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Der erste Tag im eigenen Haus

Von tastifix 22.01.2023, 18:47 – geändert 22.01.2023, 19:21

Als wir nach Düsseldorf zogen, war unser Nachwuchs acht, fünf und 2x zwei Jahre alt. Mit feierlicher Miene marschierten die Vier die Treppe hoch, denn ab dann sollte ihnen eine ganze Etage gehören und, was noch wichtiger war ... Die beiden Älteren bekamen jede sogar ein eigenes Zimmer. Auch die Jüngeren waren recht aufgekratzt, schnatterten pausenlos und standen uns überall dort im Wege herum, wo Kleinkinder, räumt man Umzugskisten aus, sehr stören.
„A.,", baten wir die Älteste: „Spielst Du bitte mit den Kleinen? Wir haben noch so viel zu tun!"
„Ich hab ´ne Idee!", hieß es daraufhin lautstark in Richtung der Geschwister.
Vor Neugierde weit aufgerissene Kulleraugen. Denn die große Schwester hatte stets so tolle Einfälle.
„Kompanie, im Laufschritt marsch, alles hinter mir her nach oben!"
Dem Alter nach trippelten sie im Gänsemarsch die Treppe hoch, die Zwillinge überwanden stolz Stufe für Stufe. Wer dies schaffte, war ja auch schon fast groß. Es war ein Bild für die Götter und wir unterdrückten das Lachen, denn sonst wären die Vier beleidigt und der Frieden vorbei gewesen.

Oben rumpelte es. Offensichtlich genoss A. die Rolle als Kompaniechefin:
„Nein, wartet, der Tisch kommt hierhin, noch ein bisschen mehr zur Tür. So!"
Wir schielten nach oben. Die blöden Kartons liefen ja nicht weg.
„Jetzt hol das Brett von dahinten!"
Sie hatte eindeutig Schwester Nr. Zwei auf .dem Kicker:
„Und mach schnell!"
N. war mit hochroten Wangen zugange, die Ältere nahm sie ernst. Keuchend schleifte sie das schwere Holzbrett durch die lange Diele. Die Kleinen wollten ebenfalls beweisen, was sie schon konnten und hielten das Brett jeweils an einer Ecke fest. Wahrscheinlich war es aber eher umgekehrt.
„Was wihird das?", fragten sie, bewundernd zur Ältesten aufschauend.
„Das Brett lehnen wir an den Tisch. Dann ist das eine Rutsche. Wer rutschen will, muss vorher ein Lied singen."
„Au ja!", machten die Kleinen und sich vor Begeisterung fast in die Hose.
Gleich darauf rumpelte es noch mehr. Gequält piepte die Jüngste los. Die Zweite hatte jenes Brett kurz auf deren Fuß abgestellt.
„Mensch, wie kannste denn? DaHs tut doch weh!!"
A. angelte ihr Tempo aus der Hosentasche und trocknete K. die Tränen.
„Abaa das is so schwer!", verteidigte sich N. noch kleinlaut.
K. beruhigte sich auffällig fix. Toll, von der ältesten Schwester so getröstet worden zu sein.

Dann war die Rutsche fertig, zwar ein bisschen instabil, aber na ja. Stolz standen die Vier davor. Wer durfte wohl als Erste? Manchmal war A. sehr fürsorglich:
„Du, N., wir machen es denen vor. Die sind ja noch so klein!"
Geschmeichelt nickte diese eifrig. Allzu oft würde ihre ältere Schwester sie bestimmt nicht zu den Großen zählen! A. stellte sich in Positur:
„Ein Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch den ... "
„Donnerwetter, jeder Ton stimmt!“, flüsterte ich dem Papa meiner Kinder zu.
Dann war das Lied zu ende. Der Rest der Kinderschar applaudierte und trampelte begeistert mit den Füßen.

Aufgeregt wartete N. auf ihr Kommando.
„So, jetzt Du!" - ´Ob die das wohl hin kriegt?`
Gespannt sah A. die Jüngere an.
„Irgend ´nen Lied aus dem Kindergarten!"
Verlegen nestelte N. an ihrem Kleid herum und drehte dessen Schleifen zu Miniwürsten. Plötzlich aber ging ein Leuchten über ihr Gesicht. Sie holte laut hörbar tief Luft und schmetterte los:
„Hääschen in der Gruube, sahaaß uand slieef ... "
Doch mittendrin wusste sie nicht weiter und verstummte. Vielleicht wollte sie aber das Häschen nur nicht wecken.
„Macht nix!", meinte unsere Älteste und N. durfte rutschen.

Die Kleinen quietschten vor Spaß, jetzt kamen sie an die Reihe.
„Los, T., Du kennst doch bestimmt auch schon was."
„Waas denn ... ?"
„Na, was singt denn Mama so oft mit Euch?"
Kurzes Stirnrunzeln. Dann fing T. an:
„Häänsen kein, giang aalein in weite Wealt hihineeiin, Stoch und Huat ... "
Auf einmal Stille.
„Okay! Das war gaanz toll! Komm rutschen!"
Deswegen mutig geworden, kletterte T. auf den ach so hohen Tisch, guckte um Beachtung heischend ringsum und setzte sich wirklich. Damit die Kleine nicht runter plumpste, hielt A. sie am Hosenbein fest und eine halbe Minute später landete Tochter Drei mit fröhlichster Miene auf dem Po.

Nun wurde es spannend. Alle Augen richteten sich auf K., die Jüngste. Ihr Zwilling T. hatte ob der toll absolvierten Kür Oberwasser und strich der etwas unsicher drein schauenden Schwester aufmunternd über die Wange:
„Teine Angst haben! Guck mal, hab ich doch aauch nüch !"
„Genau, K.. Du singst doch so gerne. Ist ja egal, was!", räumte A. ein.
Jene überlegte konzentriert und bohrte sich noch konzentrierter ausgiebig in der Nase. Es hätte ja sein können, dass dann die nötige Idee schneller kam. Ihre drei Geschwister hielten den Atem an. Für einen Moment lang nörte man nichts. Danach aber hatte das Nase bohren den gewünschten Erfolg gebracht. Meine Jüngste stellte sich vor die Anderen und trompetete:
„Der Moand is ausgejangen, die geelben Ternlein dangen aam Hihimmel hell un daar ... "

Draußen brannte sengend die Mittagssonne.

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