Der Schwan Linus
Von
Feierabend-Mitglied
14.07.2019, 10:21
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Feierabend-Mitglied
14.07.2019, 10:21
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Wir planten einen Tagesausflug nach Petzow in Brandenburg, das war an einem Vormittag nicht zu schaffen. So packten wir Brote ein und Obst und alles, was man sonst noch braucht, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Getränke konnten wir im Schloss Petzow kaufen, das hatte ein schönes Restaurant mit großer Terrasse.
Alle waren aufgeregt und neugierig, so fuhren wir los, mit S-Bahn und dann mit dem Bus. Nach fast einer Stunde Fahrzeit waren alle zappelig und schnatterten, dass es eine Freude war. Meine Kinder waren alles Autofahrer und so war schon das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas Besonderes.
Aussteigen, Durchzählen und dann erst einmal laufen durch den wunderschönen Lenne-Park, in dem man von jedem Punkt aus das Schloss sehen konnte. Links lag der Schwielowsee und rechts der Haussee, keine Asphaltwege, einfach ein idyllisches Fleckchen Erde und da es wochentags war gab es auch nur wenige Menschen.
Wir bogen vom Weg ab, liefen über eine Wiese und kamen direkt ans Wasser, rechts und links mit hohem Schilf bewachsen. Dort beobachteten wir die Schiffe, Dampfer und kleinen Boote und einige liefen ganz dicht an das Schilf.
Ein lauter Schrei, alle kamen angerannt und riefen:" Gitti, Gitti, da sitzt ein Schwan, der will immer fliegen, aber er kann nicht." Ich bat die Kinder, leise zu sein, damit der Schwan keine Angst bekommt, wir gingen gemeinsam hin und ich ging so nah, wie möglich ran.
Der eine Flügel stand vom Körper ab und ich erklärte den Zwergen, dass er wahrscheinlich einen Flügel gebrochen hatte. Fabian meinte:" Wir können ihn doch nicht hier lassen, der stirbt dann!"
Aber Jerome sagte:" Der ist zu groß, den können wir nicht mitnehmen!"
Mutig zog ich meine Jacke aus, ich hatte auch etwas Angst und ging langsam auf den Schwan zu.
"Nein Gitti, der wird dich beißen!" sagte David, "das ist gefährlich".
"Psst", sagte ich, legte dem Schwan meine Jacke über den Kopf und hob ihn hoch, ich wusste nicht, wie schwer so ein Tier ist. Wir gingen ins Restaurant, ich ganz krumm und die Kleinen ganz still.
Wir sprachen mit dem Chef des Hauses, der holte einen großen Karton, war sehr hilfsbereit und den Kindern zugewandt. Er sagte uns, dass er bei einem Tierarzt anruft und den Schwan abholen läßt, damit er wieder gesund gemacht wird.
Florian sagte:" ich will, dass der Schwan Linus heißt, wie mein kleiner Bruder, der gestorben ist, der ist zum Himmel geflogen und das macht doch der Schwan auch immer!"
Jemand aus der Tierarztpraxis kam sehr schnell und nahm Linus mit, aber ich traute dem ganzen nicht und bat um die Adresse des Arztes. Der Chef rief einen Angstellten und bat ihn, uns in den VW-Bus einzuladen und bis zur Praxis hinterherzufahren.
Dort angekommen durfte wir bei Untersuchung dabei sein, der Tierarzt erklärte alles ganz kindgemäß, beantwortete geduldig die Fragen der Kleinen und sagte, der Schwan wird bestimmt wieder gesund.
So verabschiedeten wir uns, ich hinterließ meinen Namen und die Tel. Nr. und bat, mich zu benachrichtigen......
Nach 4 Wochen rief mich die Praxis an, der Schwan war wieder flugfähig und der Arzt sagte: "Sie haben ihn mit den Kindern gerettet, also sollten auch sie mit den Kindern ihn wieder dort freilassen, wo sie ihn gefunden haben. Wir bringen übermorgen den Schwan ins Schloss Petzow und dort können sie Ihn ab 10 Uhr abholen.
Jubel bei meinen Kindern und so fuhren wir los und holten den Schwan ab. Dort am Schilf ließen wir ihn frei, er bekam viele gute Wünsche mit auf den Weg und noch lange guckten sie hinterher, wie er sich erhob und immer kleiner wurde: "Aufwiedersehen Linus!!!" so klang es noch lange am Ufer..... Und Florian weinte, um seinen kleinen Bruder, um Linus und weil Abschiednehmen so schwer ist. Ich saß auf der Wiese mit Florian im Arm und meinen Zwergen um mich herum.....
Unvergessen, die Liebe, die ich in mir spürte, ein kostbares Geschenk.