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Das Weihnachtsgeschenk

Von tastifix Mittwoch 01.11.2023, 13:02 – geändert Freitag 03.11.2023, 13:39

Es war die Nacht vor Weihnachten. Alles lag tief verschneit. Der Mond und die Sterne am wolkenlosen Winterhimmel verzauberten mit ihrem Leuchten die kleine Stadt, die umliegenden Felder und auch den Wald mit den prächtigen, hochgewachsenen Tannen, deren Zweige sich unter ihrer weißen Decke neigten, in eine glitzernde Märchenlandschaft. Den Spazierweg, der durch diesen romantischen Traum zu dem nahe gelegenen Ort führte, bedeckte ein tiefer weißer, von Spuren der Tiere des Waldes unberührter Teppich. Es war wunderbar friedlich, so, wie es sich alle Menschen für Festtage ersehnen.

Auf einmal zeigte sichg oben am Himmel ein silbriger Schein, der immer strahlender wurde. Hätte jemand genau hingesehen, hätte er eine Straße aus Mondschein erkennen können, die sich nach und nach bis nach unten zu jenem Weg schlängelte. Helles Klingeln sang aus der Ferne, welches sich rasch näherte und ständig lauter wurde. Und dann setzten zwei mit leuchtend rotem Zaumzeug geschmückte Rentiere, einen Schlitten hinter sich her ziehend, die zierlichen Hufe auf diesen Teppich aus Pulverschnee und liefen langsam weiter. Bei jedem Schritt bimmelten die am Zaumzeug hängenden Glöckchen ihre lustige Melodie.
Auf dem Schlitten saßen zwei Engel in goldgelben Gewändern. In dieser Nacht hatten sie überall auf der Welt mit Schleifen liebevoll verzierte Geschenke unter den Menschen verteilt. Jedes Mal, wenn sie wieder eines vor einer Tür ablegten, fühlten sie sich sehr froh, denn sie ahnten, wie sehr sich die Kinder, aber auch die Erwachsenen über die Gabe freuen würden.

Aber nun war fast alles abgeliefert und sie sehnten sich zurück in ihre Engelsburg mit der tollen Backstube. Es hatte soviel Spaß gemacht, bei lieblichem Gesang die vielen leckeren Plätzchen zu backen. Ein paar davon hingen jetzt sogar an der hohen Himmelstanne neben der Burg.
„Das sieht so schön aus!“, meinte daer eine Engel.
Aber noch durften sie die Heimreise nicht antreten, denn auf dem Schlitten lag ein letztes winziges Paket. Schnell vergewisserten sie sich erneut der Adresse, denn sie wollten sich auf keinen Fall so kurz vor Arbeitsende noch verfahren.
„Eigenartig: Ein solch kleines Geschenk … ??“
„Vielleicht ist etwas ganz Besonderes darin!“, entgegnete der andere.
Doch nun hatten sie sich zu sputen, denn sie mussten noch vor Tagesbeginn die erde wieder verlassen. hätten noch vor Tagesanbruch die Erde wieder verlassen. Der eine Engel schnalzte laut mit der Zunge. Leise knirschte der Schnee unter den Kufen, als die Rentiere gehorsam voran galoppierten. Wahrscheinlich wollten diese braven Helfer des Christkindes ebenfalls möglichst bald zurück in ihren himmlischen Stall, in dem bestimmt schon ein Belohnungshappen auf sie wartete.

Auf schmalen Wegen entlang der Felder glitt der Schlitten auf den Ort zu. Noch zweimal fuhr er um eine Biegung, dann hielt er vor einem hübschen Haus. Eilig sprang der eine Himmelsbote vom Schlitten, griff sich das Päckchen und versteckte es seitlich der Eingangstür unter dem Briefkasten. Rasch lief er zurück. Die beiden Engel schauten sich erleichtert an:
„Fertig!!“
Hoffend blickten sie nach oben zum Mond:
„Lieber Mond, Wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Bitte, leite uns zurück!“
Und ihre vierbeinigen Kameraden scharrten flehend mit den Hufen dazu.
Der Mond schaute auf den nun leeren Schlitten. Wieder zeigte sich die schimmernde Straße aus Mondlicht. So, wie diese sie zuvor hernieder auf die Erde geführt hatte, führte sie jetzt den Rentierschlitten höher und höher gen Himmel. Unten auf der Erde aber lag die Schneedecke auf dem Spazierweg so unberührt wie zuvor. Nichts wies mehr auf das kleine Wunder hin, das sich dort abgespielt hatte.

Im Haus stand kurz vor Tagesanbruch ein kleines, fünfjähriges Mädchen am Fenster und guckte wehmütig zum Sternenmeer.
´Es ist doch Weihnachten …!?`
Und es schluckte.
Weil im Haus alles noch still war und auch nirgendwo etwa Licht brannte, kroch es bedrückt wieder ins Bett, drückte sein Stofftier an sich und und schlummerte wieder ein.

„Amelie, aufstehen!!“
Verschlafen blinzelte Amelie ins Helle. An ihrem Bett saß die Mutter und lächelte.
„Komm! Wir wollen ja noch das Wohnzimmer schmücken und den Tisch decken ...“
Da hielt es die Kleine nicht länger im Bett und sie stand rasch auf. Nach dem Frühstück holten Mutter und Tochter den Weihnachtsschmuck aus dem Keller: Rote Kugeln, hübsche Figuren zum Anhängen an den Tannenbaum und außerdem ein schönes Holzkarussell mit Maria, Josef, dem Jesuskind in der Krippe und auch mit Esel und Ochse. Es fand seinen Platz mitten auf dem Tisch zwischen zwei Schalen mit selbstgebackenen Zimternen. Die mochte Amelie besonders gern. Jeden Teller schmückten mit einer hübschen Weihnachtsserviette, legten einen kleinen Schokoladennikolaus darauf und neben ihn noch einen winzigen Strohstern. Sie würden den Abend nicht allein verbringen: Zwei Tanten mit ihren Familien hatten sich angekündigt.

Als alles vorbereitet war, legten sie die Geschenke unter den Baum. Amelie lehnte ein selbergemaltes Bild gegen den Stamm. Schaute sie darauf, war sie ein wenig stolz, denn sie hatte sich besonders viel Mühe gegeben. Doch sah man ihr an, dass sie dennoch über etwas grübelte. Die Mutter lenkte sie schnell ab:
„Guck mal nach, ob Post im Briefkasten ist!“
Das ließ sich Amelie nicht zweimal sagen, stieg fix in die Gummistiefel und stapfte zum Briefkasten. Kurz darauf hielt sie mehrere Weihnachtskarten von entfernt wohnenden Verwandten und Freunden in der Hand, betrachtete die niedlichen Motive und träumte dabei ein wenig vor sich hin. Derweil guckte sie zufällig zu Boden.
„Ooh!!!“, entfuhr es ihr.
Gespannt hob sie das winzige Paket auf, das dort lag und rannte zurück ins Haus zur Mutter.
„Für Dich!“, verriet diese.

Am liebsten hätte Amelie gleich nachgesehen, was wohl drin war, aber sie hatte sich bis abends zu gedulden. Klar, dass es ihr dann während des Weihnachtsessens sehr schwerfiel, brav auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, bis alle aufgegessen hatten. Als es dann soweit war, dass alle ihre Gaben auspackten, erlaubte die Mutter:
„So, jetzt darfst Du es öffnen!“
Mit hochroten Wangen vor Aufregung riss Amelie das Papier auf. Gespannt guckte sie auf ein rotes Kästchen. Als sie den Deckel aufklappte, fiel ihr ein Zettel entgegen. Weil sie ja noch nicht lesen konnte, sagte ihr die Mutter, was darauf geschrieben stand. Plötzlich war alle Wehmut vergessen, über Amelies Gesicht glitt ein frohes Leuchten und sie betrachtete neugierig das winzige, liebevoll umwickelte Geschenk …

Weil Weihnachten war, durften die Kinder länger aufbleiben und tobten übermütig herum, allen voran Amelie, und beschäftigten sich mit den neuen Spielsachen. Stunde um Stunde verging. Es war schon sehr spät geworden, als es plötzlich schellte. Erstaunt sahen sich alle an:
„Jetzt noch, um diese Zeit??!“
Amelies Kinderherz begann zu klopfen. Es war , als ob sie etwas ahnen würde … Aufgeregt Mit rannte die Kleine zur Tür und öffnete. Vor ihr stand strahlend ein hochgewachsener Mann, ihr Vater. Mit einem lauten Jubelschrei fiel Amelie ihm um den Hals. Er drückte sie so fest an sich, als ob er nicht nur drei Wochen, sondern gar Monate weg gewesen wäre. Ja, der Geschäftsmann hatte keine Kosten und Umstände gescheut, um Weihnachten doch noch mit seiner Familie verbringen zu können.

Und was hatte Amelie so froh gemacht, als sie sich jenes kleine Päckchen angesehen hatte? Auf den Zettel hatte er geschrieben.
´Mein Kleines! Leider kann ich nicht bei Euch sein, aber Du sollt wissen, dass ich an Dich denke!`
Und auf dem winzigen Schokoladenherzchen darunter stand:
´Ich hab Dich sehr lieb!! Dein Papa`

An diesem Abend schlief Amelie überglücklich wie schon lange nicht mehr in den Armen ihres Vaters ein. Dieses Weihnachten würde sie ihr Leben lang nicht vergessen.

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