Der Tanz
Von
tastifix
Dienstag 18.06.2024, 07:32 – geändert Donnerstag 20.06.2024, 06:03
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Sie lauschte der Musik. Den romantischen Klängen, die sie so sehr liebte. Immer, wenn ein Walzer, ihr Walzer gespielt wurde, fühlte sie sich in eine andere Welt versetzt. In die Welt der Harmonie.
Während sie, die Augen fest geschlossenm, entrückt über das Parkett schwebte, schenkte ihr die Fantasie ein vor ihr flimmrndes zart-nebulöses Bild: Eine von wunderschönen Blumen übersäte Wiese, über die ein sanfter Windhauch strich. Singvögel zwitscherten ihr süßes Lied. Und inmitten der Wiese sie selber, angetan mit einem romantischen Abendkleid, dessen weit schwingender Rock sie im Rhythmus der Musik über den Wiesengrund trug. Es war, als ob ihre Füße kaum mehr den Boden berührten.
Derweil sie sich im Kreis drehte, breitete sie die Arme aus und ließ die Luft an ihnen vorbei streichen. Sie warf den Kopf in den Nacken, um von all dem Abstand zu gewinnen, was sie bedrückte. Der Tanz sollte ihr neue Energie bringen für den Alltag, der für sie einen einzigen Kampf bedeutete, die Erholung von großem Schmerz, der ihr zugefügt worden war.
Die Meisten hätten gesagt:
„Vergiss es!“
Doch sie war anders. Sie litt und vermochte nicht abzustellen, was in ihrem Innern wühlte. Sie suggerierte sich, es wäre inzwischen ferne Vergangenheit. Aber sie wusste, dass die Erinnerung daran zwar verblassen würde, vergessen jedoch könnte sie es nie ganz. Genau darum gab sie sich völlig diesen verzauberten Momenten hin. Sie waren Balsam für ihre Seele, halfen ihr, öfters wirklich froh zu sein. Jeder weitere Tanz brachte neue Kraft, das Erlebte verarbeiten zu können.
Längst war die Musik verklungen. Aber die junge Frau ignorierte die neuerliche Stille um sie her. Wieder und wieder drehte sie sich weiter, wurde froher und froher und tanzte sich den Kummer von der Seele. Dieser würde ihr nicht mehr zu schaffen machen. Freude sollte fortan das Leben bestimmen. Sie fühlte sich endlich frei.