Das pfiffige Mandelhörnchen
Von
tastifix
Freitag 26.01.2018, 22:47
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tastifix
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Im Regal eines Geschäftes lagen einmal drei Mandelhörnchen ziemlich respektlos zusammen gepfercht in ihrer Schachtel. Noch nicht einmal aufrichten konnten sie sich. Naja, eigentlich rühren sich die ja nur, wenn ein Mensch sie heraus nimmt, der Appetit auf die Mandeln und die leckeren Schokospitzen hat. Beide Zutaten waren ausgesprochen wichtig, denn ein Hörnchen ohne Schokolade und gar ohne Mandeln hätte sich niemals den edlen Namen Mandelhörnchen geben dürfen. Dann wäre es vielleicht nur ein halb trockenes Etwas gewesen.
Tricksi, Schoki und Mandli hießen sie. Mandli hieß so, weil es einen prächtigen Mantel aus Mandeln trug. Schoki hatte die Bäckerei tolle dicke Schokospitzen gegönnt. Tricksi schaute dagegen echt jämmerlich aus. Viel kleiner war er geraten mit wenigen Mandeln und nur je eine Spur Schokolade an seinen Spitzen. Aber hörte man der lebhaften Unterhaltung der Drei zu, mit der sie versuchten, sich die Langeweile zu vertreiben, schien Tricksi dreimal pfiffiger als die anderen Beiden zu sein.
Stunden und Tage vergingen. Den Dreien war inzwischen der Gesprächsstoff ausgegangen und sie seufzten einander höchstens ab und zu noch etwas vor:
„Hoffentlich kauft uns bald jemand. Ist ja deprimierend!!"
Sie hatten zwar keine Ahnung, was das bedeutete, aber es klang so schlau und zudem beeindruckte sie es total, dass sie sogar wussten, wie man es richtig aussprach. Aber endlich, am Samstag jener Woche, betrat ein junger Mann das Geschäft, steuerte zielbewusst auf ihr Regal zu, guckte hier, überlegte dort:
´Hm, nehme ich jetzt Baumkuchen oder Mandelhörnchen? Also: Heut mal wieder Mandelhörnchen!`
Denen wäre beinahe die Schokolade geschmolzen, so warm wurde es ihnen vor lauter Freude:
„Endlich! Puuh, wurde auch Zeit!“
Der Kunde legte die Schachtel vorsichtig in den Einkaufswagen:
´Nicht, dass sie mir gar noch zerbrechen, wäre zu schade!`
Auf dem Band vor der Kasse wurden Tricksi, Mandli und Schoki noch ziemlich durchgerüttelt, denn immer, wenn die Kassiererin die Ware näher zu sich schieben ließ, gab es einen kurzen heftigen Ruck.
„Gut nur, dass unsere Schachtel fest verschlossen ist. Sonst würden wir vielleicht gar kreuz und quer übers Band rutschen. Nee, welch entsetzliche Blamage!“
So aber blieb ihnen diese Schmach erspart und zufrieden ließen sie sich in ihr neues Zuhause tragen. In dem Regalfach, das sie dann bezogen, lagen bereits drei weitere Packungen mit Mandelhörnchen und zwei mit Baumkuchen.
„So gehört sich das auch!“, trumpfte Mandli auf.
„Genau!“, stimmten Schoki und Tricksi zu, Tricksi allerdings nicht ganz so überheblich.
Tja, wenn es die Beiden betrachtete und dann sich selber, ganz zu schweigen von den Baumkuchen … Seufz!
Die älteren Mandelhörnchen und Baumkuchen verrieten:
„Hier bleibt keiner lange liegen! Der isst jeden Tag Gebäck!“
„Jeden Tag? Und bleibt so schlank??“, wunderten sich die Neuen, allerdings auch leicht beleidigt, denn sie alle waren sehr stolz auf ihren Zuckergehalt.
„Ja, und stellt Euch mal vor: Gestern hat er tatsächlich vor sich her gemurmelt, dass er unbedingt schlanker werden will. Diät halten, nennen das wohl die Menschen.“
„Oh nein!!“
„Ja, das Schlimmste wisst ihr ja noch nicht: Der macht des nur, weil seine Freundin nooch schlanker ist als er!“
Tricksi, Mandli und besonders Schoki erlitten einen heftigen Schock.
„Heißt das etwa, dass wir hier gar vergammeln werden??“
Ratloses Schokoendenzucken war die Antwort.
Verzweifelt hofften unsere Drei und auch die Anderen, dass er diese komische Diät ja doch nicht durchhalten würde.
„Macht Euch nicht zu große Hoffnungen!“, meinten die Älteren bekümmert. „Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat … Wir kennen ihn jetzt mehrere Tage ...“
„Eben! Und zwar 72 lange Stunden!“, erklärte der größte Baumkuchen.
„Furchtbar!“, empörten sich die Drei. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen!“
„Stimmt! Unsere Mandelhörnchenehre steht auf dem Spiel!!“
„Und unsere auch!“, betonten die Baumkuchen.
„Wir müssen dringend etwas unternehmen!“, bestimmte Schoki und behielt lieber für sich, dass ihm da so gar nichts einfiel.
„Und was? Habt Ihr schon vergessen: Wir sind hier eingesperrt und kommen garantiert nicht allein selber raus!?“, stellte Tricksi so zutreffend fest.
„Tja dann …“
Den Rest verschluckten sie lieber. Aber schließlich war es Tricksi, der sich nicht mit einem solchen Schicksal abfinden wollte und ganz besonders gründlich nachdachte. Auch das war schon erstaunlich. Gebäck, das dachte?? Und auf einmal hatte er eine Idee:
´Ja, ja. So könnte es klappen! Aber nur, wenn …`
Und an diesem Nachmittag schien es soweit zu sein. Jochen, so hieß der Mann, hatte bereits drei Tage auf seine geliebte Schluckerei verzichtet und sich jeden Tag über den Klee deshalb gelobt.
„Ich schaffe das!“, sagte er am ersten Tag und hielt weiten Abstand zu dem Schrank, in dem jene Köstlichkeiten warteten.
„Ich halte durch!“, machte er sich am zweiten Tag Mut und strich nur im Sicherheitsabstand um jenes Küchenmöbel herum.
„Nein, ich gebe nicht nach!“, bekräftigte er sich auch an diesem dritten Tag.
Sein weher Blick streifte den Schrank. Wieder und immer wieder.
´Zwei Kilo sind schon weg. Prima!`
Ja, 2000 g. Seine Freundin würde staunen.
„2000 g, 2000 g!“, murmelte er immer wieder. „Ging ja recht fix!“
Näher und näher schlich er auf den Schrank zu.
„Bestimmt machts nichts aus, wenn ich heut mal wieder … Morgen halt ich dann Diät!“
Er hielt es einfach nicht mehr aus ohne Gebäck. Die lästigen Gewissensbisse verdrängte er rigoros, öffnete die Tür, griff sich die Mandelhörnchenschachtel und schnitt die Folie auf.
„Nein, nein, ich lass es!!“
Sofort machte ihm sein Gewissen keine Vorhaltungen mehr und Jochen fühlte sich wie ein wahrer Held. Er würde hart bleiben ...
Doch ahnte Jochen ja nicht, dass Tricksi sofort, als die Schachtel offen war, sich seines Planes erinnerte und erst recht nicht, mit welch einem winzigen, aber recht pfiffigen süßen Gegner er es nun zu tun bekam. Ganz in Gedanken versunken hielt der junge Mann die Schachtel ein wenig schief und Tricksi purzelte auf den Tisch. Mandli und auch Schoki gaben vor Aufregung keinen Mucks mehr von sich. Was würde geschehen? Würde Jochen Tricksi wieder zurück in die Schachtel legen, sie Drei erneut im Schrank landen und unbeachtet bleiben? Stattdessen schaute Jochen unverwandt auf das Mandelhörnchen und schnupperte mehrmals an ihm. Zu seinem Pech mindestens zweimal zu oft. Noch nie in seinem Dasein hatte sich Tricksi solche Mühe gegeben, möglichst verlockend zu riechen.
„Ach, was soll es! Hab ich morgen wieder runter!“, wollte Jochen sich noch vormachen.
Zwar protestierte sein Gewissen energisch, aber es war zu spät. Froh durften die Baumkuchen und auch Mandli und Schoki zusehen, wie Jochen sich Tee und Kuchenteller hin stellte und dann Tricksi genüsslich verspeiste. Sie waren sich sicher:
´Morgen sind wir an der Reihe! Von wegen Schlankheitskur! Unsere Gebäckteilchenehre ist gerettet!`
Übrigens war auch am nächsten Tag von Diät keine Rede mehr!