Das Versteck
Von
tastifix
Samstag 11.07.2020, 17:12 – geändert Mittwoch 22.07.2020, 16:54
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tastifix
Samstag 11.07.2020, 17:12 – geändert Mittwoch 22.07.2020, 16:54
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Ich, Knödelchen, lebte noch bei meinem Frauchen und deren Kinderschar. Wir tobten den halben Tag durchs Haus. Den ganzen ging nicht, denn sie mussten immer so früh weg zum Hunde-, ääh, Menschenplatz, der Schule. Die war bei ihnen etwa so beliebt wie bei mir der doofe Unterordnungsunterricht. Auf den verzichtete Frauchen aber leider nicht. Doch nach jenen Übungen vergaß ich das Gelernte stets auffällig schnell und machte wieder nur, was ich wollte. Dies behielt ich mein Leben lang bei, was mir so manches Abenteuer auf die eigene Pfote einbrachte.
Klar, dass "meine"Kinder" ziemlich schlechter Laune mittags nach Hause kamen. Es war dringend anzuraten, sie abzulenken.Traurige Ersatzgeschwister ertrug ich nämlich nur sehr schlecht.
"Knödelchen, das war eine Schei...", seufzten die beiden Älteren um die Wette."Stell Dir vor: Der lässt uns tatsächlich unangekündigt eine Arbeit schreiben. Wir waren doch alle nicht vorbereitet. Das gibt sicher ´nen Sechsersalat!"
Darunter konnte ich mir zwar nichts vorstellen, aber machte vor Anteilnahme kurz:
"Wau... Jaul!"
"Genau, du Süßer!"
´Gut gemacht!`, sagte ich mir stolz.
"Wau, vergesst die dämliche Arbeit. Lasst uns lieber spielen!", schlug ich vor und hing eine deutliche Spielaufforderung dran. Ich lag fast auf dem Boden vor lauter Auffordern.
"Au ja, wir toben!", meinte die Älteste begeistert.
Die Anderen waren sofort Kauknochen und Pizza.
"Verstecken spielen!", schlug ihre nächstjüngere Schwester vor.
Die noch jüngeren Zwillinge fanden es dann toll, dass sie mitspielen durften.
Mein Revier war sehr groß, ein Haus mit ganz Unten, Unten und einmal Oben. Dazu gehörte noch ein Garten mit zwei Tannen, einer Weide, einer Menge Gras zum Draufherumwälzen und vielen Blumen. Doch zum Sich-dahinter-Verstecken fehlten Büsche. Die hatte Frauchen glatt vergessen, anzupflanzen.
´Eigentlich geht sowas nicht!`, dachte ich vorwurfsvoll.´ Ob die damals noch nicht vorgehabt hatte, so etwas Tolles wie mich zu adoptieren? - Typisch Mensch!`
Naja, ich war ja jung und hatte noch genügend Zeit, sie mir zu erziehen und wie ich mich einschätzte, würde es wohl kaum schwierig für mich werden.
´Sie gehorchen ja eigentlich schon jetzt ganz gut. Und dabei bin ich erst sechs Monate hier!`
Stolz streckte ich mein Näschen hoch in die Luft.
Der Garten fiel also fürs Versteckspiel weg. Blieb ja noch das ganze Haus. Im Keller hockten leider Spinnen und vor denen hatte ich Angst. In die Läppchen-Küche in dem selbigen aber auch nicht, denn dort saß auf einer Minitreppe so`n großer, weißer Hund, der unentwegt schrecklich laut knurrte und dabei mit seinem einen Riesenauge dauernd im Kreis ´rum rollte. Schlimm, nicht? Der Kerl hatte tatsächlich nur ein Auge! Mich ins Elternschlafzimmer zu mogeln, traute ich mich nicht. Das war ebenfalls "Pfui!"
Das Wohnzimmer wollte ich nicht verdrecken, denn sonst gab es auch wieder Schimpfe.
Also raste ich die Treppe hoch ins Reich meiner Ersatzschwestern. Dort gab es mit Ausnahme des Planschzimmers keinen Pfui-Raum. Ich durfte sogar bis in die Betten, wenn Frauchen nicht in der Nähe war. In denen machte ich mich oft heimlich breit. Meine "Schwestern" hielten dicht und verrieten mich nicht.
Doch nun kam endlich der ersehnte Einfall, ich war irre happy deswegen und konnte vor Freude dummerweise mein Schnäuzchen nicht halten:
"Waulewau, wuhuuh!"
Und das, obwohl mich doch niemand bemerken sollte. Fröhlich trabte ich ins Zimmer der Jüngsten, drückte mich platt auf den Teppich und kroch unter ihr Bett bis hinten zur Wand. Dort blieb ich Hundekinder lieb total still liegen. Ich lobte mich insgeheim über den Klee,dass ich das überhaupt durchhielt, denn ich bellte doch sonst so gerne. Weil ich so aufgeregt war, bibberte ich vor mich hin.
´Wie lange die wohl brauchen, bis sie mich finden?`
Davon überzeugt, welch tolles Versteck ich ausgesucht hatte, sagte ich mir:
´Klasse, Junge!`
Eine Zeitlang war das Pfannkuchen spielen ja ganz spannend. Aber dann wurde ich unruhig. Es fahndete nämlich anscheinend keiner nach mir. Im Haus war es ungewöhnlich still, was hier eigentlich nur nachts vorkam, wenn die Kleinen schliefen und ich in meinem Korb einen tollen Kauknochentraum träumte oder auch von Katzen, die ich dann alle plattmachte. Nur in solch schönem Traum! In ´Wirklich`war selbst das ja verboten, seufz!
Noch immer rührte sich nichts. Mir wurde es mir mulmig zumute.
´Was, wenn die vielleicht ausgegangen sind? Das dann ohne mich??`
Dieser grauenvolle Gedanke ließ mir keine Ruhe mehr. Ich beschloss, zur Sicherheit besser mal nach dem Rechten zu sehen, schob mich mühsam ein bisschen vor, bis ich unterm Bett vor luken konnte.
´Ach, wau, gleich geschafft!`, frohlockte ich.
Doch das sollte man nie zu früh tun.
Denn das olle Bett stand felsenfest und ich lag darunter und kam nicht auf alle Viere.
"Du bist aber böse. Lass mich ´raus!"
Das Bett blieb unbeeindruckt.
´Ob ich mal drohend knurre ...?`. überlegte ich.
Gesagt, getan. Doch könnt Ihr Euch denken, wie sich das anhörte. Denn ich war ja noch ein Hundekind.
Ich geriet in Panik. Spiel hin oder her, jetzt musste etwas geschehen, wollte ich nicht den langen, langen Rest meines Hundelebens unterm Bett zubringen.
"Jauul!"
Und noch einmal:
"Waulewau...jauul!"
Ich weinte immer herzzerreißender. Irgendwer musste mich doch hören? Hatten sie mich denn gar nicht mehr lieb?? Ich spitzte meine Lauscher. Da, plötzlich tat sich etwas. Das Geräusch kannte ich. Da hopsten meine Ersatzschwestern, so gar nicht mehr leise, die Treppe hoch. Und: Sie riefen mich!!
"Knödelchen, wo steckst du denn? Komm her, komm!"
"Ja, möchte ich doch so gern. Aber ich kann nicht!", jammerte ich laut brüllend.
Sie hatten mich also doch lieb und machten sich inzwischen Sorgen um mich. Hach, war das ein schönes Gefühl!
Die Vier durchsuchten alle Kinderzimmer. Endlich erschien die Jüngste an der Tür. Einen Moment lang stutzte sie. Dann lachte sie laut los:
"Kommt schnell! Ich hab Knödelchen gefunden. Ratet mal, wo der ist?"
Sofort stürmten ihre Geschwister herbei und grinsten bei meinem Anblick übers ganze Gesicht.
"Knödelchen, meinste, wir sehen dich dort nicht? - Pech gehabt, so klein biste ja nun nicht!"
Ja ja: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Meine Freude darüber, sie alle bei mir zu wissen, verflog. Stattdessen war ich schwer beleidigt und sehr traurig. Die lachten mich ja aus...
"Gefunden, Knödelchen. Kannst ´raus kommen!", forderte mich die Älterste auf.
´Aber ich steck` doch fest!`, winselte ich.
"Was ist denn mit Dir, Knödelchen?"
Immerhin hatten sie gemerkt, dass was nicht stimmte.
"Wau,wau,wuuh,jaul, winsel, wau!!", erklärte ich ihnen, in der Hoffnung, soweit wären ihre Kenntnisse in Hundesprache schon gediehen.
"Oh je!", stellten die Vier fest. "Knödelchen steckt fest. Der ist für dieses Versteck einfach schon zu groß!"
Grübel, grübel.
"Wir müssen das Bett hoch heben. Dann kann er drunter weg."
Das kam von der Zweitältesten. Lachend stellten sie sich jede von ihnen an eine der Ecken des Bettes.
"Hauruck!", hieß es.
Das Bett hob sich tatsächlich etwas und hing wackelnd knapp über mir in der Luft.
´Bloß schnell weg hier, bevor mir das auf den Kopf purzelt!", zog ich mich vorsichtig ein wenig hoch und robbte schleunigst aus dieser unbequemen Höhle heraus. Kaum draussen, schwang ich mich blitzschnell auf die Pfoten und war weg. Hinter mir hörte ich das amüsierte Gelächter meiner Ersatzschwestern.
Ich hatte das Ganze überhaupt nicht mehr lustig gefunden. Wenn ich ehrlich bin, dagegen Todesängste ausgestanden. Eines ist sicher:
"Unter einem Bett verstecke ich mich nie wieder! - Wuff!"
"Wau!!"