Der Hilferuf (Märchen)
Von
tastifix
Dienstag 28.11.2023, 12:07 – geändert Donnerstag 11.01.2024, 04:45
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tastifix
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Es war einmal eine sehr liebe Hexe, die niemals Kinder eingefangen hätte, um sie zu mästen und dann zu verspeisen. Ein schlimmer Sturm hatte ihr Heim am Waldesrand zerstört. Alles lag in Schutt und Asche. Allein die wollene Kleidung, die sie trug, so auch ein dicker, bodenlanger Wintermantel und an den Füßen alte Boots, waren ihr geblieben. Zudem ein Regenschirm, ein Zettel und ein Bleistift.
Wegen der winterlichen Kälte fror sie dennoch erbärmlich und musste arg mit den Zähnen klappern.
„Und jetzt?“
Niemand war zu sehen, der ihr hätte helfen können und, unter Schcok stehend, fiel ihr auch nicht der passende Zauberspruch ein, um sich ein neues Haus herbei zu wünschen. Darum machte sie sich auf die Wanderschaft, marschierte an Feldern entlang und hoffrte, irgendwann und irgendwo Hilfe zu finden. Gegen den Hunger fand sie in der einen Manteltasche noch Krümel einer Laugenbrezel. Jeden kaute sie bestimmt 100x und bildete sich verzweifelt ein, es wäre nicht jeweils nur einer. Aber Einbildung stärkt nicht und sie schlurfte bald sichtlich geschwächt einher. Dummerweise begann es auch noch zu hageln. Kurz darauf sah das Regenschirmdach beinahe aus wie der löchrige Schweizer Käse. Trotzdem hielt sie den Schirm krampfhaft fest, denn zwischen den Fast-Löchern hingen noch Fast-Stofffetzen, die einigen kümmerlichen Zentimetern ihres Kopfes vor dem unwirtlichen Wetter noch Schutz boten.
Der Hagel wandelte sich in prasselnden Regen. Der starke Wind knickte den Schirm immer wieder um und die Hexe glich einem aus dem Wasser gezogenen Pudel. Wenigstens konnte sie mit der Zunge Tropfen auffangen und dürstete nicht. Gegen Abend hockte sie sich in einen Laubberg am Wegrand, den Schirm fest umklammernd und schlief im Sitzen. Am frühen Morgen spürte sie zwar sämtliche Knochen, fühlte sich aber dennoch etwas frischer. Sie mümmelte einen Krümel Laugenbrezel, erhob sich, trank einen Schluck Wasser aus einem Bach und setzte die Wanderung fort.
Auch der zweite Tag brachte keine Rettung aus der misslichen Lage.
„Ich muss mir etwas einfallen lassen!“
Angestrengt nachgrübelnd, schloss sie für einen Moment die Augen und seufzte so laut auf, dass es weithin schallte. Als sie wieder ins Helle blinzelte, erspähte sie plötzlich auf dem kahlen Feld vor ihr einen aus Holzplanken gezimmerten Unterstand, zwei Seitenwände, eine Rückwand und - ein Dach!
„Das kann nicht sein. Ich träume!“
Verwirrt ließ sie den Blick umher schweifen. In der Ferne war vage ein Dorf zu erkennen.
„Endlich!“, atmete sie auf.
Doch zunächst würde sie sich im Unterstand ausruhen. Wieder munterer stapfte sie auf ihn zu und wunderte sich dann sehr. Drinnen standen zu einem Tisch aufgestapelte Apfelsinenkisten und davor ein metallisch blitzender Barhocker.
„Stilbruch! Aber der ist ja in!!“
Nachdem sie sich von der Überraschung erholt hatte, begutachtete sie den Unterstand draußen von allen Seiten und war denn platt. An dessen Rückseite lehnte ein gelber Briefkasten.
„Der Zettel, der Bleistift!!“
Ihr fielen die Tochter und deren Töchterchen ein. Zurück im Unterstand nestelte sie Zettel und Stift aus der Manteltasche, stieg auf und schrieb einen kurzen Brief an die Zwei:
Meine lieben Minihexchen!
Es ist dringend! Das Unwetter hat mein Heim zerstört. Bitte, bitte überlegt Euch, wann Ihr möglichst bald Zeit habt, mit mir zusammen ein neues Haus zu backen.
Über die Anrede vermerkte sie noch die Adresse:
„Teig-Nasch-Str. 62, Essen.“
Und daneben malte sie noch eine kleine Briefmarke mit einem winzigen Lebkuchenplätzchen darauf. Fix warf sie den Zettel in den Kasten.
„Leerung sofort!“, las sie.
„Ich wundere mich besser über gar nichts mehr!“, murmelte sie, als der Kasten sich prompt in die Luft erhob und in Richtung des Dorfes flog.
Dort in der Poststelle schauten zwei Briefträger verdutzt auf den Zettel.
„Ob wir den so ohne eine echte Marke befördern dürfen?“
Sie schauten sich an, ihr Entschluss stand fest.
„Es ist kurz vor Weihnachten!!“
Schnell steckten sie den Zettel in einen Umschlag, adressierten ihn, klebten eine Briefmarke darauf und schickten ihn nach Essen.
Die beiden Minihexchen reisten schnellstens in das Dorf, in dem sie von der hexe bereits sehnlich erwartet wurden. Wenige Tage später stand vor ihnen ein großes wunderschön liebevoll mit Leckereien verziertes Hexenhaus, ausgestattet mit genau den romantischen Landhausmöbeln, für die die Hexe so sehr schwärmte und mit niedlichen Gardinen vor den Fenstern.
Und weil es ein Haus für ihre Mama/ Omi war, haben sie es nicht geplündert und so steht es noch heute.