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Der Kuckuckskrümel

Von tastifix Mittwoch 17.07.2019, 12:40 – geändert Mittwoch 17.07.2019, 12:41

Bester Laune gönne ich mir im benachbarten Cafe ein Stück Sahnetorte. Es ist bereits halb vertilgt, als sich zwei Damen zu mir an den Tisch gesellen. Wir sind uns sympathisch und kommen rasch ins Gespräch, was mich aber nicht davon abhält, dabei genüsslich weiter zu futtern. Der Kuchen verschwindet in einer geradezu beängstigenden Schnelligkeit.

Wenige Minuten später lockt auf meinem Teller als scheinbarer I-Tupfen der Köstlichkeit allein noch der höher gezogene Tortenrand. Guten Mutes steche ich mit der Gabel zu und verliere denselbigen binnen einer Sekunde. Das Teig-Angelinstrument rutscht nämlich ab, die Zinken landen mit einem lauten Knall auf dem Teller und im selben Moment startet eine wahre Krümelarmada den Sonderflug gen Teppichboden. Ein scheuer Seitenblick ins Gesicht der zwei Damen beschert mir prompt eine extra frische Gesichtsfarbe und einen bestens funktionierenden Kreislauf. Arg verlegen versuche ich, mich der Krümelansammlung dort unten möglichst anmutig zuzubeugen, um mich nicht noch mehr als ohnehin schon zu blamieren.
„Klaro, musste ja so kommen. Typisch ich!“
Hastig pflücke ich die Krümel weg und setze mich aufatmend wieder hin.
„Ach, das ist mir auch schon mal passiert!“, tröstet mich meine Sitznachbarin lachend.
Ich mache das Beste, was man in einer solchen Situation tun kann und lache mit. Allerdings ein wenig gepresst.

Bald ist der Zwischenfall vergessen und wir reden und reden. Plötzlich gibt uns ein Herr vom Nachbartisch, wie er wohl annimmt, unauffällige Handzeichen. Wir drei Grazien verstehen nicht und so werden die Hinweise ständig deutlicher, was ihm aber immer noch keinen Erfolg einbringt. Schließlich hält es ihn nicht mehr an seinem Tisch. Er kommt zu uns und deutet unter den Stuhl der Dame rechts von mir:
„Vorsicht, nicht, dass Sie gleich drauf treten!“
Alarmiert springt sie auf, rückt das Sitzmöbel zur Seite und starrt zu Boden. Ich stiere auch und schäme mich fast zu Tode. Dort liegt ein Stück Kuchenrand, groß wie ein 1-Euro-Stück, verziert mit einem strahlendweißen, üppigen Sahnehäubchen, das eindeutig von meinem Teller stammt.
„M...mir ist es ja so peinlich ... !“, stottere ich.

Puterrot geworden, krabbele ich zwischen den Tischbeinen durch unter den fremden Stuhl, klaube hastig das leuchtende Indiz meiner scheinbar mangelnden Tischmanieren vom Teppich und erhebe mich schnellstens in die Senkrechte. Die Dame hat sich inzwischen gefangen und guckt bereits wieder gelassener, der Herr grinst amüsiert.
´Irgendwie muss ich mir da jetzt raus helfen … !?`
Gespielt souverän wende ich mich den Beiden zu:
„Des war jetzt kein Kuckucksei, sondern ein Kuckuckskrümel!“
Zum Glück haben sie Humor.

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