Der Pferdedieb (5)
Von
tastifix
Freitag 15.05.2020, 12:31
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tastifix
Freitag 15.05.2020, 12:31
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„Die haben wirklich an alles gedacht!“; meinte Sven anerkennend. „Mit dem Streifenwagen können sie den Kerl dann gleich aufs Revier bringen. - Und sie haben tatsächlich sogar noch ´nen Transporter mitgebracht!“
Herr Delfin machte sie noch schnell mit Herrn Knarre, dem Polizisten, bekannt. Beide Männer waren den Vieren auf Anhieb sympathisch. Sie gingen auf die Fähre und die Freunde setzten sich erschöpft auf eine Bank. Feechen kuschelte sich zufrieden an Emils Bein. Herr Knarre befragte sie ausführlich und notierte sich alles. Am anderen Ufer, lag vor ihnen eine kleine Ortschaft, zu der ein breiter Spazierweg führte. Der wurde von Straßenlaternen gut beleuchtet und die kleine Gruppe kam viel schneller voran. Plötzlich stutzte Sven und bückte sich:
„Schaut mal: Hier sind frische Hufspuren. Garantiert von unseren Tieren! Der Kerl kann demnach noch nicht allzu weit weg sein!“
Ein wenig zuversichtlicher legten sie an Tempo zu und marschierten, immer den Spuren folgend, die Dorfstraße hinunter. Kaum aber hatten sie den Ort hinter sich gelassen, entdeckten sie am Wegesrand eine alte Scheune.
„Die Spuren führen ja genau dorthin!“, kombinierte Herr Knarre. „Bitte warten Sie hier! Ich kontrolliere besser erst, ob die wirklich so verlassen ist wie es scheint!“
Mit strenger Miene, die Pistole in der Hand, näherte sich Herr Knarre langsam dem Haus.
´Hm, hm! Ich glaub`, hier muss ich mal genauer nachsehen!“
Halb geduckt lief er an dem großen Tor an der Vorderseite vorbei und umrundete die Scheune. Da! An der Rückseite gab es zwei hohe Fenster. Eindeutig waren sie früher mal vergittert gewesen, denn im hohen Gras fand der Polizist mehrere durchgesägte Stücke von Gitterstangen. Prüfend betrachtete er daraufhin die Fenster. Eindeutig waren die Scheiben eingeschlagen worden. Überall lagen Scherben herum.
„Aha!“
Herr Knarre hockte sich unter das eine Fenster.
´Vielleicht … Mal abwarten!`
Emma, Maja, Sven und Emil hielten den Atem an. Was würde geschehen … Oder etwa gar nichts?? Doch, es tat sich etwas: Herr Knarre winkte nämlich Herrn Delfin zu sich und flüsterte ihm zu:
„Beobachten Sie von dort vorne an der Ecke die andere Seite. Wenn Ihnen oder mir etwas auffällt, geben wir uns Zeichen.“
Herrn Delfin pirschte sich an der Mauer entlang ein paar Meter weiter, bis er dann einen guten Überblick über die Seitenfront der Scheune hatte. Derweil bedeutete Herr Knarre den Wartenden im Hintergrund, dass sie sich nun ein Versteck direkt am Haus suchen sollten. Dort hockten die Vier schon eine ganze Weile, als Feechen an Emils Seite plötzlich leise knurrte.
„Still, Feechen!“
Emil horchte angestrengt.
„Hört Ihr das auch??“, raunte er seinen Freunden zu.
Im selben Moment hörten es alle. Es raschelte nämlich und zwar ganz nah. Zu sehen aber war nichts. Erst recht hatte Herr Knarre aufgemerkt und schlich zu Herrn Delfin:
„Hören Sie! Dort drinnen geht irgendetwas vor. Am besten, wir umstellen die Scheune. Bleiben Sie hier! Ich hole rasch die Anderen!“
Ebenso vorsichtig, wie er sich dem Haus genähert hatte, lief er auf Zehenspitzen zurück und erklärte den Freunden seinen Plan.
„Emil, bitte geben Sie mir Feechen mit. Sollte der Dieb wirklich hier sein, kann sie ihn stellen.“
Emil war einverstanden. Genau nach Herrn Knarres Anweisungen liefen die Vier zur Scheune und versteckten sich dort. Er selber aber legte sich mit Feechen nahe des Scheunentores auf die Lauer.
Kurz darauf raschelte es erneut. Diesmal aber noch viel lauter und dann ... Maja und Emma in ihrem Versteck begannen zu strahlen. Jene Laute, jenes Schnauben kannten sie:
„Braunchen, Schimmelchen!“
„Grauchen, Schneeweißchen!!“
Am liebsten wären sie zu ihnen gestürmt, aber ohne Rückendeckung war es viel zu gefährlich. Denn sie hatten ja immer noch keine Ahnung, wo sich der Dieb gerade aufhielt. Also mussten sie hier abwarten, wann und wo der gemeine Kerl auftauchen würde.
Die Sechs verhielten sich mucksmäuschenstill. So aufgeregt, wie sie waren, fiel ihnen dies ziemlich schwer. Aber es lohnte sich: Wenig später endlich erspähten sie einen dicken, gebückt einher schleichenden Mann, der vom Dorfrand her auf die Scheune zulief. Total verdreckt und in zerrissener Kleidung, schleifte er mit der einen Hand einen Sack hinter sich her, mit der anderen umklammerte er eine Pistole. Wieder und wieder schaute er sich misstrauisch um. Es war offensichtlich: Der wollte nicht ertappt werden!
„Zu früh!“, bedeutete Herr Knarre Herrn Delfin, der aufspringen wollte, um dem Kerl den Weg abzuschneiden. „Den knöpfen wir uns drinnen vor!“
Nachdem er sich ein letztes Mal prüfend umgesehen hatte, ob er auch wirklich unbeobachtet wäre, fühlte sich der Mann anscheinend sicher, öffnete das Tor und verschwand in der Scheune. Es rumpelte und dann war alles wieder still.
„Das war der Sack. Den hat er irgendwo abgestellt!“
Herr Knarre wandte sich zu Maja und Emma.
„Ihre Männer und wir machen den jetzt dingfest. Danach rufe ich Sie und Sie befreien die Pferde, okay?“
Die Beiden nickten. Der Polizist rannte zurück zu den drei vor der Scheune wartenden Männern.
„Jetzt!!“, kommandierte er zischelnd.
Herr Knarre, Herr Delfin, Emil und Sven stürzten in die Scheune.
„Polizei: Hände hoch! Lass die Waffe fallen!!“
Völlig überrumpelt warf der Dieb seine Pistole auf den Boden. Hasserfüllt starrte er die Männer an.
„Wehe, Du versuchst, uns auszutricksen!“, drohte ihm der Polizist.
Feechen baute sich vor dem Kerl auf und fletschte die Zähne. Doch leider ließ sich der Fiesling nicht davon beeindrucken. Im Gegenteil! Als die Drei ihn überwältigt hatten und Herr Knarrte ihm blitzschnell die Handschellen anlegte, trat er noch brutal nach ihnen. Aber der Polizist hatte Erfahrung mit solchen Verbrechern und hielt ihn mit eisenhartem Griff fest.
„Oha!“, bemerkte Herr Knarre ironisch. „Der Sack hier scheint mir sehr interessant zu sein. Den nehmen wir mit!!“
„Wartet nur ab: Ich mach Euch fertig!“, schrie der Dieb noch und spuckte ihn an.
„Auf die Gelegenheit dazu musste jetzt sehr lange warten!!“, gab Herr Knarre, noch viel ironischer, zurück.
Herr Delfin rief Emma und Maja herein.
„So, jetzt dürfen Sie sich um Ihre Tiere kümmern. Ist ja furchtbar, wie verschüchtert die wirken!“
Die Beiden redeten beruhigend auf ihre Lieblinge ein,banden sie los und spendierten ihnen die Zuckerstückchen. Ganz allmählich hörten die Vierbeiner auf zu zittern. Feechen verteilte immer der Reihe nach Nasenküsschen: Zuerst an Braunchen, dann an Schimmelchen und danach an Grauchen und Schneeweißchen. Maja und Emma führten die Tiere auf die Fähre. Feechen lief nebenher und ließ ihre großen Freunde nicht mehr aus den Augen.
Herr Knarre stieß den sich immer noch heftig wehrenden Dieb auf die hintere Sitzbank des Polizeiwagens. Neben ihm nahm Emil Platz, falls der Kerl mal ... Sven kletterten in die Fahrerkabine des Transporters. Derweil öffnete Herr Delphin die hintere hohe Doppeltür. Die vier Pferde kannten solche Wagen und stiegen brav hinein. Herr Delphin verschloss die Tür sorgfältig und die Fähre tuckerte los. Kurz darauf schon am diesseitigen Ufer stehend, wollten sich die Freunde von ihren Helfern verabschieden.
„Nein, kommt gar nicht infrage. Wir bringen Sie selbstverständlich heim!!“
Dann dauerte es aber doch noch eine ganze Stunde, bis sie endlich ihr Haus erreichten. Erschöpft und todmüde, aber sehr glücklich. Alles war gut ausgegangen und sie hatten ihre geliebten Vierbeiner gesund zurück ...