengend werden und ich würde abends darin ausschauen wie ein Gespenst auf Urlaub!“
Sie verstand sofort. Gemeinsam suchten wir nach nur-ein-bisschen-Schwarz-mit farblichem Pepp. Bei Firma Kr..s wurden wir fündig.
„Sehen Sie mal, diese Tunika!“
Sie hielt mir ein beinahe wadenlanges, durchsichtiges zartes Etwas entgegen. Es war schwarz. Zu ihrer Verteidigung ist anzuführen, dass es immerhin eine breite pastellfarbene Passe besaß.
„Hm, hm!“
Trotz ´Hm` streifte ich es über. Ich sah aus wie eine verunglückte Karnevalsfigur.
„Stimmt, das ist nichts für Sie!“
Schnell griff sich meine Beraterin einen eleganten Kurzblazer. Auch schwarz, aber mit etwas mehr Farbe. Ich guckte in den Spiegel und streckte mir frustriert die Zunge raus:
„Nee!!“
Diesmal ähnelte ich einer etwas farbigeren Karnevalsfigur, ebenfalls verunglückt.
„Schon besser, aber so richtig ... “, meinte die Verkäuferin so zutreffend.
Ich atmete tief durch:
´Ganz ruhig!`
Danach war ich fast die Ruhe selber.
Wenige Minuten später dann ereilte es mich.
´Falls das passt ...!!`
Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich sah schwarz, vorne, hinten, an den Seiten schwarz, schwärzer geht’s nicht. Klar. Ihr habt es längst gemerkt: ´Oben` fehlt noch!`
Es entpuppte sich als ein gefüttertes elegantes Shirt, seitlich an den Nähten leicht gerafft, mit langen, durchsichtigen Ärmeln, deren Manschetten königsblau leuchteten. Mein Blick blieb am Ausschnitt hängen und verblieb dort für mehrere Minuten. Fasziniert schaute ich auf den breiten Schalkragen in leuchtend bunten Farben, der nach Entscheidung der Trägerin die Schultern freigab oder auch nicht. Vorne liefen die Schalenden kreuzweise übereinander.
„Meine Güte, wie schick!“
Die Verkäuferin wollte mir noch erklären, wie das gute Stück denn anzuziehen sei, aber ich war längst in die Kabine entschwunden.
´Was will sie denn da bloß erklären? Ist ja nicht das erste Shirt in meinem Leben, dass ich anziehe!`
Froh gestimmt hielt ich das gute Stück in der Hand. Weiter allerdings kam ich nicht. Einen Reißverschluss entdeckte ich auch nirgendwo.
„Himmel, es hat nur zwei Ärmel! Also rein in den rechten und danach in den linken, fertig!“
Ich griff nach dem Futterstoff, um ihn entsprechend der Form des Shirts zu drapieren. Den rechten Ärmel eroberte ich noch, aber der knittrige Weg zum linken blieb mir verwehrt. Ich streckte und reckte mich - vergeblich. Jener Baumelkaspar baumelte lustig und mir zum Hohn vor meiner Nase herum.
´Also, nee! Die wird mich für bekloppt halten!`
Aber, weil ich diesen edlen Fummel unbedingt anprobieren wollte, musste ich jetzt meinen Stolz beiseite lassen. Hilfesuchend schielte ich aus der Kabine:
„Ich komm nicht rein. Bitte, würden Sie mir mal helfen?“
Sie hielt es mir akkurat ausgerichtet entgegen.
„Strecken Sie beide Arme gleichzeitig durch. Dann klappts!“
Und richtig! Es saß wie angegossen. Der breite Schalkragen schmückte ungemein und ich fühlte mich wie Gräfin Koks.
„Ich nehme es!“
Ein paar Minuten später war mein Portemonnaie extrem viel leichter.