Der kleine bockige Osterhase
Von
tastifix
Samstag 25.03.2023, 09:00 – geändert 26.03.2023, 08:41
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tastifix
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In Mümmelhausen wurde seit mehreren Tagen aufgeregt gemümmelt. Vor den Hasennestern und auch auf dem Marktplatz mit den Salatblatt- und Möhrenständen hockten die Hasenmütter beieinander und beschwerten sich über den Nachwuchs:
„Mein Männi weigert sich, das Ostereier malen zu lernen. Was soll nur aus ihm werden?“
„Hast Du ihn gefragt, warum er es nicht will?“
„Ist ihm zu doof. Die Menschen sollen die Dinger gefälligst selber anmalen, wenn sie die unbedingt bunt haben wollen!“
„Nein, wie kann er nur?!“
„Und, wie stellt er sich seine Zukunft vor? Hat er überhaupt irgendwelche Pläne??“
„Denkt Euch nur: Er will Schaufensterhase werden!“
„Klar, damit er für den Rest seines Lebens faulenzen kann! Meine Güte, Eli, wie schrecklich. - Schließlich gehört Deine Familie schon seit Generationen dem vornehmen Osterhasenstand an!“
„Lisi, ich weiß mir echt keinen Rat mehr. Sein Vater übrigens auch nicht.“
„Da hilft nur noch Strenge, nichts sonst!“, stellte eine andere Hasenfreundin resolut fest. „Als mein Sohn damals aufmuckte, gab es ein paar hinter die Löffel. Hat Wunder gewirkt. Du müsstest ihn heute mal erleben!“, ergänzte sie stolz.
„Vielleicht hast Du recht!“, murmelte Eli.
Eli verabschiedete sich von den Freundinnen und hoppelte fix nachhause, um alles mit Freddy, ihrem Mann, durch zu mümmeln. Der wiegte weise den Kopf.
„Deine Freundin hat recht. Dem werde ich jetzt Beine machen, sonst wird nie etwas aus ihm!“
Als Männi mittags aus der Hasenschule kam, durfte er sich nicht etwa vorm Computer rum lümmeln, sondern hatte im Garten den Rasen kurz zu zupfen und junge Salatpflanzen einzupflanzen. Wenig später schon schmerzten Männi die Vorderpfoten und der Rücken:
„Die spinnen wohl! Ich mach` nich` mehr!“
Er flitzte ins Hasenkinderzimmer, kramte sich das Abenteuerbuch ´Das Geheimnis des braunen Salatblattes` heraus und flüchtete in die Welt der Verbrecherjagd. Die Pflichten waren vergessen.
Lange währte das Lesevergnügen jedoch nicht. Plötzlich stand brüllend sein wütender Vater vor ihm:
„Jetzt ist Schluss, mein Sohn! Ab morgen hole ich Dich jeden Tag von der Schule ab und werde Lehrer Schlackerohr fragen, ob Du am Ostereiermalunterricht teilgenommen hast. Und wehe Dir, wenn nicht! - Übrigens: Den Schaufensterhasen schlag Dir endgültig aus dem Kopf!“
„Mich zwingst Du zu gar nichts!“, wurde Männi frech.
Im nächsten Moment machte es ´patsch` und noch einmal ´patsch`.
„Au!!“
„So, und jetzt bringst Du endlich den Garten in Ordnung, aber fix!“
Dermaßen energisch hatte Männi seinen Vater noch nie erlebt und bekam Muffensausen.
´Der bringt es glatt und nimmt mir vielleicht noch den Möhren-Gameboy weg!“
Auf den war Männi besonders stolz, denn er war einer der wenigen Hasenjungen, die solch ein tolles Gerät besaßen.
Mit hängenden Löffeln schlich er in den Garten, in dem er dann den halben Nachmittag schuftete. Völlig groggy fiel er abends ins Bett und schlief vor Erschöpfung bis zum nächsten Morgen durch.
Tatsächlich brachte der Vater Männi zur Schule und wirklich redete er nach Stundenschluss mit Lehrer Schlackerohr.
„Männi wollte sich vor dem Malunterricht drücken. Ich hab ihm aber einen Pinsel und ein Ei in die Pfote gedrückt und verlangt, dass es bis zum Ende der Stunde fertig bemalt sein sollte. Mürrisch hat er sich dann an die Arbeit gemacht.“
„Hat er sich denn Mühe gegeben?“
„Na ja, immerhin etwas! Doch gibt es da etwas, was ich Ihnen unbedingt ...“
In der Annahme, dass Männi noch zusätzlich etwas angestellt hatte und Lehrer Schlackerohr sich nun über sein unmögliches Betragen beschweren würde, schaute der Vater ihn entsetzt an. Aber der Lehrer lächelte:
„Im Gegenteil: Ich hab ne Überraschung für Sie: Ihr Sohn ist künstlerisch ausgesprochen begabt. Wenn er wirklich fleißig übt, gehe ich davon aus, dass er sogar ein Ostereierhasenmalermeister werden wird ... !“