Das ist Winter
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 23.01.2019, 14:41
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In meinem Kaminofen bullert das Feuer. Mir scheint, diese Wärme ist wärmer als die der modernen Heizkörper, die ich eben herunter gedreht hatte.
Ich gestatte mir den Luxus der Ruhe, setze mich hin, höre dem Feuer zu und genieße es kaum einen Laut zu hören.
Mein Blick schwebt hinüber zum Fenster. Minus 5 Grad. Nun, es ist Winter und da kann es gut minus 15 Mitte Januar sein. Was also sind minus 5 Grad? Schietkalt sind die, wenn man sich nicht, wie wir es vorhin aber taten, ordentlich bewegt.
Nachdem ich vor einer Stunde heimgekommen war, fütterte ich erst einmal all das Getier so um mich herum: Die Wellensittiche in der Voliere haben jetzt besonders viel Hunger und schienen schon auf mich zu warten. Und da sie sich doch recht aufgeplustert hatten, schaltete ich die Wärmelampe an, in deren Schein sich einige Vögelchen sofort setzten. Dann holte ich die Tüte mit den Sonnenblumenkernen, um die sechs verschiedenen Futterstellen für all die vielen Waldsänger nachzufüllen. Für die Eichhörnchen legte ich fünf Walnüsse auf die ihnen schon lange bekannte Stelle hin. Mein Hund strich mir derweil neugierig um die Beine, obwohl Vögel ihn absolut nicht interessieren. Auch das Eichhörnchen ist für ihn niemand, dem er nachjagen müsse. Nur der Igel im Herbst, ja der war schon was Spannendes und irgendwie unheimlich. Was lachten wir, weil der 36kilo-hund sein Spielzeug lieber vor dem kleinen Stacheltier in Sicherheit brachte.
Doch nun hat sich der Igel irgendwo verkrochen und der Hund fand nicht mal einen Postboten zum Davonjagen, also machte er sich davon, zurück aufs, nun ich sag es, Sofa.
Da liegt er immer noch und scheint wie ich die Wärme des Feuers zu genießen.
Derweil haben die Vögel des nahe gelegenen Waldes die gut aufgetankten Futterstellen erobert und in erstaunlich friedlicher Koexistenz füllen sie ihre Energiespeicher auf. Von meinen Wellensittichen weiß ich, wie schnell Futtermangel gefährlich sein kann.
Während die dicken Kohlmeisen mal fix sich etwas angeln, sausen die kleineren Blaumeisen nur kurz aus dem schützenden Wacholder heraus und entscheiden sich dann doch, die dortige kleinere Futterstelle zu nutzen.
Ein Schwarm von neun kleinen Piepsern kommt an. Der mutigste von ihnen erobert die Futterröhre, während die anderen lieber in dem Heruntergefallenen sich das herauspicken, was ihren winzigen Magen füllt. Nahezu majestätisch schreitet die Ringeltaube einher und meine Gartenamsel schaut sich aus der Entfernung das Treiben an.
Drei Spatzen, tatsächlich nur drei, holen sich das Ihre, ohne die kleinen Vögel, es könnten Goldammern sein, zu stören.
Seit Kindertagen beobachte ich das winterliche Vogelhaustreiben gern. Nur sah ich vor Jahren das letzte Mal die Haubenlerche. Wo sind die geblieben?
Spatzen waren sonst auch viel mehr dabei und vor allem kabbelten sie sich lautstark um die besten Happen.
Heute jedoch war es ruhig, sehr friedlich und klar, es reichte für jeden.