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Das Restaurant des Herrn Soika

Von Feierabend-Mitglied Freitag 18.09.2020, 08:28

Noch bis in die 40ger Jahre des letzten Jahrhunderts gab es in Wien im 6ten Bezirk das Restaurant des Herrn Soika, das auch praktischerweise seinen Namen trug, eben Restaurant Soika. Das Restaurant war ein langer Schlauch mit einem Mittelgang, an dem rechts und links je acht Tische standen. Am Kopfende befand sich ein Tresen und dahinter eine Schwingtür zur Küche. Vor dem Tresen saß Tag für Tag zur Mittags und zur Abendzeit, sobald das Restaurant öffnete, in einem großen, bequemen Sessel der Herr Soika. Er grüßte oder sprach niemals mit den Gästen sondern schaute aufmerksam über alle Tische. Sobald die Kellner mit einem gefüllten Teller aus der Küche kamen blieben sie beim Herrn Soika kurz stehen, er besah sich den Teller, nickte und der Kellner servierte ihn dem Gast. Der Herr Soika war für seine gelegentlichen Wutausbrüche berüchtigt und so aßen die Gäste, stumm über den Teller gebeugt ihr Essen. Nie verließ der Herr Soika seinen Sessel was auch verständlich war, wog er doch bei stattlichen zwei Metern Größe knappe vier Zentner.
Eine Speisekarte gab es nicht sondern jeden Tag nur ein Gericht zu Mittag und ein zweites zu Abend. Trotzdem war das Restaurant mittags und abends wie man in Wien sagt "gesteckt voll", denn das Essen war preiswert und gut. Nur einmal, es gab zu Mittag "Wiener Backhendl" hatte der Koch wohl keinen guten Tag, ließ die Backhendl zu lange in der Backröhre und sie wurden arg trocken. Äußerlich war das ja nicht zu sehen und so kamen die trockenen Backhendl zu den Gästen. Keiner wagte aufzumucken, alle würgten das trockene Hendl hinunter. Nur einer, der Sprache nach kein Wiener, ja sogar kein Österreicher und auch kein Stammgast, rief nach dem Kellner und beschwerte sich über das trockene Backhendl. Der Kellner nahm den Teller mit dem Hendl und ging Richtung Küche. Der Herr Soika winkte ihn zu sich. "Wos is?" rauzte er. Der Kellner beute sich zu ihm und flüsterte etwas. "Soso" brüllte der Herr Soika "zu trocken!" und das unfassbare geschah: Er erhob sich ächzend aus seinem Sessel, watschelte zum Gast, packte ihn hinten am Kragen, zerrte ihn zum Ausgang und warf ihn zur Tür hinaus. "Zahlen brauchen's nicht", schrie er dabei "sie waren mein Gast!" Er drehte sich um, watschelte in die Mitte des Restaurants, schaute über die gesenkten Köpfe der verdatterten Gäste und brüllte mit donnernder Stimme: "Ich weiß, das hier noch einige sind, die behaupten würden, meine Backhendl wären zu trocken. Oh ich kenn sie alle, und a jeder kann auch mein Gast gewesen sein!" Niemand rührte sich und der Herr Soika ließ sich wieder in seinem Sessel nieder. "es geht doch nix über zufriedne Gäst!" sagte er.

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